VonMaximilian Kettenbachschließen
Als „Stimme Putins“ bezeichnet, nimmt Chef-Propagandist Wladimir Solowjow im russischen Fernsehen eine Schlüsselrolle ein. Russland-Experte Manfred Sapper alarmiert den Westen.
München/Moskau - Es läuft nicht wirklich rund für Wladimir Putin. Aus dem Versuch, die gesamte Ukraine überfallartig im vergangenen Februar zu erobern, ist ein zäher Kampf um einzelne Gebiete im Donbass geworden. Ein ganzes Jahr geht das nun schon. Tausende Mütter bekamen ihre Söhne nur in Särgen zurück. Umso wichtiger ist für Russlands Präsidenten, dass die Propaganda-Maschinerie des Kreml im Ukraine-Krieg nun nicht verzagt. So manches geht offenbar schon nach hinten los.
Im russischen Fernsehen treten dazu täglich putintreue „Moderatoren“ und „Experten“ auf, die dem Volk die Kreml-Doktrin einimpfen soll. Das Narrativ der notwendigen Entnazifizierung der Ukraine bleibt wohl weiter am populärsten. Unmittelbar gefolgt von Beleidigungen gegen ein neues Nazi-Deutschland und einem neuen „Hitler“, namens Olaf Scholz.
„Müssen das sehr ernst nehmen“: Russland-Experte mahnt Deutschland vor Putins Propaganda
Während viele im Westen darüber nur müde lächeln, warnt Manfred Sapper, Russland-Experte und Chefredakteur der Zeitschrift Osteuropa, im ZDF: „Leider wird das in Russland geglaubt. Der TV-Moderator und Propagandist Wladimir Solowjow ist eine unglaubliche Drecksschleuder. Wir machen uns in Deutschland keine Vorstellung, wie Propaganda funktioniert. In diesen Sonntagabendsendungen ist das eigentlich seit Monaten und Jahren der Fall. Wir haben in Deutschland leider nie auf die Art und Weise geschaut, wie Propaganda funktioniert. Wir müssen das sehr ernst nehmen.“
Als „Nazi-Abschaum“ und „Verräter am deutschen Volk“ wurde Scholz zuletzt von „Putins Stimme“ Solowjow bezeichnet, inklusive der Drohung, Berlin werde zerstört, wenn Deutschland weiter Waffen an Ukraine liefere. Wenige Tage später war AfD-Politiker Steffen Kotré in seiner Show zu Gast und positionierte sich gegen deutsche Waffenlieferungen. Damit liegt er voll auf der Welle des Kreml. „Unglaublich aber wahr, wir werden wieder von deutschen Panzern bedroht, die Kreuze tragen“, tobte Wladimir Putin am 80. Jahrestag des sowjetischen Sieges über Deutschland in Stalingrad. „Wir haben etwas, womit wir antworten. Und mit der Anwendung von Panzertechnik ist die Sache nicht erledigt. Das sollte jeder verstehen“, drohte der Kreml-Chef.
Warnung an Deutschland: Wie weit würde Putin im „Endkampf“ gegen den Westen gehen?
Will Putin nicht nur die Ukraine denazifizieren, sondern Deutschland gleich mit?, fragte das ZDF die Historikerin und Publizistin Katja Gloger im „heute journal“: „Wir wissen nicht, wie weit Putin in seinem Endkampf gegen den Westen gehen würde. Auch wir stehen auf schwankendem Grund und müssen eine feste Position finden.“ (Ein Kampfjet-Pilot erklärte jüngst, wie viele Bundeswehr-Eurofighter den deutschen Luftraum schützen)
Während der eine Teil des Krieges also auf dem Schlachtfeld entschieden wird, tobt ein anderer Kampf, den der Westen keinesfalls außer Acht lassen darf: den, der Propaganda.
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