Ukraine-Krieg

Trotz Abschussgefahr: Getreide-Frachter durchbricht Russlands Seeblockade

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    Erkan Pehlivan
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Neue Route ausprobiert: Nach dem Stopp des Getreideabkommens durch Russland steuern Frachter wieder die Ukraine an. Ein Schiff hat die Ukraine wieder verlassen.

Update vom 19. September, 11.00 Uhr: Das zivile Frachtschiff „Resilient Africa“ hat am Dienstag trotz der russischen Seeblockade den ukrainischen Schwarzmeerhafen Tschornomorsk wieder verlassen. Der Frachter transportiere jetzt 3000 Tonnen Weizen, schrieb der stellvertretende Ministerpräsident der Ukraine, Olexander Kubrakow, auf der Plattform X, ehemals Twitter.

Das Schiff war zusammen mit der „Aroyat“ am Samstag in Tschornomorsk angelaufen. Es waren die ersten Frachter, die seit dem Ende des von Russland aufgekündigten Getreideabkommens einen ukrainischen Hafen angesteuert hatten. Dafür nutzten sie eine neue Route.

Auf neuer Route durch den Bosporus: erstes Getreide-Schiff erreicht die Ukraine

Erstmeldung vom 18. September, 16.56 Uhr: Kiew – Es ist das erste Mal nach der Kündigung des Getreideabkommens durch Russland, dass zivile Schiffe einen ukrainischen Hafen erreicht haben. Zwei Handelsschiffe waren durch eine neue Route durch das Schwarze Meer gefahren, und erreichten am Samstag den Hafen von Tschornomorsk. Dort sollen 20.000 Tonnen Weizen für den Weltmarkt geladen werden.

Beide Schiffe fahren unter der Flagge des Pazifikstaats Palau, ihre Besatzungen bestehen Angaben aus Kiew zufolge aus Bürgern der Ukraine, der Türkei, Aserbaidschans und Ägyptens. Nach Angaben des ukrainischen Landwirtschaftsministeriums werden die Schiffe den Weizen nach Ägypten und Israel liefern.

Angriffskrieg gegen die Ukraine: Russland blockiert weiterhin ukrainische Häfen

Im Zuge des russischen Angriffskriegs werden die ukrainischen Schwarzmeerhäfen von Russlands Flotte blockiert. Eine internationale Vereinbarung für ukrainische Agrarexporte aus insgesamt drei Häfen - darunter Tschornomorsk - war im Juli von den Russen nicht verlängert worden.

Russland blockiert weiterhin ukrainische Häfen.

Die Ukraine richtete daraufhin einen temporären Korridor für zivile Schiffe ein, der auf eigenes Risiko genutzt werden kann. Diesen nutzten bereits fünf Frachter, um aus den ukrainischen Häfen auszulaufen, in denen sie teils seit Kriegsbeginn am 24. Februar 2022 feststeckten. Unter ihnen war im August auch der deutsche Frachter „Joseph Schulte“. Einen Anlauf der ukrainischen Häfen durch ein ziviles Frachtschiff hatte es seit Einführung dieses temporären Korridors allerdings bislang nicht gegeben.

Schlechte News für Reeder: Russland erklärte Handelsschiffe im Schwarzen Meer als militärische Ziele

Kiew hat den Seekorridor, der sich entlang der Westküste des Schwarzen Meeres erstreckt, einseitig ausgerufen, um Getreideexporte für den Weltmarkt zu ermöglichen. Allerdings sind solche Fahrten gefährlich. Die schlechte News: Moskau erklärte, zivile Schiffe, die in die Ukraine fahren, als potenzielle militärische Ziele. Erst vergangene Woche soll Russland nach britischen Angaben ein solches Handelsschiff im Hafen von Odessa mit Raketen beschossen haben. Im August hatten zudem russische Spezialeinheiten das türkische Handelsschiff „Şükrü Okan“ gestürmt. Als der Fall bekannt wurde, wollte die Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdogan den Fall herunterspielen. Das Schiff würde unter der Flagge von Palau unterwegs sein und befände sich in internationalen und nicht in türkischen Gewässern.

Nach der Invasion in die Ukraine im Februar vergangenen Jahres hatte die russische Marine die Schwarzmeerhäfen des Landes blockiert. Rund 20 Millionen Tonnen Getreide, die für den Export bestimmt waren, waren damit eingeschlossen. Dadurch explodierten die Weltmarktpreise für Lebensmittel. Es kam teilweise zu Engpässen. (erpe/dpa)

Rubriklistenbild: © dpa/Andrew Kravchenko

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