Bündnis könnte global agieren

Ex-Nato-Befehlshaber rät zu weiteren Mitgliedern – und nennt konkrete Länder

  • schließen

Wird die Nato zu einem globalen Bündnis? Vier konkrete Partner in Asien werden als neue Mitgliedsländer ins Spiel gebracht.

Frankfurt – Das Militärbündnis Nato wächst. Vor kurzem traten angesichts der russischen Bedrohung die Länder Schweden und Finnland bei. Doch auch im asiatischen Raum wird über neue Mitgliedsstaaten diskutiert. Konkret stehen Japan, Neuseeland, Australien und Südkorea als neue Mitglieder im Raum.

Ex-Nato-Oberbefehlshaber: Japan, Australien, Südkorea und Neuseeland als Mitglieder aufnehmen

Diese schlug ein ehemaliger Nato-Oberbefehlshaber der Alliierten vor: „Die Nato sollte darüber nachdenken, einige neue Mitglieder außerhalb ihrer traditionellen Grenzen zu rekrutieren“, schrieb der pensionierte US-Marineadmiral James Stavridis in einem Bloomberg-Artikel. Stavridis war von 2009 bis 2013 Oberbefehlshaber des Militärbündnisses.

Auch die Nato selbst diskutiert über eine erweiterte Zusammenarbeit mit diesen Staaten. Man habe diskutiert, wie die Kooperation bei der Abwehr von hybriden Bedrohungen und Cyberattacken verstärkt werden könne, erklärte Generalsekretär Jens Stoltenberg am 11. April nach einem Außenministertreffen mit Vertretern aus den vier Nationen. Zudem gehe es auch um die Zusammenarbeit der Produktion von Rüstungsgüstern.

Jens Stoltenberg (l.), Nato-Generalsekretär, und Fumio Kishida, Ministerpräsident von Japan, halten eine gemeinsame Pressekonferenz ab.

Bald schon „klar artikulierte Sicherheitsgarantien“ zwischen Nato und asiatischen Ländern?

„Unsere Sicherheit ist miteinander verbunden. Was im Pazifik passiert, ist für Europa von Bedeutung, und was in Europa passiert, ist für den Pazifik von Bedeutung“, sagte Stoltenberg. Auch der Krieg in der Ukraine zeige dies sehr deutlich, denn man sehe, wie China die russische Kriegswirtschaft unterstütze, indem es Ausrüstung liefere, die auch in der russischen Militärindustrie eingesetzt werde. Im Gegenzug verpfände Moskau seine Zukunft an Peking. Stavridis sieht in den vier Ländern potenzielle Partner, „die die Vision der Allianz von Freiheit, Demokratie, Freiheit und Menschenrechten teilen“.

Stavridis gab zwar zu, dass eine Bewältigung der „kulturellen, sprachlichen und geografischen Unterschiede“ schwierig sein könnte. Eine größere Mitgliederzahl könne es „noch schwieriger machen, einen breiten Konsens über eine bestimmte Mission zu erzielen“. Die Herausforderungen und Vorteile hielten sich demnach etwa die Waage, und angesichts dieser Hürden sei eine globale Nato noch „zu früh“, weswegen er zu „stärker formalisierten Beziehungen“ zwischen dem Bündnis und den asiatischen Demokratien riet, zum Beispiel mit „klar artikulierte Sicherheitsgarantien“ und „die gemeinsame Beschaffung moderner Waffensystemen“.

Stoltenberg: Sicherheit von Europa und Asien untrennbar

Stoltenbergs Aussagen gehen in eine ähnliche Richtung. Bei der Nato sehe man, wie der Iran und Nordkorea Munition, Raketen und Drohnen nach Russland lieferten. Und im Gegenzug stelle Russland Technologie für die Raketen- und Atomprogramme dieser Länder bereit. Die Idee, dass sich die Sicherheit in Europa von der in Asien trennen lasse, funktioniere nicht, betonte Stoltenberg. Auch Spitzenpolitiker aus der Indopazifik-Region hätten erklärt, dass das, was heute in der Ukraine passiere, morgen im Südchinesischen Meer passieren könne – eine Anspielung auf einen befürchteten Überfall Chinas auf Taiwan.

