Streit um Nationalgarde: Bürgermeister nennt Trump „instabil“ – heute Gerichtsanhörung
VonNail Akkoyun
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Jekaterina Jalunina
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Donald Trump entsendet die Nationalgarde nach Portland und Chicago. Die Demokraten vor Ort wehren sich – die Situation droht, noch weiter zu eskalieren.
Update, 9. Oktober, 5.54 Uhr: Trump hat Soldaten in den Großraum Chicago beordert – gegen den Willen von Politikern vor Ort. Der Einsatz wird heute auch vor Gericht Thema: Für diesen Donnerstagvormittag (Ortszeit) ist eine Anhörung vor einem Bundesgericht in Chicago angesetzt. Der Bundesstaat Illinois klagt gegen Trump, weil er den Nationalgarde-Einsatz für rechtswidrig hält.
Trump schickt Nationalgarde nach Chicago – Bürgermeister nennt Präsidenten „instabil“
Update, 18:45 Uhr: Der Bürgermeister von Chicago, Brandon Johnson, hat mit scharfen Worten auf die Attacken von Donald Trump reagiert. Dieser hatte auf seiner Plattform Truth Social erklärt, Johnson und der Gouverneur des Bundesstaates Illinois, JB Pritzker, sollten „im Gefängnis sitzen“, weil sie Beamte der Einwanderungsbehörde ICE „nicht schützen“ würden.
Johnson nannte Trump beim Sender CNN einen „instabilen, unberechenbaren Menschen“, der eine Bedrohung für die Demokratie darstelle. „Es ist sicherlich nicht das erste Mal, dass Donald Trump ungerechtfertigt die Verhaftung eines schwarzen Mannes fordert“, sagte der Demokrat. „Ich gehe nirgendwo hin. Ich werde als Bürgermeister dieser großartigen Stadt standhaft bleiben.“
Der Bürgermeister warf dem Präsidenten erneut vor, „außerhalb der Grenzen der Verfassung“ zu handeln. Aus dem Bundesstaat Texas entsandte Nationalgardisten hielten sich derzeit „unmittelbar außerhalb der Stadt Chicago“ auf, obwohl sie „keine Polizeibefugnisse“ hätten oder die „Befugnis, Personen festzunehmen“.
Update, 15:00 Uhr: US-Präsident Donald Trump droht Brandon Johnson, dem Bürgermeister von Chicago, und dem Gouverneur von Illinois, JB Pritzker, mit einer Gefängnisstrafe. Auf seiner Social-Media-Plattform Truth Social schrieb der US-Präsident: „Der Bürgermeister von Chicago sollte im Gefängnis sitzen, weil er die ICE-Beamten nicht geschützt hat! Gouverneur Pritzker ebenfalls!“ Pritzker hatte sich gegen den Einsatz der US-Nationalgarde in Chicago vor Gericht gewehrt – blieb jedoch vorerst ohne Erfolg. Die Soldaten sollen die ICE-Beamten unterstützen, ihre Razzien gegen illegale Einwanderer umzusetzen.
Rückblick auf die ersten 100 Tage: Trump krempelt die USA um – eine Chronik
Update, 8. Oktober, 6.57 Uhr: Auf Anordnung von US-Präsident Donald Trump sind 200 Nationalgardisten aus Texas für einen Einsatz in Chicago im US-Bundesstaat Illinois eingetroffen. Wie ein Vertreter des Verteidigungsministeriums laut AFP sagte, sollen die Soldaten in Illinois Bundesbeamte und Bundeseigentum schützen. Ihr Einsatz soll demnach vorerst 60 Tage dauern. Gesichtet wurden die Nationalgardisten auf einem Militärstützpunkt in Elmwood südwestlich von Chicago.
Update vom 7. Oktober, 21.00 Uhr: Der Gouverneur von Texas, Greg Abbott, hat am Dienstagnachmittag (7. Oktober) gegenüber Fox News erklärt, dass Truppen der Texas National Guard „bereits in Illinois“ seien. Sie verfügten über „spezielle Ausbildung für den Umgang mit zivilen Unruhen“, so der republikanische Gouverneur.
