Neuerliches Muskelspiel

Prahlerei oder Wirklichkeit? Nordkorea will Hyperschallrakete gestestet haben

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Schon wieder testet Nordkorea Raketen. Diesmal soll die selbsternannte Atommacht eine besonders schnelle Rakete abgefeuert haben. Nicht nur deren Geschwindigkeit beunruhigt.

Pjöngjang – Die Rakete hob ab, flog Hunderte Kilometer weit und stürzte dann ins Meer: Bereits zum dritten Mal in diesem Jahr hat Nordkorea am Dienstag (2. April) einen Raketentest durchgeführt. Anders als beim letzten Test mehrerer Kurzstreckenraketen vor zwei Wochen soll es sich diesmal um eine ballistische Hyperschallrakete mit einer größeren Reichweite gehandelt haben. Das berichten Staatsmedien der selbsternannten Atommacht am Mittwoch (3. April). „Ein neuer Teststart einer Hyperschallrakete mit mittlerer bis großer Reichweite mit militärstrategischem Wert wurde erfolgreich ausgeführt“, meldete die staatliche Nachrichtenagentur KCNA.

Mit dem neuerlichen Raketenstart wähnt sich das isolierte Land einen Schritt weiter in der Entwicklung von Raketen, die mit mehrfacher Schallgeschwindigkeit große Distanzen überqueren und atomare Sprengköpfe tragen können. So soll auch die jetzt getestete Rakete des „neuen Typs“ Hwasongpho-16B mit einem neu entwickelten hyperschnellen Gleiter als Gefechtskopf und potenziellem Atomsprengkopf ausgestattet gewesen sein. Als Antrieb fungierte laut nordkoreanischen Medien ein Festbrennstoffsystem.

Menschen am Bahnhof von Seoul in Südkorea sehen einen Raketenstart in Nordkorea. Der Nachbar im Norden hat am Dienstag (2. April) eine neue Hyperschallrakete getestet.

Südkorea und Japan verurteilen nordkoreanischen Test von Hyperschallrakete

Machthaber Kim Jong Un soll dem Start beigewohnt haben. Er beschrieb die ostwärts in Richtung des offenen Meeres abgefeuerte Rakete als „eine weitere starke strategische, offensive Waffe“. Das Land habe gezeigt, dass es nun im Prinzip alle „taktischen, einsatzfähigen und strategischen Raketen mit verschiedenen Reichweiten“ mit Festtreibstoff und Nuklearsprengköpfen ausrüsten könne. Kim will das Land in die Lage versetzen, seine Feinde – vornehmlich Südkorea und die Vereinigten Staaten – weltweit treffen zu können.

Das südkoreanische Militär hatte bereits am Dienstag (2. April) vom Raketentest berichtet und verurteilte die „Provokation des Nordens“ auf „Schärfste“. Sowohl Südkorea als auch Japan sahen darin einen klaren Verstoß gegen UN-Beschlüsse. Diese untersagen Nordkorea, ballistische Raketen zu erproben. Der Raketenstart sei erneut ein „schwerwiegender Verstoß gegen die Verpflichtungen aus den einschlägigen Resolutionen des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen“, teilte auch das Auswärtige Amt in Berlin mit. Der japanische Ministerpräsidenten Fumio Kishida bezeichnete die wiederholten Tests ballistischer Raketen als Bedrohung für die regionale Sicherheit und „absolut inakzeptabel“.

Nordkorea testet wieder mehr Raketen – Land kurz vor nächstem Atomwaffentest

Tatsächlich sind die Beziehungen zwischen Nordkorea und Südkorea sowie den Vereinigten Staaten schlecht wie lange nicht mehr. Seit vielen Jahren schon versucht der Norden atomwaffenfähige Raketen zu entwickeln, und wird dafür international sanktioniert. Zahlreiche Resolutionen des UN-Sicherheitsrats, die Atom- und Raketenprogramme zu stoppen, hielten Machthaber Kim allerdings nicht davon ab. Mit Beginn des Jahres 2022 testet Nordkorea wieder mehrfach Raketen, im Januar 2024 warnten Fachleute vor dem ersten Atomwaffentest Nordkoreas seit 2017.

Ende Januar stiegen mehrere Marschflugkörper von Nordkorea aus in die Höhe und vor gut zwei Wochen startete das Land sogar während eines Besuchs von US-Außenminister Antony Blinken in Südkorea einige Raketen zum Test. Blinken bekräftigte danach das „unerschütterliche Eintreten“ der USA für die Sicherheit Südkoreas. Als Reaktion aufs Atomwaffen- und Raketenprogramm des Nordens setzen beide Länder auf eine stärkere Zusammenarbeit.

Hyperschallraketen mit Feststoffantrieb sind besonders gefährlich

Während die Flugkörper im März gut 300 Kilometer weit geflogen sein sollen, waren es diesmal laut südkoreanischen Angaben rund 600 Kilometer. Der nordkoreanische Staatssender sprach sogar von 1000 Kilometern. Gefährlich könnte die nun getestete Rakete nicht nur ihre Reichweite, sondern auch die Geschwindigkeit machen. Hyperschallraketen erreichen mehr als die fünffache Schallgeschwindigkeit und sind manövrierfähig. Das macht sie besonders schwer abzufangen.

Wie vor zwei Wochen soll die Rakete mit einem Feststoff angetrieben worden sein. Im Gegensatz zu flüssigen Antriebsstoffen muss der Flugkörper hier vor dem Start nicht aufgetankt werden – die Vorwarnzeit beim Start verkürzt sich. Die Raketen können so schneller eingesetzt und schwerer entdeckt sowie zerstört werden.

Pjöngjang versucht daher seit längerem, Hyperschall- und Festbrennstofftechnologien zu beherrschen, um die südkoreanischen Raketenabwehrsysteme auszuschalten. Zur Finanzierung des massiven Raketenprogramms setzt das wirtschaftsschwache Land dabei auf ungewöhnliche – und oft illegale – Wege. (flon/dpa/afp)

Rubriklistenbild: © Ahn Young-joon/AP/dpa

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