„Air Defender 23“: Diese Flugzeuge kommen bei der riesigen Nato-Übung zum Einsatz

Nach Angaben der Bundeswehr beteiligt sich die Luftwaffe mit 64 Maschinen. Darunter sind auch 16 Tornados, die der Aufklärung und dem Kampf dienen.
Rund 250 Flugzeuge sind bei der Nato-Übung „Air Defender 23“ im Juni im Einsatz. Nach Angaben der Bundeswehr beteiligt sich die Luftwaffe mit 64 Maschinen. Darunter sind auch 16 Tornados, die der Aufklärung und dem Kampf dienen. Die Auslieferung der ersten PA-200 Tornados an die Bundeswehr begann im Jahr 1981 und wurde 1992 abgeschlossen. Ausgeliefert wurden insgesamt 357 Mehrzweckkampfflugzeuge an die Luftwaffe, aber auch an die Marine. Die Geschwindigkeit beträgt im Tiefflug bis zu Mach 1,3. Die Tornados sollen langfristig durch Eurojets und F-35 aus US-amerikanischer Fertigung abgelöst werden.  © dpa
Der Eurofighter bildet laut Bundeswehr „das Rückgrat der deutschen Kampfflugzeugflotte“.
Der Eurofighter bildet laut Bundeswehr „das Rückgrat der deutschen Kampfflugzeugflotte“. Die 138 Kampfjets seien „Kernelement zur Sicherstellung des künftigen Beitrages der Luftwaffe zum geforderten Fähigkeitsprofil der Streitkräfte und den damit verbundenen Bündnisverpflichtungen“. Der Eurofighter kann auch ohne Nachbrenner in den Überschallbereich beschleunigen und über längere Zeit mit Überschall fliegen. Bei der Nato-Übung „Air Defender 23“ kommen 30 Eurofighter der Bundeswehr zum Einsatz. © Monika Skolimowska/dpa
Auch fünf A400M von Airbus werden an der Nato-Übung „Air Defender 23“ beteiligt sein
Auch fünf A400M von Airbus werden an der Nato-Übung „Air Defender 23“ beteiligt sein. Der A400M ist ein militärisches Transportflugzeug, das bis zu 114 Soldatinnen und Soldaten aufnehmen kann. Auch ein Transport von unterschiedlichstem Material wie beispielsweise einem Kampfhubschrauber Tiger, vier Geländewagen vom Typ Wolf oder einem Schützenpanzer Puma ist laut Bundeswehr möglich. Zum Einsatzspektrum zählen auch die Verwendungen als Tank- und Lazarettflugzeug. So kann ein Eurofighter im Flug an den A400M andocken, um bei Geschwindigkeiten von mehr als 500 km/h betankt zu werden. Zudem kann der A400M auch medizinisch zu betreuende Patienten verlegen.  © Moritz Frankenberg/dpa
Nahezu unverwüstlich ist die F-15 Eagle, die am 27. Juli 1972 ihren Jungfernflug absolvierte und seit 1976 bei der US-Luftwaffe im Einsatz ist.
Nahezu unverwüstlich ist die F-15 Eagle, die am 27. Juli 1972 ihren Jungfernflug absolvierte und seit 1976 bei der US-Luftwaffe im Einsatz ist. Damals war sie der erste Luftüberlegenheitsjäger der Welt. Ihre Überlegenheit basierte auf ihrem Leistungsvermögen, sich mit hoher Geschwindigkeit einem Ziel zu nähern und sich notfalls schnell aus kritischen Situationen befreien zu können. Die F-15 besitzt einen unschätzbaren Vorteil, über den selbst die modernsten Kampfjets der neusten Generation nicht verfügen: Sie kann zu einem günstigeren Preis viel mehr Waffen mitführen.  © Joe Giddens/dpa
Das Kampfflugzeug F-16 gehört zu den leistungsfähigsten Militärjets weltweit
Das Kampfflugzeug F-16 gehört zu den leistungsfähigsten Militärjets weltweit und kommt in mehr als zwei Dutzend Ländern zum Einsatz. Die Maschinen der US-Firma Lockheed können sowohl in der Luftverteidigung als auch gegen Ziele am Boden eingesetzt werden, also zum Zurückdrängen feindlicher Verbände. Die F-16 ist in der Lage, auch in extrem niedriger Höhe und bei jedem Wetter zu fliegen. Der erste Prototyp stieg 1974 in die Luft, 1979 ging die F-16 bei der US-Luftwaffe in Dienst. Aktuell werden mehr als 2800 Exemplare eingesetzt. © KENZO TRIBOUILLARD/afp
Die USA und die Niederlande nehmen unter anderem mit Kampfjets vom Typ F-35 an der Nato-Übung „Air Defender 23“ teil.
