Nach Militärputsch

Kommt eine Militäroffensive gegen Niger? Bange Stunden in Westafrika

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Die Junta im Niger zieht Einsatz russischer „Wagner“-Söldner in Betracht. Derweil ist das Ultimatum der Ecowas-Staaten abgelaufen.

Frankfurt – Das der nigrischen Junta vom westafrikanischen Staatenbund Ecowas gestellte Ultimatum, den festgehaltenen Präsidenten Mohamed Bazoum bis spätestens Sonntagabend wieder in sein Amt einzusetzen, ist ohne Reaktion der Putschisten verstrichen. Zumindest bislang kam es allerdings auch nicht zu einer von Ecowas angedrohten militärischen Intervention.

„Frankreich hau ab aus Afrika“: Fachleute halten es für wahrscheinlich, dass das Hochhalten russischer Fahnen bei Demonstrationen im Niger von der anti-französischen Bewegung „M62“ bezahlt wird. AFP

„Alle Elemente eines eventuellen Eingriffs“ seien jedoch bei einem dreitägigen Treffen der Generalstaatschefs der Ecowas-Staaten in der nigerianischen Hauptstadt Abuja festgelegt worden, sagte der Sicherheits-Kommissar des Staatenbunds, Abdel-Fatau Musah, am Wochenende: „einschließlich der Details, des Zeitrahmens und der nötigen Ressourcen einer Intervention“. Die Entscheidung über den Beginn des Eingriffs sei den Präsidenten überlassen. Neben Nigeria sollen sich auch die Elfenbeinküste, der Senegal und Togo zur Entsendung von Truppen bereit erklärt haben.

Militäreingriff gegen Niger möglich: ECOWAS-Ultimatum abgelaufen

Als Reaktion auf das Ultimatum brach die nigrische Junta die diplomatischen Beziehungen außer mit Frankreich und den USA auch mit Togo und Nigeria ab. Die regionale Supermacht gilt als Fürsprecher einer Intervention. Bereits am Donnerstag war eine Ecowas-Delegation unter dem nigerianischen Ex-Präsidenten Abdulsalami Abubakar nach nur kurzem Aufenthalt in Niamey ergebnislos abgereist: Sie wurde nicht einmal vom Junta-Chef Abdourahmane Tchiani empfangen. Für den Fall einer Intervention hatten die Militärherrscher in Mali und Burkina Faso der nigrischen Junta ihre Unterstützung zugesagt. Dabei handele es sich jedoch um eine „leere Drohung“, sagte Ecowas-Kommissar Musah: Die Nachbarstaaten könnten ihre Truppen nicht einmal in den Niger verlegen, weil sie dazu von Islamisten kontrollierte Gebiete durchqueren müssten.

Inzwischen wurde außerdem bekannt, dass der ehemalige nigrische Generalstabschef und Junta-Mitglied Salifou Mody während eines Besuchs in Mali in der vergangenen Woche auch mit einem führenden Vertreter der russischen Söldner-Truppe „Wagner“ zusammengetroffen sein soll. Ein entsprechender Bericht des TV-Senders France 24 sei von einem französischen Diplomaten und mehreren malischen Quellen bestätigt worden, meldet die Nachrichtenagentur AP. Bei dem Gespräch soll es um einen Einsatz der Söldner im Niger gegangen sein, heißt es weiter: Die von Jewgeni Prigoschin geführte Truppe wolle die Bitte der nigrischen Junta „wohlwollend prüfen“. In Mali sind rund 1500 russische Söldner stationiert: Ihr Einsatz hatte zum Abzug der französischen Truppen in dem von extremistischen Islamisten destabilisierten Staat geführt.

Putschisten in Niger fordern offenbar Hilfe von Wagner

Sollte die Junta ihre Macht im Niger festigen, verliert der Westen seine letzte Bastion in der Sahelzone. Womöglich müssen zwei US-Stützpunkte geschlossen und 1100 US- und 1500 französischen Soldat:innen abziehen. Auch rund 120 Bundeswehrsoldat:innen, die vom Flughafen in Niamey aus den Abzug der deutschen UN-Truppe aus Mali organisieren, werden dann womöglich einen anderen Standort suchen müssen. Die USA, Frankreich und die EU haben bereits Teile ihrer Zuwendungen für den Niger storniert: Nur die Hilfe für rund vier Millionen Notleidende soll aufrechterhalten werden. Zum ersten Mal seit den 80er Jahren zieht sich ein ganzes Band an Militärdiktaturen vom Atlantik bis zum Indischen Ozean. Da die meisten von ihnen die Nähe zur russischen Regierung suchen, bilden sich im Zentrum Afrikas auch wieder Verhältnisse wie während des Kalten Krieges heraus.

Die elf Präsidenten der durch Wahlen an die Macht gekommenen Ecowas-Mitglieder müssen befürchten, dass die seit drei Jahren währende Serie der Coups weitere Kreise zieht – deshalb die harsche Drohung mit einer Militärintervention. Sie ist nicht unumstritten: Sowohl die algerische Regierung wie der nigerianische Senat haben Ecowas aufgefordert, eine nichtmilitärische Lösung der Krise zu finden. Allerdings haben auch Wirtschaftssanktionen verheerende Folgen für die Bevölkerung. Wegen der Schließung der Grenze und dem Stopp der Stromlieferungen aus Nigeria kommt es im Niger jetzt schon zu schwindelerregenden Preissteigerungen und Nahrungsmittelengpässen.

Rubriklistenbild: © afp

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