VonFelix Busjaegerschließen
Gasförderung in der Nordsee? Nicht mit Jürgen Trittin. Das Grünen-Urgestein fordert ein Umdenken in Niedersachsen und eine Abkehr von der fossilen Energie.
Berlin – „Die Lage ist ernst, und der Winter wird kommen“ – Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) kommt derzeit keine einfache Rolle zu: Nachdem die russischen Gaslieferungen vor einigen Tagen runtergefahren worden waren, blieb dem Grünen-Politiker keine andere Wahl, um Deutschlands Versorgungssicherheit weiter zu garantieren. Er reaktivierte die Kohle und rief am Donnerstag, dem 23. Juni, die zweite Stufe des Notfallplans Gas aus. Gas sei, nach Worten von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck, „von nun an ein knappes Gut in Deutschland“. Niedersachsens Parteien verfolgen seit Ausbruch des Ukraine-Kriegs Pläne für eine Gasförderung in der Nordsee – ganz zum Ärger von Jürgen Trittin.
Energiekrise in Deutschland: Jürgen Trittin spricht sich gegen Gasförderung vor Borkum aus
Das Grünen-Urgestein hat nun gegen Niedersachsens Förderpläne inmitten der Energiekrise in Deutschland mobil gemacht. Kern seiner Kritik: die geplante Gasförderung vor der Nordseeinsel Borkum. Die Niederlande und Deutschland tragen derzeit die notwendigen Genehmigungen für ein entsprechendes Vorhaben zusammen. Laut einer Mitteilung der niederländischen Regierung soll ab 2024 Gas über eine geplante Bohrinsel gefördert werden.
„Ich halte das Projekt weder für zielführend noch für relevant“, kommentierte Trittin die Pläne gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Die 60 Milliarden Kubikmeter des Reviers würden in Deutschland laut des Grünen-Bundestagsabgeordneten nicht einen Jahresbedarf abdecken. „Für den Ersatz von russischem Gas spielt das keine große Rolle“, sagte der Politiker. Derweil fragen sich viele Verbraucher, welche Auswirkungen die Stufe 2 des Notfallplans Gas bringt.
Niedersachsens Regierung denkt über Gasförderung in der Nordsee nach – mögliches Wahlkampfthema bei Niedersachsenwahl 2022
Die niedersächsische Landesregierung hatte sich bis vergangenen Jahres strikt gegen Förderpläne verschlossen. Putins Angriffskrieg und die Bedrohung der deutschen Versorgungssicherheit hat dies nun offenbar verändert. SPD und CDU treiben seit einigen Monaten das Projekt jetzt voran. Mit Blick auf die nahende Niedersachsenwahl 2022 konnte die Gasförderung auch zum Wahlkampfthema werden. Das Bundesland hatte unter Eindruck der Energiekrise durch den Ukraine-Krieg erst kürzlich einen Beschluss gegen die Produktion rückgängig gemacht.
Nach Einschätzung von Trittin sind die Risiken einer Gasförderung in der Nordsee viel größer, als der eigentliche Nutzen. Wichtiger sei es, den Gasverbrauch zu senken. „Deswegen geht es zum Beispiel bei einem Verbot von Verbrenner-Autos und Öl- und Gasheizungen nicht nur um Klimaschutz, sondern auch um globale Gerechtigkeit. Wir dürfen dem Rest der Welt nicht die Energie wegkaufen“, sagte er. Trotz Überlegungen zu LNG-Terminals in Niedersachsen und Schleswig-Holstein forderte er, weiter den Fokus auf den Ausstieg aus der fossilen Energie zu legen. „Wenn wir kein Geld mehr an Putin überweisen wollen, aber noch eine Zeitlang auf Kohle, Öl und Gas angewiesen sind, müssen wir das woanders her importieren. Dieser Unbequemlichkeit müssen wir uns stellen.“
