Nordkorea-Soldaten erleiden schwere Verluste im Ukraine-Krieg
VonKilian Beck
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Im Donbass setzten die russischen Truppen zuletzt die verlustreiche „Fleischwolf-Taktik“ ein. Putin lehnt Trumps Angebot für Friedensgespräche ab.
Kiew – Das nordkoreanische Truppenkontingent, das in der russischen Region Kursk eingesetzt ist, erleidet offenbar schwere Verluste. Nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj sollen bisher 3000 Soldaten aus Nordkorea im Ukraine-Krieg verletzt oder getötet worden seien. Die Nachrichtendienste der USA und Südkorea schätzten übereinstimmend etwa 1000 getötete oder verletzte Nordkoreaner. Insgesamt sollen etwa 10.000 Soldaten aus Nordkorea an der Seite Russlands im Ukraine-Krieg kämpfen. Besondere Probleme haben die Truppen aus Nordkorea offenbar mit den Drohnen-Angriffen der Ukraine.
Lockvogeltaktik gegen Drohnen der Ukraine – Nordkorea-Soldat erschießt versehentlich Kameraden
Ukrainische Spezialkräfte sollen vor kurzem ein Notizbuch eines Soldaten aus Nordkorea gefunden haben. Dieses soll zeigen, wie die Truppen des Diktators Kim Jong-un versuchen sollen, Drohnen zu bekämpfen. Demzufolge sollen sie eine Art Lockvogeltaktik anwenden: Ein Soldat locke die Drohne weg, und ein zweiter solle sie dann beschießen. Dem katarischen Staatssender Al-Dschasira zufolge soll ein Nordkoreaner dabei kürzlich einen Kameraden erschossen haben. Ein von den ukrainischen Streitkräften veröffentlichtes Video soll zeigen, wie die Soldaten aus Nordkorea wenig erfolgreich versuchten, diese Taktik anzuwenden. Es war nicht unabhängig verifizierbar.
Ukraine-Krieg: Die Ursprünge des Konflikts mit Russland
Soldat aus Nordkorea in ukrainischer Kriegsgefangenenschaft verstorben
Inzwischen soll die Ukraine auch erste Kriegsgefangene aus Nordkorea gemacht haben. Am Freitag sagte Selenskyj, dass ukrainische Streitkräfte mehrere Nordkoreaner gefangen nahmen. Inzwischen seien diese allerdings verstorben; „Sie waren sehr schwer verwundet und konnten nicht wiederbelebt werden“, sagte Selenskyj. Der südkoreanische Geheimdienst hatte zuvor erklärt, dass ein von der Ukraine gefangengenommener verletzter Soldat aus Nordkorea gestorben sei.
Selenskyj sagte zudem, die nordkoreanischen Soldaten würden nur mit „minimalem Schutz“ in den Kampf geschickt. „Sie erleiden viele Verluste. Viele. Wir sehen, dass die russische Armee und die nordkoreanischen Befehlshaber sich nicht im Geringsten für das Überleben dieser Koreaner interessieren“, fügte der ukrainische Präsident hinzu. Dies deckt sich mit US-Angaben, wonach inzwischen eine große Zahl nordkoreanischer Soldaten in Kursk eingesetzt werde.
USA: Nordkorea-Soldaten in Kursk fürchten Repressalien gegen Familien in der Heimat
Die US-Regierung gehe davon aus, dass die Soldaten dort massive „Infanterieangriffe gegen ukrainische Stellungen“ durchführten, erklärte der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrates, John Kirby. Er betonte jedoch, dass die Taktik von „Wellen“ ungeschützter Angriffe zu Fuß sich als wenig effektiv erwiesen habe. Sie habe zu erheblichen Verlusten bei den nordkoreanischen Streitkräften geführt. Zudem gebe es Berichte, dass nordkoreanische Soldaten sich lieber das Leben nähmen, als sich den ukrainischen Streitkräften zu ergeben - „wahrscheinlich aus Angst vor Repressalien gegen ihre Familien in Nordkorea, falls sie gefangen genommen werden“, fügte er hinzu.
Kämpfe bei Pokrowsk und Kurachowe – Russland rückt unter schweren Verlusten vor
Auch an der zweiten besonders umkämpften Front im Ukraine-Krieg wendete Russland die sogenannte „Fleischwolf-Taktik“ an, bei der Wellen von Infanteristen in die Verteidigungslinien der ukrainischen Armee gesandt werden, um diese abzunutzen. Unter enormen Verlusten rückten die Truppen von Russlands Präsident Wladimir Putin so im Donbass vor. Der US-Denkfabrik Institute for the Study of War zufolge fanden die meisten Kämpfe in der Region immer noch um den Logistikknotenpunkt Pokrowsk, und die Orte Torezk und Kurachowe statt. Im Umland von Kurachowe sei es den ukrainischen Verteidigern gelungen, eine Stellung außerhalb der besetzten Stadt zu sichern, die es ermöglichen könnte, Russlands Vorrücken Richtung Pokrowsk zu verhindern.
Haftbefehl gegen Putin – Russlands Verbrechen in der besetzten Ukraine
Sollte Pokrowsk fallen, so drohe die Großstadt Saporischschja zur Frontstadt zu werden, warnte Selenskyj im Dezember. Während der Weihnachtsfeiertage wurde die zivile Energieinfrastruktur der Ukraine erneut Ziel russischer Angriffe. Russland hält etwa ein Fünftel der Ukraine besetzt, dort lebten dem ISW zufolge zuletzt etwa fünf Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer. Dort begeht Russland zahlreiche Menschenrechtsverbrechen. Wegen des gezielten Verschleppens von Kindern nach Russland erließ der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag 2023 einen Haftbefehl gegen Putin.
Keine Zugeständnisse: Putin hält wenig von Trumps Vorschlag für Ende des Ukraine-Krieges
Zur Frage von Friedensverhandlungen und einem Ende des Ukraine-Krieges stellte Putin am Donnerstag (26. September) erneut klar, dass er nicht bereit sei, Zugeständnisse zu machen. Auf die im Umfeld des designierten US-Präsidenten Donald Trump diskutierte Idee, den Nato-Beitritt der Ukraine um ein bis zwei Jahrzehnte aufzuschieben, um im Gegenzug Frieden schließen zu können, antwortete Putin: Zehn bis zwanzig Jahre seien, „im großen Plan der Geschichte nur ein flüchtiger Augenblick“. Er sei nicht bereit, auf dieses Zugeständnis einzugehen, sagte Putin.
Selenskyj verlangte wiederholt westliche Sicherheitsgarantien, um einen langfristigen Frieden in der Ukraine sicherzustellen. Im August griff die Ukraine mit der Region Kursk gezielt Russlands Kernland an, um ein Faustpfand für etwaige Verhandlungen zu haben. (kb mit dpa und afp)