VonKathrin Reikowskischließen
Silvio Berlusconi ist tot: Der wohl umstrittenste Politiker Italiens starb in Mailand. Sein Leben war exzentrisch und voller Skandale.
Rom - Silvio Berlusconi, ehemaliger italienischer Regierungschef, ist am 12. Juni verstorben. Vor seinem Tod war der 86-jährige Berlusconi schon in den vergangenen Wochen im Krankenhaus gewesen, soll Mitte Mai aber entlassen worden sein, bevor er am 9. Juni wieder in ein Mailänder Krankenhaus eingeliefert wurde. Berlusconi litt an Leukämie - sein Gesundheitszustand war schon in den vergangenen Tagen als sehr ernst beschrieben worden.
„Alles an Berlusconi war falsch: sein geliftetes Gesicht und sein aufgefrischtes Haar, seine Versprechungen und seine Behauptungen, er hatte auch falsche Freunde und Weggefährten – besonders die von der Mafia“, fasst die NZZ das Leben des wohl umstrittensten Politikers Italiens zusammen. Und schreibt: „Dennoch wurde er gewählt und wiedergewählt.“
Berlusconi hatte das öffentliche Leben in Italien über Jahrzehnte in verschiedenen Rollen geprägt - nicht nur als Politiker, sondern auch als Medienmogul und langjähriger Eigentümer des Fußballvereins AC Mailand. Zwischen 1994 und 2011 war er dreimal Ministerpräsident. Im vergangenen September wurde er bei den Parlamentswahlen in den Senat gewählt. Seine Partei Forza Italia koaliert aktuell mit der Regierung der ultrarechten Ministerpräsidentin Giorgia Meloni.
Berlusconis Leben: Bunga-Bunga-Affäre, Steuerhinterziehung und Korruptionsdelikte
Berlusconi war viermal Regierungschef, insgesamt kam er dabei auf mehr als neun Jahre im Palazzo Chigi - so lange war kein anderer in der italienischen Republik seit 1946 Ministerpräsident. Mit etlichen Skandalen und Justizverfahren besudelte er sich aber selbst sein politisches Erbe. Vor allem die sogenannte Bunga-Bunga-Affäre rund um Partys mit teils minderjährigen Frauen in seiner Privatvilla wird auch in der Erinnerung der Italiener und im Ausland immer mit dem „Cavaliere“ (Ritter) genannten Politiker verbunden bleiben.
Der umstrittene Politiker musste sich außerdem wegen Dutzender mutmaßlicher Wirtschafts- und Korruptionsdelikte vor Gericht verantworten. 2013 wurde er wegen Steuerbetrugs rechtskräftig verurteilt. „Er war ein Meister der Verführung des Volkes, ein Modell für viele Populisten“, schreibt die Süddeutsche Zeitung in ihrem Nachruf. Bevor der Mailänder zu einem der reichsten Männer Italiens wurde, trat er laut NZZ auf Kreuzfahrtschiffen als Sänger auf.
Berlusconi soll sein eigenes Grab schon vorbereitet haben
Wie die NZZ berichtet, hatte Berlusconi sich vor den Toren Mailands ein Paradies geschaffen. Für seine Villa aus dem 18. Jahrhundert, mit eigenem Park, hätten viele Italienerinnen und Italiener ihn bewundert. In den vergangenen Jahren hatte Berlusconi immer wieder mit schweren Gesundheitsproblemen zu kämpfen.
Nun soll im Park um seine Villa bereits ein „grandioses Grab“ auf den Verstorbenen warten: Er soll sich dort „ein Monument“ aus weißem Marmor geschaffen haben, dessen „Säulen, Kugeln, Scheiben, Pyramiden“ auch an die Freimaurersymbolik erinnerten. In der Mitte einer Krypta habe er einen Sarkophag vorbereiten lassen. Außenherum gebe es etwa 30 Grabnischen für Angehörige und ausgewählte Freunde - der exzentrische Rechtspopulist Italiens kann sich damit sogar im Tod noch mit Bewunderern umgeben. (dpa/kat)
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