Wahl zur Nationalversammlung

Frankreich-Wahl: Letzte Umfragen und Prognosen für Macron und Le Pen

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Die Frankreich-Wahl 2024 könnte eine politische Wende bringen. Laut den letzten Umfragen und Prognosen könnte der RN die Regierung übernehmen.

Update vom 30. Juni, 20.20 Uhr: Bei der ersten Runde der französischen Parlamentswahl liegen die Rechtspopulisten mit etwa 34 Prozent der Stimmen in ersten Hochrechnungen deutlich vorn. Nach drei Prognosen von Sonntagabend könnte der Rassemblement National (RN) nach der zweiten Runde am 7. Juli auf eine relative oder absolute Mehrheit kommen. Das Regierungslager von Präsident Emmanuel Macron liegt abgeschlagen bei gut 20 Prozent.

Das links-grüne Wahlbündnis Neue Volksfront kommt nach den Hochrechnungen auf gut 28 Prozent. Für die Verteilung der 577 Sitze der Nationalversammlung ist es entscheidend, ob und wie viele Kandidaten sich in der zweiten Wahlrunde zurückziehen, um etwa den Sieg eines RN-Kandidaten zu verhindern. Die Wahlbeteiligung war mit mehr als 60 Prozent so hoch wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

France 24BFM TV
RN (Le Pen)34 %33 %
NFP (Melenchon)28,1 %28,5 %
ENS (Macron)20,3 %22 %
LR (Ciotti)10,2 %

Frankreich-Wahl 2024: Wahlbeteiligung auf Rekordwert

Update vom 30. Juni, 18.45 Uhr: Die Wahlbeteiligung bei den Parlamentswahlen 2024 in Frankreich hat heute um 17 Uhr 59.49 Prozent erreicht, wie die Sender France24 und BFMTV unter Berufung auf das Innenministerium berichteten. Damit liegt sie 20 Prozentpunkte über dem Wert der Wahlen von 2022. BFMTV zufolge ist dies der höchste Wert seit den Wahlen im Jahr 1978. Für 20 Uhr, also dem Ende der Stimmabgabe, werde der Wert auf 69,5 Prozent geschätzt: Ein Wert, den es seit 1981 nicht mehr gegeben habe. Um 18 Uhr haben bereits viele Wahllokale geschlossen, doch in großen Städten läuft die Stimmabgabe noch bis 20 Uhr.

Erstmeldung: Paris – Die Frankreich-Wahl 2024 sorgt für eine gewisse Unruhe: Zum ersten Mal könnten die Rechtspopulisten auf nationaler Ebene in Frankreich die Regierung übernehmen. Die letzten Umfragen und Prognosen vor den Neuwahlen zeigen, dass der Rassemblement National (RN) von Marine Le Pen derzeit an der Spitze liegt.

Frankreich-Wahl: Letzte Umfragen und Prognosen drohen Macron mit Affront – Le Pens Partei vorne

Die letzten Umfragen und Prognosen legen nahe vor Frankreich-Wahl, dass das Bündnis Nouveau Front Populaire (NFP), das aus Linkspopulisten, Sozialisten, Kommunisten und Grünen besteht, auf dem zweiten Platz folgt. Die Neue Volksfront ist eine Neuauflage des ehemaligen Bündnisses Nupes, das nach dem Ausbruch des Gaza-Kriegs zerfallen war. Und was ist mit der Gruppierung von Emmanuel Macron? Das von ihm unterstützte Wahlbündnis Ensemble scheint nicht über den dritten Platz bei den Ergebnissen der Frankreich-Wahl hinauszukommen.

RN-Spitzenkandidat Jordan Bardella (in der Mitte rechts) und Marine Le Pen (links daneben) können bei der Frankreich-Wahl 2024 auf einen Erfolg hoffen. Die letzten Umfragen und Prognosen sprechen jedenfalls für die rechtspopulistische Partei.

