Ukrainische Gegenoffensive

Nach Flucht eines Piloten in die Ukraine: Neue Fotos zeigen Selenskyj vor russischem Hubschrauber

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Russland kämpft gegen seine eigenen Deserteure. Ein übergelaufener Hubschrauberpilot stellt dem ukrainischen Militär nun sein Fluggefährt zur Verfügung.

Update vom 8. September, 9.48 Uhr: Neue Fotos zeigen Wolodymyr Selenskyj, der mit dem ukrainischen Spionagechef Kyrylo Budanow vor einem russischen Mi-8-Hubschrauber posiert. Es scheint sich um den Helikopter zu handeln, den ein russischer Pilot in einem waghalsigen Überlaufer-Manöver in die Ukraine geflogen hatte.

Der Mi-8-Hubschrauber auf dem Foto, das zum Gedenken an den Tag des militärischen Geheimdienstes der Ukraine aufgenommen wurde, trägt die Nummer „62“, ebenso wie der Hubschrauber auf dem von der Ukraine veröffentlichten Video.

Präsident Wolodymyr Selenskyj posiert mit dem ukrainischen Spionagechef Kyrylo Budanow vor dem russischen Mi-8-Hubschrauber.

Nach Fahnenflucht: Russischer Hubschrauber fliegt jetzt Fronteinsätze gegen Russland

Erstmeldung vom 4. September: Kiew – Im Ukraine-Krieg gerät Russland weiter unter Druck: Den Aggressoren gehen immer mehr die Ressourcen aus. Neben dem Mangel an Waffen und Munition beginnen nun immer mehr russische Soldaten die Seiten zu wechseln. Etwa 100 Fahnenflüchtige verzeichnet das ukrainische Militärgericht wöchentlich – Tendenz steigend. Zu den prominentesten Fällen gehört der des 28-jährigen Maksim Kusminow. Der russische Hubschrauberpilot war auf die ukrainische Seite übergelaufen und forderte jetzt andere Piloten auf, es ihm gleichzutun.

Deserteur aus Russland schließt sich der Ukraine an

Das ukrainische Nachrichtenmagazin Ukrajinska Prawda berichtete damals über die von langer Hand geplante Desertion. Der Pilot habe die Fahnenflucht zusammen mit dem ukrainischen Geheimdienst über Wochen und Monate vorbereitet. Dem Bericht zufolge soll der Pilot zuvor mit seinem Hubschrauber in Russland zwischen zwei Luftwaffenstützpunkten hin- und hergeflogen sein und im Ukraine-Krieg Teile für die Kampfflugzeuge Su-27 und Su-30 SM transportiert haben.

Nach seinem Kontakt mit dem ukrainischen Geheimdienst sei der Plan zur Flucht entstanden. Mit seinem Helikopter war der russische Pilot im August ins ostukrainischen Charkiw geflogen. Nach der Landung musste er dort zunächst zwei seiner Kameraden töten, ehe er zum ukrainischen Militär überlaufen konnte. Kusminow befinde sich zur Zeit weiter in der Ukraine bei seiner bereits vorher aus Russland geflohenen Familie.

Russische Militärblogger hatten kurz zuvor über eine ähnliche Geschichte berichtet: Im August wurde über einen vermissten Mi-8-Hubschrauber berichtet, der angeblich die Orientierung verloren hatte und auf einem ukrainischen Flugplatz nahe der Stadt Poltawa gelandet war. Bei einem anschließenden Gefecht sei der Pilot verletzt und der Rest der Besatzung getötet worden. Von unabhängiger Seite konnten diese Darstellungen bisher nicht überprüft werden. Der Sprecher des ukrainischen Geheimdienstes, Andrij Jussow, bestätigte den Vorfall im Fernsehen, nannte aber keine Details.

Russischer Helikopter fliegt jetzt für die Ukraine

Seit seiner Aufnahme in der Ukraine ruft Kusminow andere russische Piloten öffentlich dazu auf, ebenfalls die Seiten zu wechseln. „Wenn ihr das tut, was ich getan habe, werdet ihr es nicht bereuen. Ihr werdet für den Rest eures Lebens mit allem versorgt sein“, erklärte der Hubschrauberpilot in dem am Sonntagabend (3. September) ausgestrahlten ukrainischen Dokumentarfilm „Downed Russian Pilots“. Er erzählt von gesetzlichen Sicherheitsgarantien und finanziellen Ausgleichen.

In seinem Filminterview widerspricht Kusminow auch der russischen Propaganda und kritisiert die russische Invasion: „Was passiert, ist einfach ein Völkermord am ukrainischen Volk, an Ukrainern und an Russen“, sagte er. Daran habe er sich nicht beteiligen wollen. „Niemand will diesen Krieg. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis die Ukraine gewinnt“, fügte der Pilot hinzu.

Nun bekämpft der 28-Jährige das, wovor er gerade geflohen ist. Die unabhängige Investigativ-Plattform NEXTA informierte am Montag (4. September) auf Twitter darüber, dass „der Mi-8-Hubschrauber, der von einem russischen Piloten gelandet wurde, bald seinen Kampfeinsatz zugunsten der Ukraine aufnehmen wird“. Ob der Pilot seine Maschine selbst fliegen wird, ist allerdings unklar. (aa)

Rubriklistenbild: © Sergei Ilnitsky/dpa

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