VonJens Kiffmeierschließen
Der frühere Ministerpräsident Italiens, Skandalpolitiker Silvio Berlusconi, ist tot. Er hatte seit einigen Monaten unter Leukämie gelitten.
- Berlusconi gestorben: Details zur Todesursache von Silvio Berlusconi werden bekannt
- Reaktionen aus Deutschland: Bundeskanzler Olaf Scholz gibt sich zurückhaltend
- Trauer in Russland: Präsident Wladimir Putin trauert um Berlusconi
Update vom 12. Juni, 14.43 Uhr: Frühere Weggefährten in Italien haben Silvio Berlusconi nach dessen Tod als großen Staatsmann gerühmt. „Er war ein Mann, der nie Angst hatte, seine Überzeugung zu verteidigen. Dieser Mut und diese Entschlossenheit haben ihn zu einem der einflussreichsten Männer der italienischen Geschichte gemacht“, sagte Ministerpräsidentin Giorgia Meloni am Montag. Der ehemalige Regierungschef sei „vor allem ein Kämpfer“ gewesen.
Meloni bildet gemeinsam mit Berlusconis konservativer Partei Forza Italia und der populistischen Lega von Matteo Salvini eine Rechts-Rechts-Mitte-Koalition in Rom. „Heute verabschieden wir einen großen Italiener. Einen der größten aller Zeiten, in allen Bereichen, aus allen Blickwinkeln, unvergleichlich“, twitterte Salvini. Staatspräsident Sergio Mattarella nannte Berlusconi einen „großen politischen Anführer“.
Zum Tod von Silvio Berlusconi: Putin trauert um einen „echten Freund“
Update vom 12. Juni, 13.49 Uhr: Auch der Kreml trauert um den ehemaligen italienischen Premierminister Silvio Berlusconi. So schrieb Präsident Wladimir Putin ein Beileidstelegramm an Italiens Präsident Sergio Mattarella. „Für mich war Silvio ein teurer Mensch, ein echter Freund“, zitierte die Nachrichtenagentur dpa aus dem Schreiben. Er habe stets die Weitsicht und die ausgewogenen Entscheidungen Berlusconis bewundert und sich bei ihren Treffen von Berlusconis Humor und Lebensfreude anstecken lassen. Berlusconis Tod sei ein „unersetzbarer Verlust und ein tiefes Unglück“.
Der italienische Ex-Premier galt als enger Freund Putins. Den Kontakt nach Moskau brach der 86-Jährige auch nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine nicht ab.
Reaktion in Deutschland: Scholz und FDP schlagen zurückhaltende Töne an
Update vom 12. Juni, 12.43 Uhr: Der Tod von Silvio Berlusconi hat in Deutschland gemischte Reaktionen ausgelöst. „Wenn ein Mensch stirbt, ist man immer traurig. So geht es mir zumindest“, sagte FDP-Generalsekretär Bijan Djir-Sarai und fügte dann hinzu: „Aber der Politiker Berlusconi war keine einfache politische Persönlichkeit.“ Zuvor hatte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) dem italienischen Volk über einen Regierungssprecher seine „Anteilnahme“ ausdrücken lassen.
Silvio Berlusconi tot: Italiens Ministerpräsident nach langer Krankheit gestorben
Erstmeldung vom 12. Juni, 10.46 Uhr: Rom - Er hat Italiens Politik über Jahrzehnte geprägt, ein Wirtschaftsimperium erschaffen – und verlässlich für Skandale gesorgt: Nun ist Silvio Berlusconi gestorben. Das bestätigte ein Sprecher der Nachrichtenagentur dpa. Zuvor hatten bereits mehrere Medien übereinstimmend darüber berichtet. Der Politiker wurde 86 Jahre alt.
Silvio Berlusconi gestorben: Todesursache die Folgen von Leukämie?
Die genaue Todesursache blieb zunächst unbekannt. Jedoch litt Silvio Berlusconi an einer chronischen Leukämie. Bereits in der vergangenen Woche hatte sich der frühere italienische Ministerpräsident erneut für geplante Untersuchungen im Mailänder Krankenhaus San Raffaele befunden. Die Kontrollen seien „normale medizinische Praxis“ und kein Grund zur Besorgnis, hatte es am Freitag noch in einer Erklärung der Ärzte geheißen. Jedoch hatte der Politiker in den vergangenen Jahren viele gesundheitliche Probleme. Neben der chronischen Leukämie kämpfte er in den vergangenen Jahren auch mit einer Corona-Erkrankung, mit Herzproblemen und einer Harnwegsinfektion. 1997 wurde er zudem wegen eines Tumors an der Prostata operiert.
„Väter aller Populisten“: Silvio Berlusconi war zeitlebens umstritten
Berlusconi wurde am 29. September 1936 geboren, war zunächst Geschäftsmann und stand seit 1994 insgesamt vier Regierungen in Italien als Ministerpräsident vor. Er bestimmte die Geschicke des Landes mehr als zwei Jahrzehnte mit und war zeitlebens umstritten, wurde aber von vielen auch bewundert. Für den früheren Regierungschef Mario Monti war Berlusconi der „Vater aller Populisten“, er selbst nannte sich einmal „Jesus Christus der Politik“. Immer wieder gab es Vorwürfe von Interessenkonflikten zwischen seinem Amt und dem von ihm kontrollierten Medienimperium Mediaset. Auch musste er sich zahlreichen Gerichtsprozessen stellen.
Im Zusammenhang mit einer Strafe wegen Steuerhinterziehung wurde er 2013 aus dem Parlament ausgeschlossen und durfte in den folgenden Jahren keine öffentlichen Ämter ausüben. Er klagte dagegen vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Zuletzt war er Abgeordneter im Senat, der kleineren der zwei Parlamentskammern in Rom.
Trotz Bunga-Bunga: Skandalpolitiker hatte bis zum Schluss in Italien seine Fans
Im März 2015 wurde er im berühmten „Bunga-Bunga“-Prozess um Sex mit minderjährigen Prostituierten und Amtsmissbrauch in letzter Instanz freigesprochen. Auch ein Folgeverfahren wegen Zeugenbestechung endete mit einem Freispruch. Seiner Beliebtheit bei vielen Italienern taten die Skandale und Fehltritte aber keinen Abbruch.
Provokation war sein Geschäft: Berlusconi sorgte auch mit Putin-Nähe für Wirbel
Im Zuge der Finanzkrise hatte er 2011 endgültig als Ministerpräsident abtreten müssen. Immer wieder versuchte er das politische Comeback für ein Spitzenamt. Doch die rauschende Rückkehr auf die ganz große Bühne gelang dem „Cavaliere“ nicht - auch sein letzter Traum, Staatspräsident zu werden, platzte Anfang 2022. Zuletzt sorgte er vor allem noch mit umstrittenen Äußerungen zum Ukraine-Krieg und seiner Symphatie für Putin für Aufregung.
Berlusconi privat: Ex-Ministerpräsident hinterlässt fünf Kinder und eine Freundin
Der zweimal geschiedene Politiker hinterlässt nun fünf Kinder und viele Enkel. Zuletzt war Berlusconi mit der Forza-Italia-Abgeordneten Marta Fascina zusammen, die mehr als 50 Jahre jünger war als er selber. (jkf/mit Material der dpa)
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