Frankreich-Wahl 2024: Die letzten Umfragen zeigen einen klaren Trend

Ein Blick auf die letzten Umfragen vor der Frankreich-Wahl lässt vermuten, dass die Gruppierung um Macron kaum eine Chance hat, dem RN von Marine Le Pen den Sieg streitig zu machen. Der RN erreicht in den Wahlprognosen knapp 35 Prozent der Stimmen. Die Neue Volksfront liegt bei etwa 28 Prozent, während das Macron-Lager Ensemble etwa 20 Prozent erreicht.

ParteiWahltrend in %
RN35
NFP28
Ensemble20
LR7
REC2
Sonstige8

(Quelle: Politico, gewichteter Durchschnitt der Umfragen, Stand 28. Juni)

Was die letzten Prognosen zur Sitzverteilung nach der Frankreich-Wahl 2024 aussagen

Es ist jedoch zu beachten, dass die Abgeordneten der Nationalversammlung in zwei Runden nach einem Mehrheitswahlrecht gewählt werden. Im Gegensatz zu Deutschland, wo ein personalisiertes Verhältniswahlrecht gilt, führt dies zu einem schlechteren Abschneiden kleinerer Parteien bei der Sitzverteilung nach der Frankreich-Wahl 2024. Diese kann jedoch erst nach der zweiten Wahlrunde berechnet werden. Dennoch ist auch hier eine Prognose laut den letzten Umfragen vor Frankreich-Wahl möglich:

ParteiSitze
RN und rechte Verbündete225 bis 265
NFP170 bis 200
Ensemble70 bis 100
LR und diverse Rechte 30 bis 60
DVG (diverse Linke)10 bis 18
Sonstige1 bis 5

(Quelle: Ifop, Stand 28. Juni)

