Neue Ära in Syrien: Deutschland nimmt Kontakt zu Rebellen auf
VonGregor-José Moser
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Bundesaußenministerin Baerbock lässt Gespräche mit den neuen Machthabern in Syrien aufnehmen. Auch die Wiedereröffnung der Botschaft ist im Gespräch.
Damaskus/Berlin – Deutsche Diplomaten sind nach dem Sturz des langjährigen syrischen Diktators Baschar al-Assad, der nach Russland geflohen ist, in Damaskus eingetroffen, um direkte Gespräche mit der Übergangsregierung zu führen. Außenministerin Annalena Baerbock sucht damit den Draht zu den siegreichen syrischen Rebellen der Islamistengruppe HTS. Die Gespräche werden allerdings von Tobias Tunkel, dem Nah- und Mittelostbeauftragten des Auswärtigen Amtes, geleitet.
Im Mittelpunkt der Unterredungen sollen unter anderem der Schutz von Minderheiten sowie die Achtung der Rechte von Frauen stehen. Im Zuge dessen sind auch Treffen mit Vertretern der syrischen Zivilgesellschaft und christlichen Gemeinden geplant, um die Perspektiven und Bedürfnisse dieser Gruppen zu erörtern. Teil der Delegation ist auch eine Vertreterin des Bundesentwicklungsministeriums (BMZ), die die Möglichkeiten der Entwicklungszusammenarbeit ausloten wird.
Nach Sturz von Assad: Baerbock lässt neue diplomatische Vertretung in Syrien prüfen
Die deutsche Delegation prüft außerdem die Wiedereröffnung einer diplomatischen Vertretung in Damaskus. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes betonte, Syrien dürfe weder zum Spielball fremder Mächte, noch zum Experiment radikaler Kräfte werden. „Wir wissen, wo die HTS herkommt und kennen ihre Ursprünge in der Al-Qaida-Ideologie“, sagte die Sprecherin weiter.
Die Aktivitäten der HTS und der Übergangsregierung würden von Deutschland genau beobachtet. Jede Zusammenarbeit hänge davon ab, dass die neuen Machthaber in Syrien ihre Versprechen einhalten und Minderheiten sowie Frauen schützen, so die Sprecherin.
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Neben Deutschland: Auch EU und UN nehmen Kontakt zu Rebellen in Syrien auf
Auch die Europäische Union und die Vereinten Nationen (UN) haben nach dem Sturz Assads Kontakte zu den neuen Machthabern in Syrien aufgenommen. Der deutsche Spitzendiplomat Michael Ohnmacht wurde von der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas nach Damaskus entsandt, um die Stabilisierung des Landes zu unterstützen.
Der UN-Sondergesandte Geir Pedersen hat bereits Gespräche mit dem Anführer der HTS, Ahmed al-Scharaa, geführt. Ziel der internationalen Bemühungen um Syrien ist es, das Land zu stabilisieren. Entwicklungen wie in Afghanistan, wo die Taliban regieren, oder in Libyen sollen vermieden werden. (grmo)