Befragung im Bundestag

Reichinnek rechnet in Generaldebatte mit Merz ab: „Tut mir leid“

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Bei der Generaldebatte im Bundestag heute kontert Kanzler Merz die Attacken von Alice Weidel (AfD). Die Wende in Deutschland sei eingeleitet. Alle News.

Update von 16.25 Uhr: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat vor zu hohen Erwartungen an die Folgen einer vorzeitigen deutschen Klimaneutralität gewarnt. „Selbst wenn wir alle zusammen morgen am Tag klimaneutral wären in Deutschland, würde keine einzige Klimakatastrophe auf der Welt weniger geschehen, würde kein einziger Waldbrand weniger geschehen, würde keine einzige Überschwemmung in Texas weniger geschehen“, sagte Merz am Mittwoch bei der Regierungsbefragung im Bundestag.

Der Bundeskanzler sprach damit die jüngsten Waldbrände etwa in Thüringen und Sachsen und die Flutkatastrophe in Texas mit mehr als 100 Toten an. Merz verwies darauf, dass Deutschland nur rund ein Prozent der Weltbevölkerung repräsentiere und rund zwei Prozent der globalen CO2-Emissionen verursache.

Merz bekannte sich aber explizit zu den Pariser Klimazielen, mit denen die globale Erwärmung auf 1,5 bis zwei Grad im Vergleich zu vorindustriellen Werten begrenzt werden soll. „Wir stehen zu diesen internationalen Verpflichtungen“, stellte Merz klar. „Auch an dieser Stelle werden wir den Koalitionsvertrag einhalten“, fuhr Merz fort. Darin setzt sich die Bundesregierung weiter das Ziel, bis 2045 treibhausgasneutral zu sein.

Kritik an Merz‚ Äußerungen kam am Mittwoch auch aus dem Lager der schwarz-roten Regierung selbst. „Damit kann kein Wissenschaftlicher einverstanden sein“, schrieb der ehemalige SPD-Gesundheitsminister Karl Lauterbach im Online-Dienst X. „Mit dieser Argumentation könnten hunderte Länder den Klimaschutz sofort beenden.“

Bundestag-Debatte: Miersch zitiert Roland Kaiser und geht auf Weidel los

Update von 14.34 Uhr: Der SPD-Abgeordnete Matthias Miersch kritisierte während der Generaldebatte im Bundestag die Aussagen von AfD-Chefin Alice Weidel und zitierte dabei den Sänger Roland Kaiser: „Was hat dir dein Herz gestohlen?“ Mit dieser Liedzeile startete Miersch in seine Rede. Dabei ging es vor allem um Weidels Kommentare zur Migration. „Wie kann man so eiseskalt, so hasserfüllt als Mensch eine solche Rede halten, wie Sie das eben getan haben?“, rief Miersch.

Der SPD-Politiker ergänzte: „Wie Sie über Menschen mit Migrationshintergrund geredet haben, ist ein Schlag ins Gesicht für alle, die Migrationshintergrund haben und Tag für Tag dieses Land bereichern.“ Er zog einen Vergleich zur „Rassenlehre“ aus der Zeit des Nationalsozialismus und betonte, nicht umsonst hätten die „Väter und Mütter des Grundgesetzes ein Parteiverbot in die Verfassung aufgenommen.“ Die Rede von Weidel ist laut Miersch ein Beleg dafür, dass die AfD verfassungsfeindlich agiert. Daher müsse es ein Verbotsverfahren geben.

Span legt sich in Generaldebatte mit der AfD an

Update, 11.30 Uhr: CDU/CSU-Fraktionsvorsitzender Jens Spahn attackiert in seiner Rede zunächst die AfD: „Das ist das, was Sie am meisten fürchten: eine Regierung, die liefert, und je mehr wir liefern, desto schriller wird Ihr Geschrei.“ Wer regelmäßig „auf der falschen Seite der Autokratien“ stehe – bei China und Russland – sei aber „sicher kein Patriot“.

