Russland greift weiter zivile Infrastruktur in der Ukraine an: 30.000 Menschen ohne Strom
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Patrick Huljina
Bona Hyun
Felix Durach
Franziska Schwarz
News zum Ukraine-Krieg: Neue Zahlen zeigen das Ausmaß der russischen Verluste in der Front. Die Ukraine versetzt ein Öldepot auf der Krim in Brand. Der Ticker.
Update, 14. Oktober, 6.52 Uhr: Bei einem russischen Bombenangriff auf Charkiw ist die Stromversorgung für 30.000 Kunden ausgefallen. Vier Menschen wurden bei dem Angriff auf die zweitgrößte ukrainische Stadt verletzt. Die Bomben hätten Stromleitungen getroffen und ein Krankenhaus beschädigt, sagte Bürgermeister Ihor Terechow laut Reuters im örtlichen Fernsehen. Der Angriff zeigt erneut die anhaltende Bedrohung der zivilen Infrastruktur in der Ukraine.
Transparenzhinweis
Die hier verarbeiteten Informationen stammen von Nachrichtenagenturen und internationalen Quellen, aber auch von Kriegsparteien im Ukraine-Krieg. Die Angaben zum Ukraine-Krieg lassen sich nicht unabhängig überprüfen.
Update, 12:54 Uhr: Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas ist am Montag überraschen in die Ukraine gereist. „Ich bin heute in Kiew, um Gespräche über finanzielle und militärische Unterstützung zu führen, sowie über die Sicherheit des ukrainischen Energiesektors und darüber, Russland für seine Kriegsverbrechen zur Verantwortung zu ziehen“, teilte sie in einem Beitrag auf X mit.
Russland nimmt mit seinen anhaltenden Drohnen- und Raketenangriffen insbesondere die ukrainische Energieinfrastruktur unter Beschuss. In den vergangenen Wochen hatte Moskau die Angriffe auf ukrainische Energieanlagen und das Eisenbahnnetz nochmals verstärkt. Am Montag hat die Ukraine deshalb die Stromversorgung in mindestens sieben Regionen des Landes eingeschränkt.
Zwei Tote nach russischen Angriffen auf Ukraine-Region Saporischschja
Update, 10:02 Uhr: Im Gebiet Saporischschja im Südosten der Ukraine sind nach ukrainischen Angaben zwei Menschen durch einen russischen Angriff getötet worden. Eine Drohne habe ein Zivilfahrzeug getroffen, schrieb der Gouverneur des Gebiets, Iwan Fedorow, bei Telegram. Ein 53-Jähriger und eine 50 Jahre alte Frau kamen demnach dabei ums Leben.
In der Region Odessa habe Moskaus Militär zivile Infrastruktur angegriffen und zwei Objekte getroffen, teilte Gouverneur Oleh Kiper mit. Eine Person sei dabei verletzt worden. Der staatliche Versorger Ukrenerho teilte mit, dass es am Morgen zu Notabschaltungen der Stromversorgung für industrielle Verbraucher in den Gebieten Charkiw, Sumy, Poltawa, Donezk, Dnipropetrowsk, Saporischschja und teilweise in Kirowohrad kam. In Tschernihiw gibt es demnach stundenweise Abschaltungen. Grund dafür seien die Folgen der zuletzt vermehrten russischen Angriffe auf die ukrainische Energieversorgung.
Update, 07:58 Uhr: Ukrainische Verteidiger haben in einer erfolgreichen Offensive russische Einheiten bei vier Siedlungen im Gebiet Donezk zurückgeschlagen. Betroffen waren die Ortschaften Nove Schachowe, Solotyi Kolodjaz, Kutscheriv Jar und Nowopawliwka an der strategisch wichtigen Pokrowsk-Front. Die militärische Lage bleibt jedoch angespannt: Russische Truppen führen trotz der Verluste ihre Sturmoperationen fort und drangen bereits direkt in Kutscheriv Jar sowie in die Nähe von Schachowe vor, berichtete die Analystentruppe DeepState.
Update, 13. Oktober, 05:51 Uhr: Ukrainische Drohnen haben nach einem Angriff offenbar einenBrand beim Öldepot in Feodossija auf der Krim ausgelöst. Darüber berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Tass.ru. Laut dem russischen Gouverneur der Krim, Sergej Aksjonow, wurde niemand verletzt. Rettungskräfte seien vor Ort im Einsatz.
Selenskyj fordert mehr Druck auf Russland – Sorge um beschädigtes Atomkraftwerk
Update, 19:39 Uhr: Das Atomkraftwerk Saporischschja hat den längsten Stromausfall seit Kriegsbeginn erlebt und läuft seit fast drei Wochen mit Dieselgeneratoren. Präsident Wolodymyr Selenskyj hat deswegen die internationale Gemeinschaft aufgerufen, den Druck auf Russland zu erhöhen, um die Sicherheit der Anlage zu gewährleisten.
„Russland nutzt die Gelegenheit, dass die Augen der globalen Diplomatie auf den Nahen Osten gerichtet sind“, sagte Selenskyj in seiner abendlichen Ansprache. Die Ukraine sei bereit, die Stromzufuhr zu reparieren und die Sicherheit des Kraftwerks mit eigenem Fachpersonal zu gewährleisten, doch russische Angriffe behinderten die Reparaturteams. „Nur ukrainische Kontrolle und unsere ukrainischen Spezialisten bieten eine hundertprozentige Sicherheitsgarantie“, betonte der Präsident.