Die USA und die Niederlande nehmen unter anderem mit Kampfjets vom Typ F-35 an der Nato-Übung „Air Defender 23“ teil. Die Tarnkappen-Mehrzweckkampfflugzeuge des Herstellers Lockheed Martin gibt es in drei Varianten: Als konventioneller Kampfjet (F-35A), senkrecht startend und landend (F-35B) und als Flugzeugträgerversion (F-35C). Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei Mach 1,6. Im Vergleich zu älteren, konventionellen Kampfjets wie dem Tornado oder auch dem Eurofighter verfügt die F-35 über ausgeprägte Tarnkappeneigenschaften. Durch Formgebung und Materialwahl kann das Flugzeug daher durch gegnerische Radargeräte erst sehr spät erfasst werden.  © Harald Tittel/dpa
Fairchild-Republic A-10 Thunderbolt II
Seit mehr als 40 Jahren vertrauen die US-Luftstreitkräfte auf die Fairchild-Republic A-10 Thunderbolt II (deutsch Donnerkeil), die auch als „Warzenschwein“ („Warthog“) bekannt ist. Der zweistrahlige Unterschall-Jet ist zum Einsatz gegen Bodenziele, vor allem zur Bekämpfung gepanzerter Fahrzeuge vorgesehen. Das Erdkampfflugzeug soll noch für einige Jahre im Betrieb bleiben, bis er durch die F-35 Lightning II abgelöst wird. © Urbanandsport/Imago
Auch das jüngste Nato-Mitglied Finnland nimmt an der Übung „Air Defender 23“ teil - und zwar mit vier Kampfjets vom Typ F/A-18 Hornet
Auch das jüngste Nato-Mitglied Finnland nimmt an der Übung „Air Defender 23“ teil - und zwar mit vier Kampfjets vom Typ F/A-18 Hornet. Bei der „Hornisse“ handelt es sich um ein zweistrahliges Kampfflugzeug des Herstellers McDonnell Douglas aus den USA. Das Flugzeug zeichnet sich durch ihre Flexibilität bei der Bekämpfung von Boden-, See- und Luftzielen auf große Entfernung aus. Der Kampfjet wurde primär für den Einsatz auf Flugzeugträgern der United States Navy entworfen, er wird aber inzwischen auch von anderen Nationen eingesetzt. Der Erstflug fand 1978 statt, die Serienproduktion begann 1980. © Imago
Ungarn nimmt mit der schwedischen Saab JAS 39 Gripen an der Nato-Übung „Air Defender 23“ teil.
Ungarn nimmt mit der schwedischen Saab JAS 39 Gripen an der Nato-Übung „Air Defender 23“ teil. Das wendige Mehrzweckkampfflugzeug, das als Ein- und Doppelsitzer verfügbar ist, kann alle gängigen Waffen der Nato-Staaten tragen und Luft- sowie Bodenziele bekämpfen. Großes Plus der Gripen: Sie ist nicht unbedingt auf einen Flugplatz angewiesen, sondern kann auch auf Behelfspisten, Autobahnen und unbefestigten Straßen starten und landen. Die Bezeichnung JAS steht für Jakt, Attack och Spaning (schwedisch für „Jagd, Angriff und Aufklärung“). © Sandor Ujvari/dpa
Das militärische Transportflugzeug C-130 Hercules des US-amerikanischen Herstellers Lockheed Corporation.
Das militärische Transportflugzeug C-130 Hercules des US-amerikanischen Herstellers Lockheed Corporation wird seit 1956 in Serie produziert und ist damit eines der am längsten gebauten Flugzeuge der Welt. Der Erstflug fand am 23. August 1954 statt. Bis heute wurden mehr als 40 Versionen entwickelt. Dank robustem Fahrwerk ist die C-130 dafür ausgelegt, auch auf unvorbereiteten Flächen wie Sandstränden oder Graspisten zu landen. © JUAN MABROMATA/afp
Für die Luftbetankung der US-Luftwaffe ist die Boeing KC-135 Stratotanker noch immer unverzichtbar.
Für die Luftbetankung der US-Luftwaffe ist die Boeing KC-135 Stratotanker noch immer unverzichtbar. Die Maschine dient auch zum Transport von Fracht und Truppen. Zudem kann sie für medizinische Evakuierungen eingesetzt werden. 1954 zunächst als Zwischenlösung gedacht, wurde das Modell vielfach umgerüstet und mit moderneren Turbofantriebwerken ausgestattet. Fast der gesamte interne Treibstoff kann durch den fliegenden Ausleger gepumpt werden.  © Sam Upshaw/Imago
In der nahen Zukunft soll die KC-46 Pegasus von Boeing das Rückgrat der US-Tankerflotte bilden.
In der nahen Zukunft soll die KC-46 Pegasus von Boeing das Rückgrat der US-Tankerflotte bilden. Die Produktion verlief zunächst allerdings alles andere als reibungslos, mehrmals verweigerte die Luftwaffe aufgrund von Qualitätsmängeln die Abnahme. Inzwischen ist die Maschine aber einsatzbereit. „Die kampffähige KC-46A verändert die Rolle des Tankflugzeugs für das 21. Jahrhundert“, verkündete Programmleiter James Burgess Anfang 2023 stolz.  © Rob Edgcumbe/Imago