Die AfD-Spitze im Wandel der Zeit: von Bernd Lucke bis Alice Weidel

Die AfD liegt in den Umfragen zur Bundestagswahl 2025 an zweiter Stelle.
Die AfD liegt in den Umfragen zur Bundestagswahl 2025 an zweiter Stelle. Anders als jahrelang üblich, gab es bei ihrem Bundesparteitag im Januar 2025 in Riesa kaum große Streitthemen. Auch die Mitglieder des AfD-Bundesvorstands verbreiteten Harmonie (von links nach rechts): Carsten Hütter, Alice Weidel, Tino Chrupalla, Peter Boehringer und Heiko Scholz. In Riesa beschloss die AfD ihr Wahlprogramm.  © Sebastian Kahnert/dpa
Auf dem Parteitag wurde Parteichefin Alice Weidel zur Kanzlerkandidatin gekürt.
Im Mittelpunkt des Parteitags stand Alice Weidel, die die AfD mit einer schrillen Rede auf den Wahlkampf einschwor. Vor allem mit ihrer rigorosen Wortwahl schien sie den Nerv der Partei zu treffen. So forderte sie Rückführungen im großen Stil: „Wenn es dann Remigration heißen soll, dann heißt es eben Remigration.“ Zuvor hatte sie diesen Begriff vermieden.  © Jens Schlüter/AFP
AfD-Bundesparteitag in Riesa
Tatsächlich ist nach Riesa rhetorisch kein Unterschied mehr zwischen Weidel und den Rechtsextremen auszumachen. Immer wieder gelang es ihr, die düstere AfD-Seele mit ihrer scharfen Wortwahl zu massieren. So prägte sie auch den irren Begriff ,,Windmühlen der Schande“.  © Sebastian Kahnert/dpa
AfD Parteitag 2013 in Berlin
Wie aber kam es zum Aufstieg der AfD? Los ging alles am 6. Februar 2013, als 18 Menschen im hessischen Oberursel (Taunus) die Partei „Alternative für Deutschland“ gründeten. Der erste AfD-Parteitag fand bereits am 14. April 2013 statt (im Bild). Bei der Bundestagswahl im selben Jahr erzielte die neue Partei aus dem rechten Spektrum auf Anhieb 4,7 Prozent – das beste Ergebnis, das eine neu gegründete Partei jemals bei ihrer ersten Bundestagswahl erzielen konnte.  © imago
Landesparteitag der AfD am 11. Januar 2014 in Gießen
Nahezu von Anfang begleiten Gegendemonstrationen die AfD-Veranstaltungen - wie hier der Landesparteitag am 11. Januar 2014 in Gießen. Der rechtspopulistischen Partei werden immer wieder Demokratie- und Europafeindlichkeit vorgeworfen. © imago stock&people
Dr. Konrad Adam, Journalist und Mitgebründer der Alternative für Deutschland (AfD)
Als einer der Gründungsväter der AfD gilt Konrad Adam. Der 1942 in Wuppertal geborene Journalist arbeitete für die Tageszeitungen FAZ und Welt. Zunächst war er Gründungsmitglied der eurokritischen Wahlalternative 2013 und wurde noch im selben Jahr einer von drei Bundessprechern der neu gegründeten AfD. Wie viele andere war Adam ursprünglich CDU-Mitglied, ehe er – vermutlich aus Enttäuschung über die als linksliberal wahrgenommene Politik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) – eine neue Heimat in der AfD fand. Zwei Jahre blieb Adam Bundessprecher, doch bereits im Dezember 2015 begann er, sich von der Partei zu distanzieren. 2020 kündigte er seinen Austritt aus der AfD an, der am 1. Januar 2021 in Kraft trat. © imago
Konrad Adam, Bernd Lucke und Alexander Gauland auf dem ersten Parteitag der AfD in Berlin.
