VonAnika Zuschkeschließen
Wie viel Geld bringen die Entlastungen den Deutschen ein? Nicht genug, um die neue Gasumlage zu stemmen, das ist sicher. Ein neues Entlastungspaket muss her.
Berlin – Viele Menschen wissen mit den explodierenden Energiepreisen derzeit nicht, ob sie im Winter ihre Heizkosten noch bezahlen können – ärmere Deutsche verkneifen sich deswegen sogar schon einzelne Mahlzeiten. Um den Bürgern in diesen schweren Zeiten unter die Arme zu greifen, wurden von der Bundesregierung zwei Entlastungspakete auf den Weg gebracht. Doch wer profitiert am meisten von den bisherigen Entlastungen – und reicht das Geld aus, um auch die Gasumlage ab Oktober zu stemmen? Sogar in der Politik ist man sich einig: Nein. Ein neues Entlastungspaket muss her.
Neues Entlastungspaket muss kommen: Bisherige Entlastungen reichen bei Mehrkosten durch Gasumlage nicht aus
Die „Geschenke“ aus dem Entlastungspaket stellen bereits seit Monaten ein wichtiges Thema für die Deutschen dar. Schließlich können bei den derzeitigen Strom- und Gaspreisen viele Menschen unter anderem die Energiepauschale von 300 Euro, die im September ausgezahlt werden soll, sehr gut gebrauchen. Doch ergeben aktuelle Berechnungen des Finanzministeriums, dass unterschiedliche Personengruppen auch in sehr unterschiedlichem Ausmaß von den bisherigen Entlastungen profitieren: Ein Hartz-IV-Bezieher kommt dabei deutlich kürzer als ein Single mit einem Jahreseinkommen von 61.500 Euro brutto.
Energiepreispauschale: Wer bekommt sie?




Knapp 425 Euro: So profitieren Singles mit 61.500 Euro brutto vom Entlastungspaket
Ein Single, der täglich mit dem Auto zur Arbeit pendelt und 61.500 Euro brutto verdient, erhält den Berechnungen zufolge rund 425 Euro durch die Entlastungspakete.
Die Summe kommt folgendermaßen zustande: Mit der Erhöhung des Grundfreibetrags und der Anhebung der Arbeitnehmerpauschale wird der Single netto um 146 Euro steuerlich entlastet. Von den 300 Euro zu versteuernder Energiepauschale bleiben 185 Euro übrig und vom Tankrabatt profitiert er (bei gelegentlichen Ausflügen mit dem Auto) mit rund 59 Euro. Zusätzlich macht die Abschaffung der EEG-Umlage bei durchschnittlichem Stromverbrauch 35 Euro aus.
Neues Entlastungspaket: Rentner bekommen weniger Geld aus den Maßnahmen
Eine Rentnerin mit einer Rente von 1000 Euro im Monat, Wohngeld und einem Auto bekommt rund 362 Euro im Zuge der Entlastungspakete.
Sie profitiert von dem Heizkostenzuschuss in Höhe von 270 Euro, schlägt rund 57 Euro beim Tankrabatt heraus und erhält etwa 35 Euro bei der Abschaffung der EEG-Umlage, berechnete das Finanzministerium.
Neues Entlastungspaket: So viel Geld könnte eine Familie mit zwei Kindern mehr haben
Eine Doppelverdiener-Familie mit zwei Kindern und einem Jahresgehalt von zweimal rund 35.000 Euro hat laut dem Ministerium im Zuge der Entlastungen fast 1150 Euro mehr.
Das setzt sich aus steuerlichen Entlastungen beim Grundfreibetrag und der Fernpendlerpauschale in Höhe von 232 Euro sowie dem Nettobetrag beider Energiepauschalen von 430 Euro zusammen. Dazu kommt noch der Kinderbonus von 100 Euro pro Kind, Tankrabatt-Ermäßigungen von 210 Euro und die Abschaffung der EEG-Umlage, die etwa 76 Euro einbringt.
Grundsicherung und Entlastungspaket: So viel bekommen Hartz-IV-Empfänger
Ein Grundsicherungs-/Hartz-IV-Bezieher mit monatlich 449 Euro Grundsicherung, vollständig übernommenen Miet- und Heizkosten und ohne Auto erhält rund 235 Euro durch die Entlastungen.