„Sie haben diese Ausbildung jahrelang unter der Biden-Regierung eingesetzt, als sie mit zivilen Unruhen entlang der Grenze konfrontiert waren, insbesondere mit denen, die über die Grenze kamen“, sagte Abbott. Die Einheiten seien sehr erfahren darin, die ICE-Beamten und andere Bundesbeamte zu unterstützen, „um sicherzustellen, dass sie die Gesetze sicher und effektiv durchsetzen können“.
Einsatz in Chicago: Gouverneur Pritzker bestätigt Trumps Einberufung von 400 Texas-Gardisten
Update vom 7. Oktober, 07.00 Uhr: Laut US-Medien könnten schon bald Nationalgardisten in der Region Chicago eintreffen. Der Versuch des Bundesstaats Illinois und der Millionenstadt, einen solchen Einsatz zu stoppen, blieb zunächst ohne Erfolg: Die zuständige Richterin wolle frühestens am Donnerstag über eine einstweilige Verfügung entscheiden, hieß es in den Berichten.
llinois‘ Gouverneur JB Pritzker erklärte in der Nacht zum Montag, dass Trump zudem 400 Nationalgardisten aus dem republikanisch regierten Texas einberufen habe. Laut New York Times sollten 200 texanische Nationalgardisten am Montag nach Chicago fliegen, um dort ihren Einsatz zu beginnen. Am späten Abend postete Texas‘ Gouverneur Greg Abbott auf X ein Foto von Soldaten der texanischen Nationalgarde, die ein Flugzeug besteigen – begleitet von den Worten: „Jederzeit bereit. Jetzt im Einsatz.“
Vor dem Hintergrund hat US-Präsident Donald Trump den Einsatz des sogenannten Insurrection Act ins Spiel gebracht. „Wir haben einen Insurrection Act nicht ohne Grund. Falls ich ihn einsetzen müsste, würde ich das tun“, sagte Trump am Montag (6. Oktober) vor Journalisten im Oval Office. Dieses „Aufstandsgesetz“ von 1807 befugt den Präsidenten, das Militär im Inland einzusetzen, um „bewaffnete Rebellion“ oder „innere Gewalt“ zu unterdrücken.
Illinois und Chicago klagen gegen Trumps Einsatz der Nationalgarde
Update vom 6. Oktober, 18.02 Uhr: Der US-Bundesstaat Illinois und Chicago klagen gegen den Plan der US-Regierung, gegen ihren Willen Soldaten der Nationalgarde in der Millionenstadt einzusetzen. Es sei rechtswidrig, dass US-Präsident Donald Trump und seine Regierung Nationalgardisten unter Bundeskontrolle stellten, um in der Stadt gegen angeblich ausufernde Kriminalität vorzugehen, hieß es in der Klage. Bundesstaat und Stadt fordern das Gericht auf, dem Bestreben einen Riegel vorzuschieben. Sie beziehen dabei sowohl Nationalgardisten aus Illinois als auch Texas explizit ein.
Der Streit um einen Einsatz der Nationalgarde in Chicago, wo seit Wochen Menschen gegen Razzien der Einwanderungsbehörde ICE protestieren, war am Wochenende hochgekocht: US-Verteidigungsminister Pete Hegseth ordnete an, 300 Nationalgardisten aus Illinois unter Bundeskontrolle zu stellen, wie aus Gerichtsunterlagen hervorgeht. Sie sollten demnach Bundesbeamte, etwa von ICE, und Bundeseigentum schützen.
Illinois‘ Gouverneur JB Pritzker erklärte in der Nacht zum Montag auf X, dass Trump zudem 400 Nationalgardisten aus Texas einberufen habe, um sie in Illinois, in Oregon und weiteren Orten in den USA einzusetzen. „Wir müssen nun anfangen, es als das zu bezeichnen, was es ist: Trumps Invasion“, schrieb Pritzker.
Trump schickt Militär nach Portland
Erstmeldung vom 6. Oktober: Portland – In Amerika herrschen unruhige Zeiten. In den vergangenen Wochen hat Präsident Donald Trump damit begonnen, Truppen der Nationalgarde in mehrere Städte zu entsenden – einige Einsätze sind bereits erfolgt, weitere stehen noch bevor. Trump schickte die Nationalgarde bereits in die von den oppositionellen Demokraten regierten Städte Los Angeles, Washington und Memphis. Bei seiner Anordnung Ende vergangener Woche bezeichnete er Portland als eine „vom Krieg zerstörte“ Stadt. Die Entsendung der Truppen begründete Trump mit dem Schutz von Einwanderungsbeamten vor „inländischen Terroristen“ wie der linksgerichteten Antifa-Bewegung.