Das bekannteste Gesicht der AfD-Gründungsphase gehört dem Mann mit erhobenen Armen: Bernd Lucke. Geboren 1962 in West-Berlin und aufgewachsen in Nordrhein-Westfalen, studierte Lucke Volkswirtschaftslehre und wurde später in Hamburg Professor. Mit 14 Jahren trat Lucke in die CDU ein und verließ die Union 33 Jahre später, weil er mit der Eurorettungspolitik nicht einverstanden war. Der Euro und die EU wurden zu den zentralen Kritikpunkten, die Lucke in den folgenden Jahren bezogen auf die Bundespolitik äußerte. Ergebnis dieser Kritik war zunächst die eurokritische Wahlalternative 2013, aus der am 14. April 2013 die AfD hervorging. © imago
rof. Dr. Bernd Lucke im Wahlkampf für die AfD
Bereits im September 2013 engagierte sich Prof. Dr. Bernd Lucke im Wahlkampf für die AfD, wie hier auf einer Veranstaltung in Magdeburg. © IMAGO/Zoonar.com/Axel Kammerer
Bernd Lucke als Vorsitzender der AfD auf einem Parteitag
Auch Bernd Luckes Zeit in der AfD war nur eine kurze. 2014 ging er noch als Spitzenkandidat der „Alternative für Deutschland“ in den Wahlkampf für die anstehende Europawahl. Bis 2019 war Lucke im Anschluss Mitglied im Europäischen Parlament. Doch bereits 2015 deutete sich an, dass Lucke im internen Machtkampf in der AfD den Kürzeren ziehen könnte. Führende Köpfe der AfD wie Björn Höcke gerieten in Konflikt mit dem Vorsitzenden. Lucke ging und trat 2015 aus der AfD aus. Er gründete die nächste Partei: die Allianz für Fortschritt und Aufbruch (ALFA). © imago
Olaf Henkel GER Berlin 20150112 Alternative für Deutschland Prof Hans Olaf Henkel Veranstaltun
Anfang 2014 wurde die AfD-Mitgliedschaft von Professor Hans-Olaf Henkel bekannt. Einen Namen machte sich Henkel als erfolgreicher Manager bei IBM. Später wechselte er auf die Verbandsebene und wurde Präsident des BDI (Bundesverband der Deutschen Industrie). 2014 zog er für die AfD ins Europaparlament ein. Für ein Jahr war Henkel sogar stellvertretender Bundessprecher der „Alternative für Deutschland“. 2015 trat Hans-Olaf Henkel wieder aus der AfD aus. © imago
Hans-Olaf Henkel, hier mit Ehefrau Bettina und ihrer Zwillingsschwester Almut
Seinen Bruch mit der AfD begründete Hans-Olaf Henkel, hier mit Ehefrau Bettina und ihrer Zwillingsschwester Almut beim Bundespresseball 2019, mit dem Rechtsruck der Partei. Gegenüber dem WDR bezeichnete Henkel die AfD im Jahr 2015 als „eine Art NPD-light, vielleicht sogar identisch mit der NPD“. Sein Engagement bei der AfD sieht Henkel mittlerweile offenbar kritisch: „Wir haben ein Monster erschaffen.“ © VISTAPRESS / G. Chlebarov via www.imago-images.de
Deutschland Essen Grugahalle 4 Ausserordentlicher AfD Parteitag Bernd Lucke nach der Wahl von F
Auf Bernd Lucke folgte an der Parteispitze der AfD Frauke Petry. Die studierte Chemikerin wurde 1975 in Dresden geboren. 2013 war sie bereits neben Lucke eine der drei Parteisprecherinnen der AfD. Außerdem wurde sie im selben Jahr zur Vorsitzenden der AfD Sachsen gewählt.  © imago
Frauke Petry AfD
Im Juli 2015 schließlich kam es zum internen Machtkampf in der AfD, den Petry für sich entscheiden konnte. Doch schon zwei Jahre später war auch für sie wieder Schluss. Ende September 2017 trat sie aus der AfD aus und gründete wie Lucke ihre eigene kleine Partei: Petry nannte sie „Die blaue Partei“. © Michael Kappeler/dpa
Prof. Dr. Jörg Meuthen (M.), Bundessprecher der AfD, Deutschland, Berlin, Bundespressekonferenz, Thema: AfD - Zu den Bu
