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Das 9-Euro-Ticket für Bus und Bahn wird heiß diskutiert. Wie geht es weiter? Eine Studie zeigt jetzt, wie groß der Erfolg der Maßnahme tatsächlich ist.
Berlin – Die Diskussionen um das 9-Euro-Ticket für Bus und Bahn reißen nicht ab, es gibt verschiedenste Vorschläge, wie ein Nachfolger aussehen könnte. Über Finanzierung, Preis und Verantwortung besteht Uneinigkeit in der Politik, besonders Bund und Länder vertreten bisweilen unterschiedliche Auffassungen. Eine aktuelle Studie zeigt nun, welchen Effekt das vergünstigte Monatsticket auf die Inflation tatsächlich hat. Daraus könnten sich Schlüsse für die Zukunft ziehen lassen – die Rufe nach einer Verlängerung des Angebots dürften wohl kaum leiser werden.
9-Euro-Ticket für Bus und Bahn: Das vergünstigte Monatsticket bremst die Inflation
Die Zukunft des ÖPNV in Deutschland erregte in den vergangenen Wochen die Gemüter: Die Nachfolge des 9-Euro-Tickets ist bislang weiterhin ungeklärt, die Suche verläuft hitzig. Einbeziehen in die Debatte sollte die Politik neue Erkenntnisse: Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt, dass unter anderem das 9-Euro-Ticket für Bus und Bahn die Inflation gedämpft hat. Bei dem Ticket aus dem Entlastungspaket 2022 handelt es sich um eine breit angelegte Maßnahme – die ebenso breite Nachfrage erfährt. Das vergünstigte Monatsticket und staatliche Maßnahmen, die Preise stabil halten, bremsen die Inflation. Darunter fallen auch staatliche Angebote zur Müllentsorgung und Krankenhausversorgung.
Die Studienautoren folgern, ohne die staatlichen Eingriffe würde die Inflation um zwei Prozent höher liegen als aktuell. Sie kommen zu dem Schluss: „Vor allem Entlastungen wie das 9-Euro-Ticket dürften dabei ausschlaggebend sein.“ Die staatlich regulierten Preise in den Feldern öffentliche Daseinsvorsorge, Verkehr oder Kultur machen laut IW etwa 12,5 Prozent des „Warenkorbs“ aus, mit dem die Inflation berechnet wird. Die staatlichen Eingriffe hatten in den entsprechenden Feldern zu deutlich geringeren Preisanstiegen geführt, als in den Bereichen ohne Eingriffe zu beobachten waren. Welche Schlüsse lassen sich für das 9-Euro-Ticket daraus ziehen? Mit Auslaufen des Tickets könnte auch die Inflation wieder steigen.
Nachfolge 9-Euro-Ticket: Einiges spricht für die Verlängerung der Monatskarte
Aus den Erkenntnissen des IW lassen sich auch Ableitungen für die Diskussion um die Nachfolge des 9-Euro-Tickets treffen. Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) hatte Rufe nach einer Verlängerung zuletzt gebremst. Die Daten des IW zeigen indes, dass die Monatskarte für wirkliche Entlastung sorgt. Das liegt an ihrem Preis – den Verkehrsminister Wissing offenbar zukünftig eher wieder höher ansetzen will. Er sagte: „Es ist ja nicht so, dass der niedrigste Preis immer die größte Zufriedenheit herbeiführt. Wenn die Leistung dahinter nicht stimmt, dann nutzt es niemandem, für einen Euro fahren zu können, aber die Takte nicht passen.“ Tatsächlich gibt es eindeutigen Nachbesserungsbedarf im ÖPNV: Zuletzt hatte sich auch die Eisenbahngewerkschaft deshalb gegen eine Angebots-Verlängerung in der jetzigen Form ausgesprochen, sie argumentiert dies mit massiv überlasteter Belegschaft.
Die Bahn braucht Investitionen. Aber: Allgemein befürwortet auch die Gewerkschaft perspektivisch einen gänzlich kostenlosen Nahverkehr. Im Verkehrsministerium scheint die Fortführung des 9-Euro-Angebots indes bereits verworfen – und das ist zu einfach. Umweltverbände, wie Greenpeace, empfehlen zur Finanzierung eines Nachfolgeangebots etwa die Streichung klimaschädlicher Subventionen wie der Pendlerpauschale. Die positiven Effekte des 9-Euro-Tickets sind unübersehbar. Neben zielgerichteten Maßnahmen für besonders Bedürftige erweist das Ticket sich als breite Maßnahme als wichtig. Seinen Effekt verpuffen zu lassen, wäre leichtsinnig – mit Blick auf finanzielle Entlastung, Klima und Verkehrswende.
9-Euro-Ticket-Nachfolger: 365-Euro-Ticket, 29-Euro-Ticket, 69-Euro-Ticket – Ideen gibt es viele
In der Diskussion um einen 9-Euro-Ticket-Nachfolger stehen bislang verschiedene Alternativen zum 9-Euro-Ticket zur Debatte. Unter anderem umfassen die Vorschläge ein 365-Euro-Jahresticket, ein 29-Euro-Monatsticket und ein 69-Euro-Ticket für den Monat. Hinzu kommen die Forderungen nach Verlängerung des bestehenden Angebots oder einem kostenlosen ÖPNV. Verschiedene Maßnahmen aus dem Entlastungspaket wirken auch verschieden: Der Tankrabatt etwa steht wegen Fragen der Verteilungsgerechtigkeit und aufgrund seiner klimapolitischen Dimension in der Kritik. Das 9-Euro-Ticket hingegen erweist sich als tatsächliche Unterstützung großer Bevölkerungsteile.
In Puncto Finanzierung ist auch das Beispiel Wien von Interesse: Unternehmen, die vom Nahverkehr profitieren, zahlen dort einen Teil der Kosten. Die Bedürfnisse der überlasteten Bahn-Belegschaften sind ernstzunehmen, weitere Investitionen in den ÖPNV und sein Ausbau bitter nötig: Nur so können die Beschäftigten entlastet werden. Wer es indes ernst meint, mit der Unterstützung breiter Bevölkerungsteile, kann sich der Frage nach Verlängerung des 9-Euro-Tickets nicht verschließen – den Effekt der Monatskarte zeigt die aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft anschaulich.
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