Nach Angaben des kalifornischen Gouverneurs Gavin Newsom hat Präsident Trump rund 300 Nationalgardisten aus Kalifornien nach Portland entsandt. „Sie sind bereits auf dem Weg dorthin“, erklärte der demokratische Politiker und scharfe Trump-Kritiker und warf der Bundesregierung Machtmissbrauch vor. Aus dem Weißen Haus gab es bislang keine Stellungnahme zu den Vorwürfen. Newsom kündigte an, rechtliche Schritte einzuleiten.
Trump umgeht Gerichtsbeschluss: Nationalgardisten aus Kalifornien sollen nach Portland verlegt werden
Am Tag zuvor hatte ein Gericht im benachbarten Bundesstaat Oregon der Trump-Regierung vorerst verboten, Nationalgardisten, die in Oregon stationiert sind, nach Portland zu schicken. Bundesstaat Oregon und Stadt hatten sich mit einer Klage gegen den Einsatz gestemmt, den die Trump-Regierung angeordnet hatte. Der kalifornische Gouverneur wirft Trump vor, nun dem Gerichtsurteil auszuweichen, indem er Nationalgardisten aus Kalifornien nimmt.
Trump betont immer wieder, die Bekämpfung von Kriminalität auf den Straßen sei ein wichtiges Ziel – und schickt Soldaten in von Demokraten regierte Städte. Er setzte die Soldaten auch schon ein, um Proteste gegen Razzien der Migrationsbehörde ICE einzudämmen. In Portland hatten sich Proteste rund um eine ICE-Einrichtung gemehrt.
Illinois stellt sich gegen Trumps Nationalgarde-Pläne
Der Gouverneur von Illinois, JB Pritzker, stellt sich mit der Stadtspitze von Chicago seit Wochen gegen einen militärischen Einsatz in der Millionenstadt. Man habe die Proteste und Ausschreitungen im Griff – ein militärisches Eingreifen sei nicht nötig, betonen die demokratischen Gegner Trumps stets. In Chicago protestieren Menschen seit Wochen gegen Razzien der Migrationsbehörde ICE. Trump begründet den Einsatz der Nationalgarde in den Städten damit, gegen ausufernde Kriminalität angehen zu wollen.
Richterin blockiert Einsatz der Nationalgarde
Eine Bundesrichterin hat die Entsendung der Nationalgarde nach Portland vorläufig untersagt. Karin J. Immergut begründete ihre Entscheidung in der 33-seitigen Anordnung damit, dass die Proteste in Portland gegen Trumps rigide Migrationspolitik keine „Aufruhrgefahr“ darstellten. Die örtlichen „regulären Strafverfolgungsbehörden“ seien in der Lage, damit fertig zu werden. Ihre Anordnung gilt bis zum 18. Oktober.
Der Vize-Stabschef im Weißen Haus, Stephen Miller, brandmarkte die Gerichtsentscheidung in Online-Netzwerken als „Aufstand“. Er warf den führenden Politikern in Oregon einen „organisierten terroristischen Angriff auf die Bundesregierung“ vor.
Trumps Nationalgarde-Einsätze sorgen für politische Spannungen
Kritiker werfen Trump vor, mit dem Einsatz der Nationalgarde eine Show zu veranstalten und politische Gegner einschüchtern zu wollen. Befürchtet wird, dass sich die Stimmung in den Städten mit Blick auf laufende ICE-Razzien aufheizen könnte. In den USA haben die Gouverneure eines Bundesstaates normalerweise die Kontrolle über die Nationalgarde. Kommt es zum Krieg oder zu nationalen Notfällen, kann aber der US-Präsident das Kommando übernehmen. Die Nationalgarde ist eine militärische Reserveeinheit und Teil der US-Streitkräfte. Sie kann etwa bei Naturkatastrophen, Unruhen oder Notfällen im Inneren eingesetzt werden. (Quellen: dpa, tagesschau) (jal/nak)