Ein ähnliches Schicksal wie Petry und Lucke ereilte auch Jörg Meuthen (Mitte). Der 1961 in Essen geborene studierte Volkswirt wurde 2015 zu einem der zwei Bundessprecher der AfD gewählt. 2019 gelang ihm der Sieg bei der Wahl zum ersten Bundesvorsitzenden der AfD. Doch schon 2021 erklärte Meuthen, nicht erneut für den Vorsitz kandidieren zu wollen. 2022 folgte dann der endgültige Austritt aus der Partei. Der ließ sich auf seine Niederlage im Machtkampf mit Björn Höcke und den rechtsextremen Kräften innerhalb der AfD zurückführen. © M. Popow/Imago
Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (PEGIDA)
Auftrieb erhielt die AfD auch durch ihre Nähe zur Pegida-Bewegung. Die „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Pegida) demonstrierten ab 2014 in Dresden und später in weiteren Städten. Immer wieder schlossen sich AfD-Leute den Demonstrationen an, darunter 2018 in Chemnitz auch Björn Höcke. © Ralf Hirschberger/dpa
Beatrix von Storch, geborene Herzogin von Oldenburg
Auch Adel findet sich unter den Führungspersönlichkeiten der AfD: Beatrix von Storch, geborene Herzogin von Oldenburg, war einst bei der FDP und gehörte 2013 zu den Gründungsmitgliedern der AfD. Sie war von Dezember 2019 bis Juni 2022 stellvertretende Bundessprecherin ihrer Partei. Seit Oktober 2017 ist sie eine der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der Bundestagsfraktion. © Moritz Frankenberg/dpa
Doris Fürstin von Sayn-Wittgenstein im Sitzungssaal des schleswig-holsteinischen Landesverfassungsgerichts.
Auch Doris Fürstin von Sayn-Wittgenstein wurde aus der AfD ausgeschlossen. Sayn-Wittgenstein soll für einen rechtsextremistischen Verein geworben haben, der auf der sogenannten Unvereinbarkeitsliste der AfD stand. Doch die 1954 geborene Rechtsanwältin wehrte sich erfolgreich gegen den Parteiausschluss, den ein Bundesschiedsgericht 2019 beschlossen hat. Im April 2021 urteilte das Landgericht Berlin, dass der Ausschluss aufgrund formaler Fehler unwirksam sei. Damit war sie wieder Parteimitglied. Im Februar 2024 zog der AfD-Bundesvorstand seine Berufung beim Berliner Kammergericht zurück, wodurch das Urteil rechtskräftig geworden ist.  © Marcus Brandt/dpa
Alexander Gauland, heute AfD-Mitglied, früher Herausgeber der Märkischen Allgemeinen Zeitung
Ein Urgestein der AfD, das all die personellen Wechsel überstanden hat und immer noch da ist: Alexander Gauland. Geboren 1941 in Chemnitz, war Gauland vor seiner aktiven politischen Karriere Herausgeber der Märkischen Allgemeinen Zeitung (MAZ). CDU-Mitglied wurde der gelernte Jurist bereits 1973, ab 1987 übernahm er verschiedene politische Ämter, vor allem für die Union in Hessen. CDU-Mitglied blieb Gauland bis 2013, ehe er die AfD mitgründete. Im Jahr 2017 wurde Gauland Bundessprecher der AfD (bis 2019). Von 2017 bis 2021 war er neben Alice Weidel einer von zwei Fraktionsvorsitzenden der Bundestagsfraktion. 2021 gab er dieses Amt wieder ab, blieb der Partei aber als Ehrenvorsitzender erhalten. © imago
AfD-Chefin Alice Weidel
Alice Weidels Aufstieg in der AfD begann mit ihrem Parteieintritt im Jahr 2013. Zwei Jahre später wurde sie bereits in den Bundesvorstand gewählt. 2017 ernannte sie die Partei zur Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl. Im selben Jahr wurde Weidel neben Alexander Gauland Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion, die sie vier Jahre lang führte. © Sebastian Kahnert/dpa