In den vergangenen Jahren hat sich die Zusammenarbeit der Nato mit ausgewählten asiatischen Ländern verstärkt. Seit 2022 nehmen auch Japan und Südkorea an den jährlichen Gipfeltreffen des Militärbündnisses teil. 2023 erwog die Nato Berichten zufolge die Einrichtung eines Verbindungsbüros in Japan.

China missfallen Nato-Aktivitäten in Asien

Dass die Nato näher an den asiatisch-pazifischen Raum heranrückt, missfällt der chinesischen Regierung in Peking. Die Nato habe die nicht existierende „Bedrohung durch China“ als Vorwand benutzt, um die Blockkonfrontation voranzutreiben. „Das stellt eine Bedrohung für die regionale Sicherheit dar“, äußerte der Sprecher des Pekinger Verteidigungsministeriums, Wu Qian, während einer Pressekonferenz im Januar. Der nächste Nato-Gipfel findet im Juli in Washington statt. Beschlüsse zu neuen Kooperationen oder Aufnahmekandidaten könnten dort getroffen werden.

Nato gibt Stellungnahme zu potenziellen Partnern in Asien ab

Gegenüber IPPEN.MEDIA hat das Militärbündnis eine Stellungnahme zu potenziellen neuen Mitgliedern in Asien abgegeben. „Es gibt keine Pläne, die Nato über den Nordatlantikraum hinaus auszuweiten, aber das Bündnis vertieft seine Beziehungen zu seinen indopazifischen Partnern, unter anderem in den Bereichen Technologie, Cyber- und Hybridbedrohungen sowie Unterstützung für die Ukraine“, so ein Sprecher. Gemäß Artikel 10 des Washingtoner Vertrags können die Bündnispartner jeden europäischen Staat, der in der Lage ist, die Grundsätze des Vertrags zu fördern und zur Sicherheit des Nordatlantikraums beizutragen, zum Beitritt zum Vertrag einladen.

Der Sprecher zitierte Stoltenberg, der äußerte: „Die Nato wird ein Bündnis zwischen Nordamerika und Europa bleiben. Aber unsere Sicherheit ist mit der Sicherheit im asiatisch-pazifischen Raum verknüpft. Deshalb müsse das Bündnis „mit unseren Partnern in dieser Region zusammenarbeiten, um diese globalen Sicherheitsherausforderungen zu bewältigen eine globale Ordnung, die durch Gesetze und nicht durch Gewalt geregelt wird.“ (cgsc mit dpa)

Rubriklistenbild: © dpa/kyodo

Kommentare