Nordkorea-Soldaten in Putins Krieg: Blutige Bilanz in Kursk
VonMarcus Giebel
schließen
Nordkoreanische Kämpfer geben ihr Leben, um Russland im Ukraine-Krieg beizustehen. Die Verluste sind bereits jetzt enorm. Ein Soldat aus Kiew warnt jedoch.
Kursk – Ihr Einsatzort: am anderen Ende des Nachbarlandes. Hunderte Kilometer von der Heimat entfernt. Ihr Oberbefehlshaber: ein fremder Machthaber, der einer der wichtigsten Verbündeten ihres Staatsoberhauptes ist. Seit einigen Wochen sind Nordkorea-Soldaten direkt in den Ukraine-Krieg involviert und sollen dafür bereits einen hohen Preis zahlen. Nicht wenige verloren offenbar schon ihr Leben.
Nachdem Nordkoreas Oberster Führer Kim Jong-un einige seiner Soldaten in die russischen Reihen und damit die Hände von Kreml-Chef Wladimir Putin geschickt hat, wird von immensen Verlusten berichtet. Bei einem Treffen von Kiews wichtigsten Unterstützern auf dem US-Luftwaffenstützpunkt in Ramstein am 9. Januar nannte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in diesem Zusammenhang die Zahl 4000.
Nordkorea-Soldaten im Ukraine-Krieg: Verluste sollen ein Drittel des Kontingents betragen
Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap gab wenige Tage darauf an, es seien schon mindestens 300 Nordkorea-Soldaten in dem Krieg gefallen, weitere 2700 verwundet worden. Die Informationen hätte der Nachrichtendienst NIS während einer nichtöffentlichen Sitzung des parlamentarischen Geheimdienstausschusses laut dem Abgeordneten Lee Seong-kweun mit den Gesetzgebern geteilt.
In Estland sprach Oberst Ants Kiviselg über die Verluste unter Nordkoreas Soldaten. Laut dem öffentlich-rechtlichen Rundfunksender ERR sagte der Leiter des Geheimdienstzentrums der estnischen Streitkräfte auf einer Pressekonferenz des Verteidigungsministeriums: „Die Situation in Kursk wird auch durch die Behauptungen des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj veranschaulicht, wonach ein Drittel des 12.000 Mann starken nordkoreanischen Kontingents, das in die Oblast Kursk geschickt wurde – bis zu 3800 Mann – bereits getötet oder verwundet wurde, ohne dass Russland einen militärischen Erfolg erreicht hat.“
Putin soll die Hilfe aus Fernost in die vor einigen Monaten von ukrainischen Streitkräften eroberte russische Grenzregion beordert haben. Den jüngsten Vorstoß von Kiews Einheiten in Kursk Anfang des Jahres konnten sie aber anscheinend nicht verhindern. Wie die Armee angab, wurden dabei gerade erst 27 russische Soldaten gefangen genommen.
Nordkorea-Soldaten kämpfen für Putin: „Beweise für Beteiligung am Ukraine-Krieg auslöschen“
Selenskyj hatte einige Tage zuvor mitgeteilt, dass seinen Truppen auch zwei verletzte Nordkoreaner in die Hände gefallen seien. Auf dem X verbreitete er Aufnahmen von den beiden Männern – einer mit verbundenen Händen, der andere mit einem Verband um den Kopf.
Zudem zeigte sich das Staatsoberhaupt überzeugt, dass weitere Gefangennahmen von Kims Landsleuten folgen werden: „Es ist nur eine Frage der Zeit, ehe unsere Truppen weitere ergreifen.“ Die beiden Nordkoreaner würden befragt werden, um mehr über ihren Einsatz im Namen Putins zu erfahren. Journalisten sollen Zugang zu ihnen erhalten, denn: „Die Welt muss die Wahrheit darüber erfahren, was passiert.“
Allerdings erwähnte Selenskyj auch, dass es sich schwierig gestalte, nordkoreanische Soldaten zu fassen. „Russische Streitkräfte und nordkoreanisches Militärpersonal exekutieren normalerweise ihre Verwundeten, um jegliche Beweise für Nordkoreas Beteiligung am Krieg gegen die Ukraine auszulöschen“, betonte der 46-Jährige.
Wer nicht dazu in der Lage sei, sich auf diese Weise zu opfern, werde „von den eigenen Kräften beseitigt. 100 Prozent. Sie kümmern sich nicht um die Verwundeten und Toten – sie stürmen einfach voran und steigen über die Leichen ihrer Kameraden hinweg.“
Demtschenko kommt aber auch darauf zu sprechen, wie gut trainiert die Soldaten von Kim seien. Dabei erwähnt er ihre Treffsicherheit. Zudem seien sie sehr widerstandsfähig. Als Beispiel nennt der Ukrainer diese Taktik: Um Drohnen auszuschalten, gebe sich ein Nordkoreaner als Köder her und zwei seiner Kameraden würden daraufhin das Objekt ins Visier nehmen.
Nordkorea-Soldaten sterben in Kursk: „Leben der Zerstörung des Westens gewidmet“
Es sei unklar, wie groß die Verluste unter den Soldaten aus Nordkorea seien. Ebenso, inwiefern sie Verstärkung erhalten. „Aber sie haben ihr ganzes Leben einer Sache gewidmet: den Westen zu zerstören! Veteranen dieses Krieges werden bald nach Hause zurückkehren, um ihre gesammelten Erfahrungen weiterzugeben“, warnt Demtschenko.
Er kritisiert, die Nato-Ausbilder würden die ukrainischen Rekruten unrealistische Kampfstrategien lehren. Daher sei es höchste Zeit, dass die Ukrainer ihre Erfahrungen aus dem Krieg gegen den Aggressor aus Russland und seine Helfer aus Nordkorea mit den Verbündeten der Nato teile.
Denn seiner Meinung nach wird die Verstärkung aus Pjöngjang unterschätzt. „Hört auf, jenen Experten zuzuhören, die euch mit ‚guten‘ Nachrichten trösten“, schreibt er den Lesern ins Gewissen: „Vor Monaten haben sie gesagt: Koreaner würden in der ersten Woche zerstört werden, weil sie nicht wissen, wie man kämpft. Sie wissen das! Und es gibt Millionen von ihnen. Leider sind wir diejenigen, die nicht wissen, wie moderne Kriegsführung funktioniert.“
Damit macht Demtschenko klar: Die Nordkoreaner mögen einen heftigen Blutzoll zahlen, dennoch sollte sie niemand unterschätzen. Sie kennen ihre Rolle im Ukraine-Krieg. Für sie dürfte nichts wichtiger sein, als Kim und Putin glücklich zu machen. (mg)