Alice Weidel wohnt mit ihrer Partnerin Sarah Bossard
Alice Weidel wohnt mit ihrer Partnerin Sarah Bossard in einer eingetragenen Partnerschaft zusammen. Das Paar hat zwei Söhne. (Archivbild) © Michael Buholzer/dpa
Tino Chrupalla bei der AfD
Neben Alice Weidel machte in den vergangenen Jahren vor allem Tino Chrupalla bei der AfD von sich reden. Einst Mitglied der Jungen Union und nach eigenen Angaben langjähriger CDU-Wähler, trat Chrupalla 2015 in die AfD ein. 2017 zog er für die Rechtspopulisten in den Bundestag ein. Im selben Jahr wurde er zu einem von fünf stellvertretenden Vorsitzenden der AfD-Bundestagsfraktion gewählt. © imago
Tino Chrupalla neben Jörg Meuthen
Im Jahr 2019 wurde Tino Chrupalla neben Jörg Meuthen zum Bundesvorsitzenden der AfD.  © Julian Stratenschulte
Alice Weidel und Tino Chrupalla
In den Wahlkampf für die Bundestagswahl 2021 zog die AfD mit einer Doppelspitze, bestehend aus Alice Weidel und Tino Chrupalla. Beide stehen seitdem als Bundessprecherin und Bundessprecher an der Spitze der Partei.  © Kay Nietfeld/dpa
Björn Höcke war zwar nie Vorsitzender der AfD,
Björn Höcke war zwar nie Vorsitzender der AfD, gilt aber dennoch als einer der einflussreichsten Personen innerhalb der rechtspopulistischen Partei. Wie Chrupalla gibt auch er an, einst überzeugter Anhänger der CDU und Mitglied der Jungen Union gewesen zu sein. 2013 trat er der AfD bei. © Christoph Soeder/dpa
Björn Höcke den AfD-Landesverband
Ebenfalls 2013 gründete Björn Höcke den AfD-Landesverband in Thüringen. Kurze Zeit später kam es zum Streit mit dem damaligen Bundesvorstand der AfD, der 2017 sogar den Parteiausschluss Höckes beantragte. Den Machtkampf mit der alten Garde der AfD gewann aber Höcke. Er ist weiterhin Parteimitglied, während Widersacher wie Bernd Lucke, Frauke Petry oder Jörg Meuthen die Partei verlassen haben. © Sebastian Kahnert/dpa
André Poggenburg in Leipzig
Anders erging es da einem einstigen Verbündeten von Björn Höcke: André Poggenburg. Gemeinsam mit Höcke hatte der ehemalige Vorsitzende der AfD Sachsen-Anhalt 2015 ein Positionspapier des „AfD-Flügels“ verfasst und damit wie Höcke den Ärger der Parteiführung auf sich gezogen. 2019 plante der AfD-Bundesvorstand, Poggenburg für zwei Jahre von allen Parteiämtern auszuschließen. Dazu kam es nicht, denn Poggenburg trat kurz darauf aus der AfD aus und gründete in alter Tradition ehemaliger AfD-Politiker eine eigene Partei unter dem Namen „Aufbruch deutscher Patrioten – Mitteldeutschland“. Inzwischen ist er parteilos. © Sebastian Willnow/dpa
AfD-Parteitag Riesa - Proteste
Mit dem Aufstieg der AfD zur bundesweiten Größe und dem Einzug in zahlreiche Landesparlamente sowie den Deutschen Bundestag mehrte sich auch der Protest gegen die Rechtspopulisten. Der AfD-Bundesparteitag in Riesa im Januar 2025 wurde von zahlreichen Demonstrationen begleitet. © Daniel Wagner/dpa
AfD-Bundesparteitag in Riesa mit Alice Weidel
Die Proteste hielten die Delegierten auf dem AfD-Bundesparteitag aber nicht davon ab, Alice Weidel zur Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl 2025 zu ernennen. Die AfD stellt damit erstmals in ihrer Geschichte eine eigene Kanzlerkandidatin. © Sebastian Kahnert/dpa

