Naher Osten

Neuer Führer der Hisbollah: Scheich Naim Kassim ist kein Unbekannter

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Naim Kassim steht nun an der Spitze der Hisbollah. Hier sind die wesentlichen Details über den Geistlichen und Wissenschaftler aus dem Libanon.

Beirut – Nach der Tötung ihres Chefs Hassan Nasrallah Ende September hat die Hisbollah-Miliz im Libanon dessen Stellvertreter Naim Kassim zum Nachfolger ernannt. Der Schura-Rat, das Führungsorgan der Hisbollah, habe „sich darauf geeinigt, Scheich Naim Kassem zum Generalsekretär der Hisbollah zu wählen“, hieß es am 29. Oktober in einer Erklärung der Miliz. „Wir beten zum Allmächtigen, dass er in dieser ehrenvollen Aufgabe, die Hisbollah und ihren islamischen Widerstand zu führen, erfolgreich sein möge“, so der Rat in der Erklärung. Nasrallah war am 27. September bei einem Angriff der israelischen Armee in der libanesischen Hauptstadt Beirut getötet worden.

Zunächst war das Oberhaupt des Hisbollah-Exekutivrats Haschem Safieddin als potenzieller Nachfolger des getöteten Nasrallah gehandelt worden. In der vergangenen Woche bestätigte die israelische Armee allerdings auch dessen Tod bei einem Angriff Anfang Oktober in Beirut. Als Reaktion unter anderem auf die Tötung Nasrallahs hatte der Iran Israel am 1. Oktober mit rund 200 Raketen angegriffen.

Neuer Hisbollah-Chef ist Kleriker und Naturwissenschaftler

Der 71-jährige Kassim gehörte 1982 mit zu den Gründungsmitgliedern der Hisbollah. 1991 wurde er zum stellvertretenden Generalsekretär der Miliz ernannt. Der 1953 im Beiruter Stadtteil Basta geborene Kassim ist seit mehr als 30 Jahren eine führende Persönlichkeit der Hisbollah. Seine Familie stammt ursprünglich aus der Stadt Kfar Fila in der südlibanesischen Provinz Nabatieh. Kassim ist wie der getötete Nasrallah ein Kleriker des schiitischen Islams, studierte im Libanon aber auch Chemie und lernte Französisch.

Scheich Naim Kassim ist neuer Führer der Hisbollah.

2004 veröffentlichte er ein Buch über die Geschichte der Organisation, das auch autobiografische Teile enthält. Kassims politische Aktivitäten begannen in der 1974 gegründeten libanesischen Amal-Bewegung. Er verließ die Amal 1979 im Zuge der Islamischen Revolution im Iran, die das politische Denken vieler junger libanesischer Aktivisten prägte, schreibt der staatliche iranische Nachrichtensender Press TV auf ihrer Internetseite. Kassim ist verheiratet und hat sechs Kinder.

Kassim tritt in Öffentlichkeit im Libanon und TV auf

Anders als Nasrallah, der nach dem Libanon-Krieg weitgehend untertauchte, trat Kassim weiterhin in der Öffentlichkeit auf. Nach Nasrallahs Tod war Kassim in drei TV-Ansprachen zu sehen, zuletzt am 15. Oktober. Dabei erklärte Kassim, dass die einzige Lösung für die Rückkehr vertriebener Israelis in ihre Häuser im Norden des Landes eine „Waffenruhe“ sei. Andernfalls werde die Hisbollah „überall“ in Israel zuzuschlagen, drohte er.

Die israelische Armee fliegt seit gut einem Monat massive Luftangriffe auf Stellungen im Libanon. Als Ziel nennt Israel ein Ende des Beschusses durch die Hisbollah und eine Rückkehr der Bewohner Nordisraels in ihre Häuser. Einer Zählung der Nachrichtenagentur AFP zufolge sind seit Beginn der Angriffe auf den Libanon am 23. September mehr als 1700 Menschen getötet worden. (erpe/dpa/AFP)

Rubriklistenbild: © dpa/Bilal Hussein

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