VonChristoph Gschoßmannschließen
Trumps Regierung verfolgt knallharte Sicherheitsinteressen und will die Atombedrohung stoppen. Freiheit für Iraner ist wohl nicht das primäre Ziel.
Rauch über Teheran: Die USA greifen den Iran an. Doch welche Gründe stecken dahinter? Über Monate positionierte sich US-Präsident Donald Trump als Unterstützer der Proteste im Land. Doch die Befreiung der Unterdrückten ist wohl nicht sein Primärziel. Stattdessen offenbaren US-Politiker die wahren Beweggründe für den Krieg im Iran: Es geht um knallharte Atomwaffen-Politik. Und: Amerika führt (auch) Krieg, weil Israel es wollte.
US-Außenminister Marco Rubio äußerte sich am Montag bemerkenswert: „Wir wussten, dass es zu einem israelischen Eingreifen kommen würde. Wir wussten, dass dies einen Angriff auf die amerikanischen Streitkräfte auslösen würde“, erklärte er vor Journalisten.
Israel wollte den Krieg im Iran – USA machen den ersten Schritt
Der Guardian bestätigte diese Darstellung. Die USA hätten „proaktiv auf defensive Weise“ gehandelt, um größeren Schaden zu verhindern. Bisher kamen sechs US-Soldaten ums Leben.
Amerika griff den Iran an, weil Israel es ohnehin getan hätte – und die USA dann selbst zum Ziel geworden wären. Aus dieser Logik heraus handelten die Amerikaner „präventiv“, um eigene Verluste zu minimieren.
Menschen auf der Straße, Rauch über Städten: Bilder der Eskalation im Nahen Osten




Trump: „Die große Welle kommt bald“
Auch neue Aussagen von Trumps Stellvertreter erregen Aufmerksamkeit. US-Vizepräsident JD Vance machte in einem Fox-News-Interview deutlich, worum es Trump wirklich geht. Ein Machtwechsel im Iran sei „nebensächlich“, erklärte er. Die Angriffe verfolgten das „klar definierte“ Ziel, den Iran am Erwerb von Atomwaffen zu hindern, berichtete Politico. Diese Aussage widerspricht früheren Trump-Äußerungen, wonach der Iran-Krieg der Befreiung der iranischen Bevölkerung diene. Tatsächlich zeigt sich: Menschenrechte und Demokratie spielen eine untergeordnete Rolle, auch wenn Trump sich das gerne auf die Fahnen schreibt. Außenminister Rubio schwankt zwischen präventiven und defensiven Rechtfertigungen.
Trump selbst kündigte eine massive Eskalation an. „Die große Welle kommt bald“, sagte er dem Sender CNN. „Wir haben noch nicht einmal angefangen, hart zuzuschlagen“, so Trump. Der Präsident rechnet mit vier bis fünf Wochen Krieg, schließt aber eine längere Dauer nicht aus.
Netanjahu: „Habe Trump nicht in den Krieg hineingezogen“
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wies Vorwürfe zurück, er habe Trump in den Krieg „hineingezogen“. „Donald Trump ist der stärkste Anführer der Welt. Er tut das, was er für richtig für Amerika hält“, sagte Netanjahu zu Fox News. Der israelische Premier begründete das Vorgehen damit, dass der Iran nach den Bombardierungen seiner Atomanlagen neue „unterirdische Bunker“ gebaut habe.
Die Rechtfertigungen der US-Regierung lassen eindeutige Schlüsse zu: Der Iran-Krieg folgt einer klaren strategischen Logik, bei der humanitäre Motive eine untergeordnete Rolle spielen. Es geht um Atomwaffen, regionale Macht und die Verhinderung iranischer Vergeltungsschläge – nicht um die Befreiung des iranischen Volkes. Völkerrechtler Professor Marc Weller von Chatham House kritisiert scharf: Trump mache „den Einsatz von Gewalt zur neuen Normalität und wirft das Völkerrecht über Bord“. Die Angriffe und die Ermordung von Ayatollah Khamenei schaffen gefährliche Präzedenzfälle für andere Länder, die ebenfalls zur Gewalt greifen könnten. (Quellen: Fox News, Guardian, CNN, Politico, DPA, Chatnam House) (cgsc)
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