Der Haushalt der Bundesregierung bedeute eine „Rückkehr zu Stabilität und Handlungsfähigkeit“, erklärt Spahn. Es brauche Zeit, bis die Bürger wieder Vertrauen fassen. Besonders bei der Migrationssteuerung gebe es einen großen Vertrauensverlust.

Als Spahn zur Corona-Politik spricht, wegen der er als Ex-Gesundheitsminister aktuell sehr in der Kritik steht, ruft Alice Weidel wiederholt dazwischen. Bundestagspräsidentin Klöckner ermahnt sie: Weidel solle still sein, „sonst können Sie den Saal verlassen“.

Update, 11 Uhr: Heidi Reichinnek (Linke) spricht am Rednerpult in Rekordgeschwindigkeit und lässt eine Tirade Kritik auf die Merz-Regierung herabregnen. „Jeder Cent, der in die Rüstung fließt, fehlt an anderen Stellen“, sagte sie. „Whatever it takes, die Rechnung zahlen die anderen – das ist ein Skandal.“

Alles, was AfD-Chefin Weidel zuvor erzählt habe, sei „pure Heuchelei“, sagt Reichinnek, denn die AfD wolle keine Politik für die Armen, sondern die Reichen im Land. „Frau Weidel, wie lebt es sich den so mit ihrer doppelten Diät in der Schweiz?“, fragt Reichinnek in dem Zuge süffisant. „Es ist einfach nur billig.“

Aber auch Union und SPD würden die ärmeren Menschen in Deutschland in Stich lassen. „Es kotzt mich langsam an, Ihre Ausreden dafür zu hören!” Zur SPD gerichtet sagt sie:. „Ich kann nicht mal mehr wütend auf Euch sein, Ihr tut mir nur noch leid.“ Die SPD werde in der Koalition mit der Union „untergehen“.

Generaldebatte jetzt: Merz und Miersch kanzeln Weidel-AfD ab – „eiseskalt und hasserfüllt“

Update, 10.43 Uhr: SPD-Fraktionsvorsitzender Matthias Miersch greift Weidel scharf an: „Wie kann man so eiseskalt, so hasserfüllt als Mensch eine Rede halten, wie Sie sie eben gehalten haben?“ Weidels Äußerung zur „Transformation des Staatsvolks“ erinnere ihn an alte Zeiten, „wo es um Rassenlehre ging“, erklärt Miersch unter lautem Protest der AfD-Fraktion. „Ihre Rede heute war ein Beispiel davon, dass Sie verfassungsfeindlich agieren, und deshalb muss es auch ein Parteiverbotsverfahren geben!“, fordert der SPD-Politiker.

Dröges Kritik an der Klimapolitik der Regierung weist er zurück: „Sie sollten schon gucken, ob es nicht auch die Grünen waren, die bestimmte Dinge nie geregelt haben.“ Die Grünen seien zu einseitig gewesen, auch deshalb sei das Thema Klimaschutz in der Bevölkerung nicht mehr ganz oben angesiedelt.

Matthias Miersch, SPD-Fraktionsvorsitzender, spricht in der Generaldebatte zum Haushalt im Plenum des Bundestags.

