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Die Wagner-Gruppe, auch „Russlands Söldner“ genannt, war einst geheim. Im Ukraine-Krieg kämpfte sie offen auf der Seite von Russlands Armee.
Frankfurt – Die Wagner-Gruppe ist eine paramilitärische Organisation aus Russland, die bekannt ist für ihre Brutalität und Skrupellosigkeit: Schon oft sorgten die Söldner mit Videos von grausamen Hinrichtungen oder Folterungen für Schlagzeilen. Die Wagner-Gruppe war als Wladimir Putins verlängerter Arm im Ukraine-Krieg aktiv, belegt sind außerdem Einsätze in Madagaskar, Mosambik, Sudan, der Zentralafrikanischen Republik, Syrien und in Libyen.
| Name | Gruppe Wagner |
|---|---|
| Gründung | 2014 |
| Wichtige Kommandeure | Dmitri Utkin, Jewgeni Prigoschin |
Rekrutiert werden die Söldner spätestens seit 2022 unter anderem in Lagern für Strafgefangene, mit Versprechen auf Straferlass. Zuvor hatten sich überwiegend ehemalige Soldaten der Söldner-Truppe angeschlossen. Obwohl Söldnertum per Gesetz in Russland verboten ist und Moskau lange Zeit jegliche Verbindung abstritt, gibt es Berührungspunkte mit der russischen Regierung.
Wagner-Gruppe: Gewalt und Brutalität sollen abschrecken
Ein Mann, der blutüberströmt am Boden liegt – um ihn herum stehen vermeintliche Soldaten in grüner Militäruniform, einer schlägt mit einem Hammer auf den Verletzten ein. Es ist eine grausame Szene, aus einem 2017 veröffentlichten Handyvideo der Wagner-Gruppe, das zeigt, wie Söldner einen Deserteur der syrischen Armee foltern, hinrichten und anschließend verbrennen.
Seitdem ist der Vorschlaghammer ein Symbol, das für die Gewaltbereitschaft der Wagner-Söldner steht. Das Verbrechen war nicht das einzige, dass die Gruppe veröffentlichte. Sowohl gegen eigene Leute als auch gegnerische Truppen und die Zivilbevölkerung: Die Gewalt der Söldner soll einschüchtern und abschrecken.
Wichtige Drahtzieher der Söldner-Truppe: Dmitri Utkin und Jewgeni Prigoschin
Als Drahtzieher und Gründer der Wagner-Gruppe gelten Dmitri Utkin und Jewgeni Prigoschin, die beide bei einem Flugzeugabsturz am 23. August 2023 ums Lebens kamen. Der Name der Söldner-Truppe soll auf Utkins Vorliebe für den deutschen Komponisten Richard Wagner zurückgehen. Die politische Gesinnung des Neonazis ist auf seinen Körper tätowiert: Es sind SS-Runen. Der ehemalige Wagner-Kommandant war beim Geheimdienst, hat offenbar eine gute Verbindung zu Präsident Wladimir Putin und wurde 2016 als Held des russischen Vaterlandes geehrt.
Doch der wahre Kopf, Finanzier und Strippenzieher der Wagner-Gruppe ist Jewgeni Prigoschin. Im September 2022, während seine Söldner an der Seite Russlands im Ukraine-Krieg kämpfte, erklärte er öffentlich, Chef der berüchtigten Söldnergruppe Wagner zu sein. Prigoschin gründete die Gruppe 2014, seither war sie überall dort auf der Welt im Einsatz war, wo Putin keine regulären Truppen hinschicken wollte.
Wladimir Putin machte Wagner-Chef Prigoschin zum Millionär
Laut der Internet-Plattform Meduza wurde Prigoschin bereits 1979, im Alter von 18 Jahren, wegen Diebstahl zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, 1981 dann wegen Raub, Betrug und anderer Delikte zu 13 Jahren Haft. Er verbüßte neun Jahre seiner Strafe und kam 1990 frei.
Prigoschin ist auch als „Putins Koch“ bekannt: Sein Catering-Unternehmen versorgte in der Vergangenheit Schulen, Kindergärten, aber auch die russische Armee mit Essen. Jewgeni Prigoschin starb am 23. August 2023 beim Absturz seines Privatjets in Russland. Zuvor hatte er gegen Russlands Machtapparat einen Kurz-Aufstand gewagt und nach einem Streit mit der Militärführung seine Söldner gen Moskau marschieren lassen.