Diese Summe kommt durch den Hartz-IV-Zuschuss von 200 Euro und 35 Euro durch die Abschaffung der EEG-Umlage zusammen.
Selbstständige profitieren vom Entlastungspaket: So viel Geld gibt es bei 42.000 Euro Einkommen
Eine Selbstständige, die viel mit dem Auto unterwegs ist und ein zu versteuerndes Einkommen von 42.000 Euro im Jahr verdient, bekommt laut dem Finanzministerium 463 Euro raus. Von der Energiepauschale bleiben bei der Selbstständigen nach Steuern 195 Euro übrig. Dazu kommen 69 Euro durch den höheren Grundfreibetrag, 160 Euro durch den Tankrabatt und 39 Euro durch die Abschaffung der EEG-Umlage.
Eine Studentin mit Bafög und 450-Euro-Job profitiert den Berechnungen zufolge mit 615 Euro. Sie erhält als eine der wenigen die gesamten 300 Euro Energiepauschale, 230 Euro Heizkostenzuschuss und spart mit dem 9-Euro-Ticket laut dem Ministerium etwa 50 Euro für das Semesterticket. Die Abschaffung der EEG-Umlage bringt ihr dazu noch 35 Euro ein.
Rentner und Hartz-IV-Bezieher profitieren am wenigsten – neues Entlastungspaket muss her
Mit Blick auf diese Berechnungen lässt sich sagen, dass Rentner und Hartz-IV-Bezieher von den Entlastungspaketen im Vergleich am wenigsten profitieren – und das, obwohl diese Personengruppen finanzielle Hilfe oftmals am nötigsten hätten. Außerdem gilt es hervorzuheben, dass Studenten nur mit einem Minijob so gut wegkommen wie vom Finanzministerium angegeben. Ohne die Energiepauschale würden Studenten weniger entlastet werden als Rentner.
Auch ob die Entlastungspakete die zusätzlichen Belastungen durch die neue Gasumlage ab Oktober ausgleichen können, muss individuell betrachtet werden und hängt der Deutschen Presse-Agentur (dpa) zufolge stark vom Gasverbrauch, dem Zustand der Wohnung sowie vom Klima im Winter ab. Doch warnt ein Energieexperte beim Vergleichsportal „Verivox“ laut dem Focus unter den aktuellen Umständen jetzt schon vor dem „teuersten Winter aller Zeiten“.
Wann kommt neues Entlastungspaket? Gasumlage wird für erhebliche Mehrkosten bei Verbrauchern sorgen
Der Zenit der Energiekosten ist demnach noch nicht erreicht. Die am Montag, 15. August 2022, veröffentliche Höhe der Gasumlage von 2,419 Cent pro Kilowattstunde wird dazu ab Oktober ihr Übriges beitragen. Denn für einen Familienhaushalt mit einem Verbrauch von 20.000 Kilowattstunden fallen durch die Gasumlage 576 Euro Mehrkosten an, für einen Singlehaushalt mit 5000 Kilowattstunden Verbrauch sind es 144 Euro.
Es wird teurer – da gibt es kein drum herumreden. Die Energiepreise steigen weiter. Aber: Mit 30 Milliarden Euro entlasten wir die Bürgerinnen und Bürger bereits. Und wir schnüren ein weiteres Entlastungspaket. Wir lassen niemanden allein mit den höheren Kosten. #Gasumlage
— Bundeskanzler Olaf Scholz (@Bundeskanzler) August 15, 2022
Dabei sind die Mehrkosten durch steigende Energiepreise noch nicht mit eingerechnet. Aus dem Grund werden Forderungen nach einem neuen Entlastungspaket immer lauter – und Versprechen aus der Politik folgen. Nach einem Treffen mit den nordischen Regierungschefs sagte Bundeskanzler Olaf Scholz beispielsweise in Oslo, dass ein neues Entlastungspaket nicht nur die Kosten der Gasumlage adressieren dürfe, sondern darüber hinausgehen müsse.
Auch auf Twitter äußerte sich Scholz zu einem neuen Entlastungspaket und schrieb: „Es wird teurer – da gibt es kein drum herumreden. Die Energiepreise steigen weiter“, und versprach in dem Tweet: „Wir schnüren ein weiteres Entlastungspaket. Wir lassen niemanden allein mit den höheren Kosten.“ Auf diese Worte müssen jetzt aber auch schnellstmöglich Taten folgen.