Generaldebatte jetzt: Dröge attackiert Merz-Regierung – „unfassbarer Rückschritt“

Update, 10.35 Uhr: Grünen-Fraktionsvorsitzende Katharina Dröge war nach Merz am Rednerpult. Was Merz in Sachen Klimaschutz mache, sei ein „unfassbarer Rückschritt“, attackierte sie den Kanzler. „Wenn Sie so weitermachen, dann können Sie auch gleich hier stehen und sagen, wir wollen den Planeten brennen sehen.“

Zur Zirkuszelt-Aussage von Merz erklärte Dröge emotional, der Bundestag sei zwar kein Zirkuszelt, aber Merz „auch nicht der oberste Pausenclown”, der in Talkshows die Gefühle queerer Menschen verletze.

Generaldebatte jetzt: Merz kontert Weidels Vorwürfen

Update 10.10 Uhr: Friedrich Merz hat seine Rede zur Generaldebatte beendet. Sie enthielt eine Aufzählung der ersten Regierungserfolge und viele direkte Angriffe auf die AfD. Der Kanzler zeigte sich sicher, mit Klingbeils SPD die „Wende in der Wirtschaftspolitik eingeleitet“ zu haben. Eine Bürgergeld-Reform stehe bevor, die Arbeiten laufen „auf Hochtouren“.

Weidel hatte das Bürgergeld zuvor in ihrer Rede als „mächtigsten Magnet“ für Migration nach Deutschland kritisiert. Merz entgegnete, die Debatte müsse „nicht mit Schaum vor dem Mund und nicht mit Ausländerdiskriminierung“ geführt werden. Die AfD wolle „in Wahrheit eine andere Gesellschaft“, er dagegen ein „offenes, liberales, freiheitliches Land“. Trotz und gerade wegen der zahlreichen AfD-Zwischenrufe während seiner Rede im Bundestag wolle er weiter daran arbeiten.

Update von 10 Uhr: Merz verteidigt im Bundestag den Verzicht auf eine allgemeine Stromsteuersenkung. Durch Senkung der Netzentgelte und Streichung der Gasumlage erreiche die Koalition 150 von möglichen 200 Euro Entlastung pro Familie jährlich. „Das sind drei Viertel von dem wir uns vorgenommen haben, und das gilt ab 2026“, betont der Kanzler. Die Maßnahmen bedeuteten insgesamt eine Entlastung von 10 Milliarden Euro für Familien und Unternehmen.

Zur Migrationspolitik erklärte Merz, die ersten Weichen für „eine nachhaltige Reduzierung der illegalen Migration“ seien gestellt. An die AfD und Alice Weidel gerichtet sagte er: „Sie werden jetzt langsam Ihr politisches Kampfthema los, dem Sie Ihre Existenz verdanken. Wir werden dieses Problem lösen und Ihnen nicht die Freude machen, es zu erhalten, denn Sie leben davon, dass Sie ständig damit in Deutschland Stimmung machen können!“

Generaldebatte im Bundestag live: Merz wirft Weidel „Herabwürdigung der Regierungsarbeit“ vor

Update von 9.39 Uhr: Nun spricht Kanzler Merz bei der Generaldebatte im Bundestag und geht direkt auf Weidels Rede ein, die „üble Nachrede“ und „persönliche Herabsetzungen“ enthalten habe, die sich auch in einer Demokratie niemand gefallen lassen müsse. „Frau Weidel, ich weise Ihre pauschale und undifferenzierte Herabwürdigung der Bundesregierung mit aller Entschiedenheit zurück.“ Im Bundestag gibt es dafür Applaus.

Als Merz fortfährt, die Arbeit der Koalition stehe immer noch im Zeichen des Kriegs in der Ukraine, ertönt ironisch-mitleidiges Raunen aus den Reihen der AfD-Fraktion. Merz schimpft ungläubig: „Das ist eine interessante Reaktion von Ihnen!“ Heute Nacht habe es in der Ukraine die schwersten Angriffe seit dreieinhalb Jahren gegeben. „Frau Weidel, von Ihnen gab es kein Wort dazu, das sagt etwas aus!“ Auch kein Wort habe es von der AfD zu internationalen Partnern gegeben, es sei eine „rein nationalistische Rede“ gewesen.

