Sapad 2025: Russland startet Kriegsübung mit Belarus – NATO reagiert mit Maßnahmen
Russland beginnt demnächst mit einer Militärübung an der Grenze zu Polen. Welche Schutzmaßnahmen die NATO gegen Russland getroffen hat.
Brüssel/Warschau – Russland plant vom 12. bis 16. September eine gemeinsame Militärübung mit Belarus an der Grenze zu Polen und der Ukraine. „Sapad 2025“ nennen die Russen die Übung – „Westen“. Nachdem am Mittwoch (10. September) russische Militärdrohnen tief in den polnischen Luftraum eingedrungen sind, ist das Land besorgt. Polen will seine Grenze zu Belarus während der Übung geschlossen halten und hat zeitweise Teile seines Luftraums gesperrt.
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Mitte Februar sagte Alexander Wolfowitsch, Staatssekretär des belarussischen Sicherheitsrats, dass die gemeinsame Übung Sapad-2025 eine geplante Veranstaltung sei, die keine Bedrohung für andere Staaten darstelle. Militärexperten sehen die Übung als eine Machtdemonstration nach außen und innen. Aber für den Ernstfall wäre die NATO vorbereitet, berichtet die Tagesschau.
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Auch der Abschuss der russischen Drohnen über Polen in der Nacht zum Mittwoch war eine gemeinsame Aktion der NATO. Das bestätigte NATO-Generalsekretär Mark Rutte. Neben den polnischen waren auch niederländische Kampfjets und ein italienisches Aufklärungsflugzeug beteiligt. Der stellvertretende Unions-Fraktionsvorsitzende Norbert Röttgen sagte in der ARD: „Ja, die NATO hat funktioniert“.
Militärübung Sapad war schon einmal Vorbereitung auf einen Krieg
Die russisch-belarussische Militärübung Sapad wird seit 2019 regelmäßig durchgeführt. 2021 wurde die Militärübung dazu genutzt, Militäreinheiten in Grenznähe zur Ukraine zu stationieren. Kurz nach einer weiteren Militärübung 2022 überfiel Russland dann am 24. Februar die Ukraine. Klemens Fischer, Professor für Geopolitik und Internationale Beziehungen an der Universität zu Köln, geht im Focus davon aus, dass die Militärübung dieses Jahr gegen die Nordostflanke der NATO gerichtet ist. Das Ziel der Übung sei, innenpolitisch militärische Stärke zu demonstrieren und nach außen abschreckend zu wirken.
Aylin Matlé und András Rácz von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) sehen eine deutliche Gefahr für die NATO in der Militärübung: Die Übung trage den „Charakter eines zukünftigen Krieges“. Und es sei „sehr wahrscheinlich, dass die Übung Sapad-2025 eine Form von Training mit der neuen ballistischen Rakete ‚Oreschnik‘ beinhalten wird – entweder simuliert oder mit scharfem Schuss.“
Während Russland in Belarus den Krieg übt, ist die NATO in der Ostsee mit ihrer eigenen Truppenübung beschäftigt. Auch die deutsche Bundeswehr ist dabei, wie die ZEIT berichtet. Die Übung heißt Quadriga 25 und probt „den Schutz des Ostseeraums unter den Bedingungen Krise und Krieg.“ Quadriga 25 überschneidet sich zeitlich mit der russischen Sapad-Übung.
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In der Nacht zum Mittwoch, 10. September, sind mehrere russische Drohnen in den polnischen Luftraum eingedrungen, von denen die polnische Armee einige abschoss. Trümmerteile verursachten Sachschäden, verletzt wurde niemand. Polen sprach von einer „Provokation“ und aktivierte Artikel 4 der NATO. Am Mittwochmorgen berieten die Bündnispartner über den Vorfall. Rutte fand danach deutliche Worte: „Eines ist klar: Der Vorfall ist kein Einzelfall. Unser Oberbefehlshaber wird weiter für die Abschreckung entlang der gesamten Ostgrenze sorgen. Die Verbündeten sind entschlossen, jeden Zentimeter des NATO-Gebietes zu verteidigen.“
Inzwischen haben Lettland und Polen Teile ihres Luftraums gesperrt. Ukraines Präsident Wolodymyr Selenskyj hat angeboten, die NATO bei der Luftverteidigung zu beraten. Am Freitag tagt der UN-Sicherheitsrat zu dem Vorfall. (Quellen: tagesschau, Focus, Zeit, eigene Recherche) (cdz)