Tomahawk-Raketen für die Ukraine: Trump und Selenskyj telefonieren erneut
Update, 17:41 Uhr: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat erneut mit US-Präsident Donald Trump über die Lieferung von Patriot-Flugabwehrsystemen und Tomahawk-Marschflugkörpern gesprochen. In einem neuen Telefonat vereinbarten beide, dass ihre militärischen Teams die besprochenen Punkte weiter ausarbeiten werden, wie Selenskyj auf Telegram mitteilte. Die beiden Staatschef hatten bereits am Samstag telefoniert.
Konkrete Zusagen für neue Waffenlieferungen im Ukraine-Krieg machte Selenskyj nicht öffentlich. „Wir sehen und hören, dass Russland Angst hat, dass die Amerikaner uns Tomahawks geben könnten“, schrieb der Staatschef laut dpa. Zuvor hatte er bereits mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron über Flugabwehrsysteme telefoniert – angesichts der Lücken in der ukrainischen Luftverteidigung ein Schlüsselthema.
Update, 13.54 Uhr: Der Kreml hat sich alarmiert über mögliche Tomahawk-Lieferungen der USA an die Ukraine gezeigt und vor einer Eskalation des Ukraine-Krieges gewarnt. „Gegenwärtig ist wirklich ein dramatischer Moment, da die Spannungen von allen Seiten eskalieren“, warnte Dmitri Peskow laut Reuters.
Der russische Präsidialamtssprecher verwies auf die Gefahr einer Verwechslung mit Atomraketen, da einige Tomahawk-Versionen nukleare Sprengköpfe tragen könnten. Mit ihrer Reichweite von 2500 Kilometern könnten die Raketen russische Ziele bis hin zur Hauptstadt Moskau erreichen.
Details zu Attacken auf Russlands Wirtschaft: Wie Trump im Hintergrund die Fäden zieht
Update, 13.13 Uhr: Die USA unterstützen einem Medienbericht zufolge die Ukraine seit Monaten bei Langstreckenangriffen auf russische Energieanlagen. Ziel sei es, die russische Wirtschaft zu schwächen und Präsident Wladimir Putin an den Verhandlungstisch zu zwingen, berichtet die „Financial Times“ unter Berufung auf mehrere Insider. Mehr dazu in „Details zu Attacken auf Russlands Wirtschaft: Wie Trump im Hintergrund die Fäden zieht“.
News zum Ukraine-Krieg: Selenskyj beklagt Eskalation russischer Angriffe
Update, 12.28 Uhr: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat nach einer Woche mit mehr als 4.000 russischen Angriffen aus der Luft die Weltgemeinschaft zum Handeln aufgefordert. „Moskau erlaubt sich eine Eskalation seiner Angriffe und nutzt dabei offen die Tatsache aus, dass die Welt sich auf die Sicherung des Friedens im Nahen Osten konzentriert“, teilte Selenskyj in den sozialen Netzwerken mit.
Erstmeldung: Kiew – Eine umfassende Medien-Untersuchung hat die Identitäten von über 135.000 getöteten russischen Soldaten im Ukraine-Krieg bestätigt. Die russische unabhängige Medienplattform Mediazona veröffentlichte gemeinsam mit dem BBC Russian Service aktuelle Zahlen, die das Ausmaß der russischen Verluste dokumentieren.
Die Untersuchung zum Ukraine-Krieg erfasst den Zeitraum vom 24. Februar 2022 bis zum 9. Oktober 2025 und stützt sich auf öffentlich zugängliche Quellen wie Nachrufe, Gedenkstätten und regionale Medienberichte.
Laut der Untersuchung von Mediazona und BBC Russian Service wurden 135.100 russische Militärangehörige identifiziert, deren Tod im Ukraine-Krieg bestätigt wurde. Die Journalisten betonen, dass die tatsächlichen Verluste in Putins Armee wahrscheinlich erheblich höher liegen, da ihre verifizierten Informationen ausschließlich aus öffentlichen Quellen stammen. Die dokumentierten Todesfälle umfassen unter anderem 38.200 Freiwillige, 18.450 rekrutierte Gefangene und 15.200 mobilisierte Soldaten. Über 5.800 Offiziere wurden inzwischen als getötet bestätigt.
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Das Durchschnittsalter der getöteten Soldaten im Ukraine-Krieg betrug 35 Jahre. Mediazona veröffentlichte erstmals im Februar eine vollständige Liste der identifizierten Verluste und markierte damit drei Jahre seit Russlands Invasion in die Ukraine. Nach Angaben der Publikation werden alle Datensätze manuell eingegeben und überprüft, um doppelte Einträge in der Datenbank zu verhindern. Frühere Berichte sprachen von bis zu 220.000 getöteten russischen Soldaten bis August 2025. Der ukrainische Generalstab gab am 12. Oktober auf Facebook folgende Zahlen bekannt:
Kategorie
Gesamtverluste
Tagesverluste
Personal
1.122.810
+1.240 zum Vortag
Panzer
11.248
+1
Gepanzerte Fahrzeuge
23.345
+0
Artilleriesysteme
33.578
+10
Drohnen
69.010
+244
Fahrzeuge/Tanker
63.934
+87
Quelle: Ukrainischer Generalstab auf Facebook
Trotz der schweren Verluste konnte Russland Fortschritte in der Oblast Donezk im Osten der Ukraine erzielen, da es seine Verluste durch neue Vertragssoldaten ausgleichen kann. Kiew hingegen steht vor zunehmend ernsthaften Personalengpässen, insbesondere bei Infanterieeinheiten an der Front.