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Bei einer Umfrage unter Historikern kommt Donald Trump sehr schlecht weg. Der Ex-Präsident muss sich mit einem ungeliebten Platz abfinden.
Los Angeles – Wenn es sich um Umfragen zur US-Wahl dreht, sollte Donald Trump bester Laune sein. Immerhin etwas bei den ganzen erfolgreichen Klagen gegen den Ex-Präsidenten in den vergangenen Tagen und Wochen. Jetzt muss der Ex-Präsident einen empfindlichen Rückschlag hinnehmen.
Denn die dritte Tranche des „Presidential Greatness Project“ der Los Angeles Times wurde am vergangenen Wochenende veröffentlicht. Die Umfrage unter Präsidentschaftsexperten weist Trump demnach als schlechtesten Präsidenten in der Geschichte der Vereinigten Staaten aus.
Bittere Niederlage für Trump bei historischer Umfrage: Schlechtester Präsident aller Zeiten
Während Trumps Chancen auf den erneuten Einzug ins Weiße Haus in den aktuellen Umfragen zu den Vorwahlen der Republikaner und der US-Wahl 2024 nicht so schlecht stehen, stellt die Umfrage dem Ex-Präsidenten für seine erste Amtszeit ein vernichtendes Zeugnis aus. Der 77-Jährige liegt sogar mit deutlichem Abstand hinter dem amtierenden US-Präsidenten Joe Biden abgeschlagen auf dem letzten Platz.
Was ist das „Presidential Greatness Project“?
Die 2024 Presidential Greatness Project Expertenumfrage wurde online über Qualtrics durchgeführt vom 15. November bis 31. Dezember 2023 durchgeführt. Zu den Befragten gehörten aktuelle und ehemalige Mitglieder der Sektion „Presidents & Executive Politics“ der American Political Science Association, der führenden Organisation für sozialwissenschaftliche Experten auf dem Gebiet der Präsidentschaftspolitik, sowie Wissenschaftler, die kürzlich eine von Experten begutachtete wissenschaftliche Arbeit in wichtigen akademischen Fachzeitschriften veröffentlicht hatten. 525 Personen wurden zur Teilnahme eingeladen, und 154 verwertbare Antworten gingen ein.
Derweil stuft die Umfrage Amtsinhaber Biden als den 14. besten Präsidenten der amerikanischen Geschichte ein, knapp vor Woodrow Wilson, Ronald Reagan und Ulysses S. Grant. Das Ranking verschafft Biden zwar keinen Platz auf dem Mount Rushmore, aber einen deutlichen Vorsprung vor Trump, der der LA Times zufolge mit Abstand zum schlechtesten Präsidenten aller Zeiten gekürt wurde.
Historische Umfrage über die besten US-Präsidenten: Trump belegt letzten Platz in der Geschichte
Seine Platzierung im oberen Drittel verdankt Biden wohl zum Teil auch Trump, obwohl der derzeitige US-Präsident Anspruch auf ein historisches Vermächtnis erhebt. Schließlich führte er das Ende der Covid-Pandemie herbei, baute die Straßen, Brücken und andere Infrastrukturen des Landes wieder auf und führte eine internationale Koalition gegen Russlands Angriffskrieg in der Ukraine an. Doch den Historikern zufolge bestand Bidens wichtigste Leistung darin, Trump aus dem Oval Office zu vertreiben.
„Bidens wichtigste Errungenschaft könnte sein, dass er die Präsidentschaft vor Trump gerettet hat, einen traditionelleren Stil der präsidialen Führung wieder aufgenommen hat und sich darauf vorbereitet, das Amt im Herbst nicht in die Hände seines Vorgängers zu legen“, schrieben Justin Vaughn und Brandon Rottinghaus, die College-Professoren der Coastal Carolina University, die die Umfrage durchführten und die Ergebnisse in der Los Angeles Times bekannt gaben.
Trump schlechtester Präsident der Geschichte: Obama macht größten Sprung in Umfrage
Trumps Einfluss reicht aber weit über sein eigenes Ranking und die Platzierung von Joe Biden hinaus. Jeder zeitgenössische demokratische Präsident ist in der Rangliste aufgestiegen – Barack Obama (Nr. 7), Bill Clinton (Nr. 12) und sogar Jimmy Carter (Nr. 22). Obama gelang gleichzeitig der größte Sprung, da er sich seit 2015 um insgesamt neun Plätze verbesserte.
Wie üblich stehen Abraham Lincoln, Franklin D. Roosevelt, George Washington, Theodore Roosevelt und Thomas Jefferson an der Spitze der Liste, und Historiker teilen im Allgemeinen ähnliche Ansichten über viele Präsidenten, unabhängig von ihrer eigenen persönlichen Ideologie oder Parteizugehörigkeit. Bei einigen modernen Präsidenten sind die Meinungen der Historiker jedoch stärker über Parteigrenzen hinweg gespalten.
Trump auf dem letzten Platz in historischer Umfrage: Ex-Präsident weiter im Kreuzfeuer
Beim letzten Platz gibt es aber der New York Times zufolge auch unter den verschiedenen Historikern keine zwei Meinungen. Dieser konnte nur von Donald Trump belegt werden.
Und auch die jüngsten Aussagen über den Tod von Kremlkritiker Alex Nawalny, seine fehlende Kritik an Russlands Präsidenten Wladimir Putin nach Nawalnys Tod sowie die Empörung über Trumps Nato-Aussagen ändern wohl wenig an der Meinung der Experten. Ob die Umfrage unter den Historikern wohl direkten Einfluss auf die kommende US-Wahl hat, dürfte aber bezweifelt werden. Da Trump weiterhin wohl alle Chancen hat, den amtierenden Präsidenten Joe Biden aus dem Amt zu drängen und erneut ins Weiße Hause einziehen könnte.
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