Update von 9.10 Uhr: Die AfD-Vorsitzende Alice Weidel eröffnet als Oppositionsführerin die Generaldebatte im Bundestag. Als stärkste Oppositionspartei hat die AfD das Rederecht vor Kanzler Friedrich Merz. Weidel kritisiert die Migrationspolitik der Bundesregierung und bezeichnete deren Grenzmaßnahmen als „mangelhaft“. Merz und Klingbeil verfolgten den Auftritt mit wechselnden Mienen – teils versteinert, teils belustigt – und tauschten sich währenddessen immer wieder flüsternd aus. „Das ist keine Migrationswende, das ist Volksverdummung“, schießt sie scharf gegen die schwarz-rote Koalition.

Merz sei „schon jetzt der Lügenkanzler“, wettert Weidel weiter, „dessen gebrochene Wahlversprechen ganze Kataloge füllen“. Allen voran stehe das Aufweichen der Schuldenbremse.

Nach Weidels Redebeitrag meldete sich Bundestagspräsidentin Julia Klöckner zu Wort und sprach maßregelnde Worte in Richtung der AfD-Fraktion. „Ein Hinweis: Wir würdigen uns hier nicht persönlich herab und bezichtigen uns nicht der Lüge, unabhängig davon, ob man Mitglied der Opposition oder Regierungsfraktion ist“, ermahnte Klöckner.

AfD-Vorsitzende Alice Weidel am Mittwoch bei der Generaldebatte im Bundestag, Friedrich Merz und Lars Klingbeil sitzen dahinter.

Generaldebatte heute: Merz erwartet verbaler Gegenwind, nicht nur beim Haushalt

Berlin – Bundeskanzler Friedrich Merz tritt an diesem Mittwoch (9. Juli) erstmals in einer Generaldebatte des Bundestags auf. Die Beratungen über den Etat des Kanzleramts gelten als Höhepunkt der Haushaltsberatungen. Für die schwarz-rote Koalition sind es bereits neun Wochen im Amt.

Weidel eröffnet Debatte um Haushalt

AfD-Fraktionschefin Alice Weidel eröffnet ab 9.00 Uhr die Debatte als Führerin der größten Oppositionsfraktion. Anschließend spricht CDU-Vorsitzender Merz. Die Debatte dauert vier Stunden. Merz steht den Abgeordneten danach in einer Regierungsbefragung zur Verfügung (13.00 Uhr, 70 Minuten). Das Parlament debattiert anschließend über die Etats für Auswärtiges Amt, Verteidigung und Entwicklungshilfe.

Premiere für „Außenkanzler“ in Generaldebatte heute

Der seit 65 Tagen amtierende Kanzler will eine erste Zwischenbilanz der Regierungsarbeit ziehen. Die Regierungskoalition aus Union und SPD brachte in den ersten zwei Monaten Maßnahmen zur Investitionsförderung und zur Begrenzung irregulärer Migration auf den Weg. Insbesondere gegen die Migrationspolitik der Merz-Regierung gibt es Kritik. Bemängelt wird die Verschärfung der Asylverfahren und strengere Abschieberegelungen, die laut Menschenrechtsverbänden zu einer Verschlechterung der Situation für Geflüchtete führen.

Außenpolitisch prägten der Ukraine-Krieg, der Krieg in Israel und Gaza sowie der Konflikt zwischen Israel und Iran den Start von Merz‘ Kanzlerschaft. Beim Nato-Gipfel verpflichtete sich Deutschland, künftig fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung auszugeben.

Die Regierung hatte am Dienstag ihren ersten Haushaltsentwurf ins Parlament eingebracht. Er sieht für 2025 und die Folgejahre massive Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung vor, aber auch eine Rekordverschuldung. (Redaktion mit Nachrichtenagenturen)

Rubriklistenbild: © Florian Gaertner/imago

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