Die Grüne-Jugend-Chefin Jette Nietzard will sich für ihren „ACAB“-Pulli nicht entschuldigen. Sie hält an ihrer „systemischen“ Polizei-Kritik fest.
Berlin – Sie steht in ihrer eigenen Partei in der Kritik: die Chefin der Grünen Jugend, Jette Nietzard. Zuletzt hatte das baden-württembergische grüne Urgestein und Ministerpräsident Winfried Kretschmann der Nachwuchspolitikerin einen Bezug zur grünen Partei – „Ich verstehe überhaupt nicht, was die bei uns will“ – abgesprochen. Und Landesparteikollege und sein potenzieller Nachfolger Cem Özdemir hatte von einer Polizei gesprochen, die „in höchstem persönlichen Einsatz jeden Tag die Werte, die uns als Partei ausmachen“, verteidige.
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Was ist der Grund für die Empörung? Nietzard hatte am 23. Mai bei Instagram ein Bild von sich gepostet, auf dem sie einen türkisfarbenen Pullover mit dem Kürzel „ACAB“ trägt; die Buchstabenfolge steht für „all cops are bastards“. Auf ihrer schwarzen Kappe ist eine Raupe mit einem „Eat the Rich“-Schriftzug zu sehen. Insbesondere mit dem Pulli hatte sie den flächendeckenden Unmut auch aus der eigenen Partei und der Grünen-Bundestagsfraktion auf sich gezogen.
Grünen-Jugend-Chefin Jette Nietzard will sich nicht entschuldigen für „ACAB“-Pulli
Doch Nietzard will sich für ihren Post nicht entschuldigen. „Nein, mich zu entschuldigen, fände ich übertrieben“, sagte sie dem Magazin Stern in einem am Samstag (31. Mai) veröffentlichten Interview. Der „Sturm der Entrüstung“, der auf ihren Instagram-Beitrag folgte, habe sie aber „wirklich überrascht. Das war naiv“, räumte die Politikerin ein. Jedoch lehnte sie auch einen Rücktritt gegenüber dem Blatt ab.
Nietzard verteidigt „systemische“ Kritik an der Polizei
„Ich bin bis Oktober gewählt und habe bis dahin einen Jugendverband zu führen. Das werde ich auch tun“, erklärte die 26-Jährige weiter und fügte hinzu: „Und ich werde bestimmt noch mal auffallen im nächsten halben Jahr.“ Denn sie „habe noch ein paar andere Pullis im Schrank. Sie dürfen also gespannt sein, über welche Botschaften wir noch diskutieren“, ergänzte Nietzard.
Zu ihrer „systemischen Kritik“ an der Polizei stehe sie. Die Grüne-Jugend-Chefin räumte aber ein, dass „nicht jeder einzelne Polizist (...) ein Schwein“ sei, aber: „Viele Menschen, die nicht weiß sind, haben Angst, wenn ein Polizeiwagen vorbeifährt; und nicht mal jede zehnte Frau, die sexuelle Gewalt erfährt, erstattet Anzeige, weil sie Angst hat, dass ihr nicht geglaubt wird. Diese Menschen haben Angst vor einem Staat, der sie schützen soll. Das können wir nicht hinnehmen.“ (mit afp)