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Die Hungersnot in Nordkorea verschlechtert sich weiter und fordert immer mehr Tote. BBC-Berichte von Menschen vor Ort geben einen Einblick in die katastrophale Lage.
Pjöngjang – In Nordkorea herrscht seit langer Zeit eine Hungersnot, die bereit vielen Menschen das Leben gekostet hat. Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong-un schottet das Land immer weiter von dem Rest der Welt ab. Die Grenzen sind geschlossen. Durch den fehlenden Import von Nahrungsmitteln und Dünger für die Landwirtschaft verschlechtert sich die Lage weiter. Das Verbot von ausländischen Medien und Kontakt ins Ausland erschwert die Informationslage. BBC veröffentlichte nun die Geschichten von drei Menschen in Nordkorea, mit denen sie über mehrere Monate geheim in Kontakt standen.
Die hat sich seit Beginn der Corona-Pandemie drastisch verschlechtert. Die geschlossenen Grenzen verhindern nicht nur Menschen den Eintritt, sondern auch Nahrungsmitteln und anderen wichtigen Importen. Zusätzlich mussten auch Hilfsorganisationen und Diplomaten das Land verlassen. Mit Folgen: Nordkorea ist zu einer Blackbox geworden. Laut BBC herrscht Hunger im Land, brutale Razzien seien an der Tagesordnung. Es gebe keine Chance, dem Übel zu entkommen.
Menschen in Nordkorea zum Überleben auf Nebenbeschäftigungen angewiesen
„Unsere Nahrungssituation war noch nie so schlimm“, erklärt Myong Suk. Sie ist der BBC zufolge eine von vielen Frauen, die als Hauptverdienerin die Familie ernährt. Männer würden in den staatlichen Zwangsjobs am Tag nicht genug verdienen, um ein Kilo Reis zu kaufen. Familien seien zum Überleben auf die illegalen Nebenbeschäftigungen der Frauen angewiesen. Früher habe Myong Suk Antibiotika aus China verkauft. Dabei sei sie erwischt worden und stehe nun unter Bewachung. Und trotzdem versuche sie, nordkoreanische Medizin auf dem Schwarzmarkt zu verkaufen – mit konstanter Angst. Sie habe keine Wahl, denn sie stünden „an der vordersten Front des Lebens“, sagt sie.
Hungertod in Nordkorea: Unterernährung auch bei Militär
Immer mehr Menschen würden in Nordkorea verhungern, manchmal ganze Familien, berichtet Chan Ho. Die Hungersnot mache auch vor dem Militär kein Halt. Der Sohn eines Bekannten sei wegen Unterernährung vom Militär entlassen worden. Sein Gesicht sei plötzlich aufgedunsen und keine Woche später sei er an den Folgen gestorben. „Ich kann nicht schlafen, wenn ich an meine Kinder denke, die für immer in dieser hoffnungslosen Hölle leben müssen“, erzählt der Nordkoreaner.
In den Großstädten sei es nicht besser, erzählt Ji Yeon. Oft esse sie nur eine Mahlzeit am Tag, tue aber so, als wären es drei gewesen. Hunger könne sie aushalten. Leute sollen jedoch nicht wissen, dass sie arm sei. Doch kürzlich habe sie zwei Tage nichts gegessen. „Ich dachte, ich würde im Schlaf sterben und morgens nicht aufwachen“, sagt sie. Anderen gehe es noch schlechter und es gebe mehr Bettler. Wenn sie jemanden auf der Straße liegen sieht, schaue sie nach ihnen – die meisten seien schon verstorben. Ji Yeon habe gehört, dass Menschen sich selbst das Leben nehmen, bevor es der Hunger tut. In den Städten herrsche eine rücksichtslose Mentalität: „Selbst wenn nebenan Menschen sterben, denkt man nur an sich selbst. Es ist herzlos.“
Da jeglicher Kontakt ins Ausland für die nordkoreanische Bevölkerung verboten ist, arbeitete BBC mit der Organisation Daily NK zusammen. Sie verfügen über ein Netzwerk an Quellen im Land. Um die Personen zu schützen, wurden alle Namen geändert. (hk)
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