Marine Le Pen hat Frankreich-Wahl 2027 im Blick – trotz Ausschluss

Frankreich: Rassemblement National von Marine Le Pen.
In Frankreich ist der Rassemblement National unter Marine Le Pen (im Bild) in den vergangenen Jahren zu einer führenden Kraft aufgestiegen. So feierte der RN bei der Europawahl 2024 einen klaren Erfolg.  © François Lo Presti/afp
Europawahl - Frankreich
Das starke Ergebnis der rechtsnationalen Partei veranlasste den amtierenden Präsidenten Emmanuel Macron anschließend dazu, das Parlament aufzulösen.  © Ludovic Marin/dpa
Jean-Marie Le Pen
Die Geschichte des Rassemblement National begann Anfang der Siebziger. Am 5. Oktober 1972 gründeten Jean-Marie Le Pen (hier eine Aufnahme von 2022) und Pierre Bousquet die rechtsextreme Splittergruppe Front National.  © Joel Saget/afp
1. Mai in Paris
Der 1928 geborene Le Pen (hier ein Bild von 2017) tat sich früh als Demagoge hervor, der mehrfach wegen Volksverhetzung verurteilt wurde und den Holocaust als ein „Detail der Geschichte“ abtat. Bousquet (1919 bis 1991) war ein ehemaliger Kollaborateur, der als Rottenführer in der Waffen-SS gedient hatte. Fremdenfeindliche Parolen waren über viele Jahre Markenzeichen der Partei. © Thibault Camus/dpa
Jean-Marie Le Pen
In den 1980er Jahren wurde der FN bei zwei Parlamentswahlen hintereinander mit mindestens einem Abgeordneten in die Nationalversammlung gewählt. Der Durchbruch gelang im Jahr 2002, als Jean-Marie Le Pen als Zweitplatzierter aus der ersten Runde der Präsidentschaftswahl hervorging.  © Joel Saget/afp
Le Pen
Es kam zur Stichwahl, die der amtierende Präsident Jacques Chirac deutlich gewann. Fünf Jahre später verlor Le Pen viele Stimmen und schied im ersten Wahlgang aus.  © Joel Saget/AFP
Marine Le Pen
Einen großen Einschnitt gab es im Januar 2011. Der FN ging nach einem Führungswechsel andere Wege. Die neue Parteivorsitzende trug allerdings einen bekannten Namen: Marine Le Pen. Die studierte Juristin kam 1968 nahe Paris als jüngste Tochter Jean-Marie Le Pens zur Welt.  © Bernard Patrick/Imago
Marine Le Pen/dpa
Mit acht Jahren wurde sie von einer Bombenexplosion aus dem Schlaf gerissen – es handelte sich um einen Anschlag auf ihren Vater. Die Mutter dreier Kinder arbeitete als Anwältin und führte zunächst die Rechtsabteilung der Front National. Ihre zwei Ehen gingen auseinander. © Pascal Pavani
Jean-Marie Le Pen
Marine Le Pen bemüht sich seither, der einst radikal rechten Partei einen moderateren Anstrich zu verpassen. Das ging mit einer Entmachtung ihres Vaters einher.  © Kenzo Tribouillard/afp
Le Pen
Im April und Mai 2015 eskalierten die schon länger bestehenden Spannungen zwischen der Parteivorsitzenden und ihrem Vater. Am 20. August 2015 wurde Jean-Marie Le Pen wegen „schwerer Verfehlungen“ aus der Partei ausgeschlossen.  © Kenzo Tribouillard/AFP
Le Pen Bannon
Anderseits suchte Le Pen im Jahr 2018 die Nähe des früheren Trump-Beraters Steve Bannon. Damals firmierte die rechtsextreme Partei noch unter dem Namen Front National. Später verpasste Le Pen ihr aber einen neuen Namen: Seither ist die Partei als Rasseblement National bekannt. © Philippe Huguen/AFP
Marine Le Pen
Seither ist es Marine Le Pen gelungen, aus der Schmuddelecke zu kommen und sich als staatstragende Politikerin zu inszenieren. Ihre Strategie ist als „Dédiabolisation“ (Entteufelung) bekannt.  © Francois Nascimbeni/AFP
Marine Le Pen
Le Pen verbannte das alte rassistische Vokabular und gibt mittlerweile eher bedachte Worte von sich. Le Pens Kurs hat , in den vergangenen Jahren bis in die bürgerliche Mitte hinein wählbar gemacht.  © Thomas Samson/afp
Marine Le Pen
Die dreimalige Präsidentschaftskandidatin drängte zwar offenen Rassismus zurück, vertritt aber weiter radikale Positionen gegen Einwanderung. Ihre Vorstellungen für Frankreich bleiben auch heute noch deutlich rechts und nationalistisch.  © Ali Al-Daher/AFP
Olga Givernet
Zudem zeigen Studienergebnisse, dass im RN der Antisemitismus noch immer weit verbreitet ist. Die Renaissance-Parlamentarierin Olga Givernet (im Bild) reagierte entsprechend: „Der RN hat ein sauberes Schaufenster, aber die Küche dahinter ist immer noch schmutzig wie eh.“ © Niviere David/Imago
Marine Le Pen mit André Ventura und Tino Chrupalla
