VonJudith Goetschschließen
Junge Deutsche interessieren sich immer weniger für Nachrichten. Auch ihr Vertrauen in die Medien nimmt ab. Woran liegt das?
Hamburg - Der Ukraine-Krieg zerreißt Europa, in den USA ist ein Ex-Präsident wegen Vergewaltigung angeklagt und in Deutschland löst ein AfD-Hoch Sorgen vor dem Untergang der Demokratie aus - doch junge Menschen interessieren sich weniger für das Nachrichtengeschehen. Das geht aus dem neuen „Reuters Institute Digital News Report 2023“ hervor. Daran nahmen 93.895 Befragte aus 46 Ländern auf sechs Kontinenten teil. In Deutschland organisierte das Leibniz-Institut für Medienforschung in Hamburg die Befragung.
Umfrage unter Jugendlichen: Viele halten Medien nicht für vertrauenswürdig
Weniger als ein Drittel der 18-34-Jährigen geben bei der Umfrage an, äußerst oder sehr nachrichteninteressiert zu sein. Nur 28 Prozent in dieser Altersgruppe halten einen Großteil der Medien für vertrauenswürdig, 38 Prozent hingegen geben an, den Nachrichten eher nicht oder gar nicht zu vertrauen. Mehr als ein Drittel in dieser Altersgruppe ist sich außerdem nicht sicher, ob öffentlich-rechtliche Nachrichten wichtig oder unwichtig sind. Bereits 2022 hatte eine Studie alarmierendes Medienverhalten bei Jugendlichen gezeigt.
Debatte über AfD: Fördert der Streit das Fehlen einer politischen Kultur?
Die Frage nach dem Warum ist in Medien und Politik schon länger präsent. Immer wieder stellt sich gesellschaftlich die Frage, wie der öffentliche politische Diskurs geführt werden soll. Dazu hat Stern-Journalist Veit Medick eine eindeutige Meinung. In der Markus-Lanz-Sendung am Dienstagabend kritisiert er die heftige Ausdrucksweise des FDP-Politikers Martin Hagen, der im Kontext von Robert Habecks Heizungsgesetzes von einer „Heizungsideologie“ sprach. Eine solche Ausdrucksweise schaffe Ressentiments. Insbesondere kritisiert Medick das Fehlen einer politischen Kultur. So entstünden leichter Ressentiments innerhalb der Gesellschaft. Die Medien selbst würden mit Negativ-Schlagzeilen die Stimmung zusätzlich aufheizen, meint Lanz.
Die Studie selbst nennt als einen der Gründe für das abnehmende Vertrauen den rbb-Skandal rund um Patricia Schlesinger: „Scandals like those at public broadcaster RBB do not help improve the overall picture but the two main PSB news brands still have the highest level of trust and Bild the lowest.” (dt. Skandale wie beim öffentlich-rechtlichen Sender RBB tragen nicht zur Verbesserung des Gesamtbildes bei, aber die beiden wichtigsten PSB-Nachrichtenmarken haben immer noch das höchste und Bild das niedrigste Vertrauen).