Wagner-Gruppe steht in Verbindung zu Russlands Regierung
„Die Gruppe Wagner bekommt ihre gesamte Ausrüstung von der Regierung“, sagte Marat Gabidulin, ein ehemaliges Mitglied der Gruppe Wagner, im Sommer 2023 gegenüber dem ZDF-Politmagazin „Frontal“. Rekruten seien Reservisten der Armee, zudem stelle das russische Verteidigungsministerium sowohl den Transport als auch die Logistik, um die Söldner-Truppe an ihre Einsatzorte zu bringen. „Es ist definitiv ein Zweig der Regierung, eine Einrichtung des Staates“, betont Gabidulin.
Und es ist nicht zu bestreiten: Wladimir Putin braucht die Söldner-Truppe. Wagner-Kämpfer werden der Militärexpertin Margarete Klein zufolge für militärische Aufgaben sowie Spezialaufträge in den Kampf geschickt. Wie Klein dem Schweizer Radio und Fernsehen gegenüber ausführte, kommen die Wagner-Söldner vor allem bei personalintensiven Aktionen, wie zum Beispiel den Angriff auf Soledar in der Ukraine, zum Einsatz.
Zudem gehe es darum, Zahlen zu verfälschen: Mitglieder der Wagner-Gruppe würden in den Statistiken zu Gefallenen nicht aufgeführt. Deswegen seien sie auch oft nichts anderes als „Kanonenfutter“.
- Wichtiges zur Wagner-Gruppe auf einen Blick
- Die Wagner-Gruppe ist eine paramilitärische Organisation
- Die Söldner-Einheit wurde über Jahre geheim gehalten und als privates Unternehmen getarnt
- Ausrüstung und Stärke entsprechen regulären Streitkräften
- Meist sind es Soldaten des russischen Militärs, spätestens seit Juni 2022 rekrutiert die Wagner-Gruppe auch russische Strafgefangene sowie ausländische Söldner
- Obwohl die Wagner-Gruppe keine Ideologie verfolgt, sind viele Rechtsextremisten oder Neonazis darunter
Rolle der Wagner-Gruppe im Ukraine-Krieg
Berichten der US-Regierung zufolge befanden sich im Dezember 2022 knapp 50.000 Angehörige der Wagner-Gruppe im Kampfeinsatz in der Ukraine. Überwiegend seien die Kämpfer aus russischen Gefängnissen für den Einsatz im Ukraine-Krieg rekrutiert worden. Die Wagner-Gruppe behauptete unter anderem, die ukrainische Stadt Soledar im Alleingang erobert zu haben. Belegen lässt sich das nicht.
Wagner-Aufstand in Russland – kurz darauf stirbt Prigoschin
Ende Juni 2023, inmitten des Ukraine-Kriegs, kam es zu einem rund 24 Stunden langen Aufstand der Wagner-Gruppe in Russland nach einem Streit zwischen der Wagner-Gruppe und der regulären Armeeführung Russlands. Jewgeni Prigoschin kündigte an, den russischen Verteidigungsminister Sergej Schoigu und Generalstabschef Waleri Gerassimow von ihren Posten zu räumen und befahl seinen Wagner-Kämpfern einen „Marsch der Gerechtigkeit“ nach Moskau. Am 24. Juni besetzten Wagner-Leute Militäreinrichtungen in der russischen Stadt Rostow am Don.
Einen Tag später brach Prigoschin auf Vermittlung des belarussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko den Aufstand ab. Putin sprach danach von „Hochverrat“, versprach den aufständischen Wagner-Einheiten aber dennoch Straffreiheit. Prigoschin kündigte zunächst an, nach Belarus ins Exil zu gehen, wurde aber offenbar kurz darauf dennoch wieder in Sankt Petersburg und Moskau gesichtet. Zwei Monate später kam Prigoschin bei einem Flugzeugabsturz ums Leben.
Wagner-Gruppe marschiert in Richtung Moskau: Bilder zum Putschversuch in Russland




Zukunft der Wagner-Gruppe nach Prigoschins Tod ungewiss
Was mit der Privatarmee, die laut Prigoschin zuletzt 25.000 Mann stark war, nach seinem Tod passiert, ist unklar. Einige Einheiten von Wagner verlagerten ihren Standort nach Prigoschins Tod offenbar nach Belarus. Ende September 2023 meldete die Ukraine, dass Wagner-Söldner wieder im Krieg in der Ostukraine für Russland kämpften.
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