In ihrem Bemühen um Salonfähigkeit hat sich Marine Le Pen auch von der deutschen AfD abgegrenzt. Die gilt selbst für RN-Leute als zu extremistisch. Im November 2023 war das noch anders: Beim Treffen rechter Gruppen in Lissabon stand sie noch in einer Reihe neben dem portugiesischen Chega-Politiker André Ventura (Mitte) und AfD-Co-Chef Tino Chrupalla. © Paulo Spranger/Imago
Le Pen zu Besuch bei Putin
Zum Ukraine-Krieg vertreten RN und AfD hingegen nach wie vor sehr ähnliche Positionen. So lehnt Marine Le Pen jegliche Wirtschaftssanktionen gegen das Russland von Präsident Wladmir Putin ab. © Mikhail Klimentyev/dpa
Gabriel Attal
Waffenlieferungen für die Ukraine bedeuten für Le Pen das „Risiko eines dritten Weltkriegs“. Premierminister Gabriel Attal (im Bild) konterte in einer Ukraine-Debatte im Februar 2024: „Wenn Sie 2022 gewählt worden wären, würden wir heute Waffen nach Russland liefern, um die Ukrainer zu zermalmen.“  © Ludovic Marin/afp
Marine Le Pen und Wladimir Putin
Tatsächlich stand in Le Pens Präsidentschaftsprogramm von 2022 der folgende Satz: „Ohne Furcht vor amerikanischen Sanktionen wird eine Allianz mit Russland in gewissen Themen angestrebt.“ Trotzdem wollte sich der RN im Wahlkampf ein wenig von Putin absetzen. Die Partei ließ damals 1,2 Millionen Wahlkampfplakate vernichten, die ein Bild von Marine Le Pen beim Händeschütteln mit Putin zeigten. © Emmanuel Dunand/afp
Marine Le Pen
Zu Russland hat sie dennoch ein wesentlich besseres Verhältnis als zu Deutschland. Die deutsch-französische Partnerschaft will sie rasch beenden. Zwischen Berlin und Paris bestehe eine „tiefe und unheilbare Differenz der Doktrinen“, heißt es in Le Pens Programm. Das Nato-Kommando würde sie nach einem Wahlsieg 2027 verlassen. An dessen Stelle wünscht sich Le Pen für Europa ein russisch-französisches Kommando. © Lou Benoist/afp
Emmanuel Macron
Ohnehin richtet sich der Blick in Frankreich schon längst auf die Präsidentschaftswahl 2027. Nach zwei Amtszeiten kann Emmanuel Macron, der Le Pen zweimal in der Stichwahl besiegte, nicht mehr antreten.  © Sebastien Dupuy/AFP
Marine Le Pen
Wer eine Chance gegen Le Pen hätte, ist unklar. Doch im März 2025 kam dann die vorläufige Wende: Wegen der Veruntreuung von EU-Geld schloss ein Gericht Le Pen verurteilt. Der umstrittenste Teil der Strafe ist, dass sie fünf Jahre lang nicht bei Wahlen antreten darf.  © Guillaume Souvant/afp
Protestkundgebung des Rassemblement National
Diese Strafe war sofort in Kraft getreten – anders als eine teils auf Bewährung ausgesetzte Haftstrafe und obwohl Le Pen gegen das Urteil Berufung einlegte. Das Berufungsgericht hat eine Entscheidung im Sommer 2026 ins Auge gefasst.  © Julien De Rosa/dpa
Marine Le Pen
Le Pen wandte sich dann an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Doch das Straßburger Gericht wies ihren Antrag, den gegen sie verhängten vorläufigen Ausschluss von Wahlen auszusetzen, einstimmig ab, da Le Pen keinerlei nicht wiedergutzumachende Beeinträchtigung drohe, die durch die Menschenrechtskonvention geschützt sei. © Lionel Bonaventure/AFP
Le Pen sieht Bardella als möglichen Präsidentschaftskandidat
Inzwischen hat Le Pen ihren politischen Ziehsohn Jordan Bardella aufgefordert, sich auf eine Kandidatur vorzubereiten – für den Fall, dass sie selbst nicht antreten kann. Noch ist aber offen, wen der RN bei der Präsidentschaftswahl 2027 ins Rennen schicken wird. Die Frage, wer in den ehrwürdigen Élysée-Palast einziehen wird, bleibt damit völlig offen.  © Michel Euler/dpa

Letzte Umfragen und Prognosen lassen vor der Frankreich-Wahl 2024 noch alles offen

RN-Parteichef Jordan Bardella beansprucht das Amt des Premierministers, will es aber nur übernehmen, wenn er eine absolute Mehrheit bei der Frankreich-Wahl erreicht. Sollte dies der Fall sein, könnte Macron politisch gezwungen sein, ihn zu ernennen. Dies würde Frankreich zum vierten Mal eine Kohabitation erleben lassen, in der Präsident und Premierminister aus unterschiedlichen Lagern stammen.

Ob es dazu kommt, ist nach den jüngsten Umfragen und Prognosen zur Frankreich-Wahl 2024 jedoch noch völlig unklar. Bei der Parlamentswahl 2022 hatte das Macron-Lager 245 Sitze erreicht, während der RN nur 89 kam. (cs/AFP)

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