Nach langem Schweigen

„Eine Form von Nawalny“: Donald Trump vergleicht sich mit totem Kremlkritker

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Tagelang schwieg Donald Trump zum Tod von Alexej Nawalny. Nun äußerte sich der Ex-US-Präsident – doch sagte kein Wort über Wladimir Putin.

Greenville – Weltweit gedachten viele Politiker dem russischen Oppositionellen Alexej Nawalny, doch der ehemalige US-Präsident Donald Trump blieb erstmal stumm. Nun hat auch Trump sich geäußert – doch anders als erwartet: Er verglich sich und sein Betrugsurteil mit der Behandlung Nawalnys in Russland.

„Eine Form von Nawalny“: Trump vergleicht seine Prozesse mit Nawalny

Nun äußerte Trump sich zum ersten Mal am Montag (19. Februar) zum Tod des Kreml-Kritikers und verglich sich prompt mit ihm. „Der plötzliche Tod von Alexej Nawalny hat mir mehr und mehr bewusst gemacht, was in unserem Land geschieht“, schrieb der 77-Jährige auf seiner Social-Media-Plattform Truth Social. „Es ist ein langsames, stetiges Fortschreiten, mit verlogenen, linksradikalen Politikern, Staatsanwälten und Richtern, die uns auf einen Pfad der Zerstörung führen.“

Bei einer Bürgerversammlung in Greenville, South Carolina, griff er das Thema wieder auf – nur wenige Tage vor den republikanischen Präsidentschaftswahlen des Bundesstaates. In dem einstündigen Auftritt, der auf Fox News ausgestrahlt wurde, wetterte Trump gegen die Geldstrafe mehr als 350 Millionen US-Dollar, die ihm in einem New Yorker Betrugsprozess auferlegt wurde, und sagte: „Es ist eine Form von Nawalny.“

Trump vergleicht sich mit Nawalny: „Es passiert auch in unserem Land“

Nawalnys Tod: Trump äußert sich nicht zu Putin

Moderatorin Laura Ingraham bat das zu erläutern. „Nawalny – eine sehr traurige Situation. Er war sehr mutig, weil er [nach Russland] zurückgekehrt ist, als er hätte fernbleiben können“, sagte Trump. „Es ist eine schreckliche Sache, aber es passiert auch in unserem Land. Wir verwandeln uns in vielerlei Hinsicht in ein kommunistisches Land.“ Er fügte hinzu: „Ich habe acht oder neun Prozesse, weil ich in der Politik tätig bin.“

Wegen einiger Unstimmigkeiten spekulieren viele um die Todesursache des Putin-Kritikers. Nawalnys Familie und viele Politiker machen den Kreml-Chef für Nawalnys Tod verantwortlich. Doch trotz Aufforderung erwähnte Trump den russischen Präsidenten Wladimir Putin nicht. Laut Newsweek kritisierte US-Präsident Joe Biden Trump nach dem Auftritt scharf: „Warum gibt Trump immer Amerika die Schuld? Putin ist für Nawalnys Tod verantwortlich. Warum kann Trump das nicht einfach sagen?“

Alexej Nawalny ist tot: Protest, Anschläge, Gefängnis – sein Leben in Bildern

Wahlen 2012 in Russland: Nawalny protestiert gemeinsam mit Schach-Großmeister Garry Kasparow (l.) für faire Wahlen in Russland – am Ende gewann Wladimir Putin.
Wahlen 2012 in Russland: Nawalny protestiert gemeinsam mit Schach-Großmeister Garri Kasparow (l.) für faire Wahlen in Russland – am Ende gewann Wladimir Putin. © Anatoly Maltsev / dpa
Nawalny – damals bereits sozusagen der Superstar der Protestbewegung in Russland – mit seiner Ehefrau Julija, vor Gericht. Nach seinen Protesten kam er damals vorerst frei.
Nawalny – damals bereits sozusagen der Superstar der Protestbewegung in Russland – mit seiner Ehefrau Julija, vor Gericht. Nach seinen Protesten kam er damals vorerst frei. © Valentina Svistunova / dpa
Kreml-Kritiker Nawalny 2017 nach einer Farbattacke vor seinem Büro.
Kreml-Kritiker Nawalny 2017 nach einer Farbattacke vor seinem Büro. © Evgeny Feldman / dpa
2017 rief Nawalny im ganzen Land zu Protesten gegen Korruption in Russland auf – und wurde zu 15 Tagen Arrest verurteilt.
2017 rief Nawalny im ganzen Land zu Protesten gegen Korruption in Russland auf – und wurde zu 15 Tagen Arrest verurteilt.  © Str/AP/dpa | Str
2015 wird der Oppositionsführer Boris Nemzow in Russland auf offener Straße erschossen. Nawalny beteiligt sich an den Protesten – und wird immer mehr zum neuen Gesicht der Opposition.
2015 wird der Oppositionsführer Boris Nemzow in Russland auf offener Straße erschossen. Nawalny beteiligt sich an den Protesten – hier bei einer Gedenk-Demo 2018 – und wird immer mehr zum neuen Gesicht der Opposition. © Alexander Zemlianichenko / dpa
2018 plante Nawalny, als Kandidat bei der Präsidentschaftswahl gegen Wladimir Putin anzutreten. Allerdings beschloss ein Gericht vorab seinen Ausschluss von den Wahlen.
2018 plante Nawalny, als Kandidat bei der Präsidentschaftswahl gegen Wladimir Putin anzutreten. Allerdings beschloss ein Gericht vorab seinen Ausschluss von den Wahlen. © Evgeny Feldman / dpa
Nawalny vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte im Jahr 2018. Dort war Russland zuvor wegen Festnahmen des Kreml-Kritikers verurteilt worden.
Nawalny vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte im Jahr 2018. Dort war Russland zuvor wegen Festnahmen des Kreml-Kritikers verurteilt worden. © Jean-Francois Badias / dpa
Familie Nawalny: Der russische Oppositionsführer Alexej Nawalny (M), seine Frau Julija (r), seine Tochter Daria (l) und sein Sohn Sachar stehen nach der Stimmabgabe bei einer Stadtratswahl im Jahr 2019 zusammen.
Familie Nawalny: Der russische Oppositionsführer Alexej Nawalny (M), seine Frau Julija (r), seine Tochter Daria (l) und sein Sohn Sachar stehen nach der Stimmabgabe bei einer Stadtratswahl im Jahr 2019 zusammen. © Andrew Lubimov / dpa
September 2020: Nach einer Nowitschok-Vergiftung wird Nawalny in der Berliner Charité behandelt.
September 2020: Nach einer Nowitschok-Vergiftung wird Nawalny in der Berliner Charité behandelt. © Daria Nawalny / dpa
Nach seiner Genesung und Rückkehr aus Deutschland wurde Nawalny in Russland festgenommen – hier zeigt er in Handschellen das „Victory“-Zeichen, begleitet von einer Polizei-Eskorte.
Nach seiner Genesung und Rückkehr aus Deutschland wurde Nawalny in Russland festgenommen – hier zeigt er in Handschellen das „Victory“-Zeichen, begleitet von einer Polizei-Eskorte. © Sergei Bobylev / dpa
Ein großes Portrait von Alexej Nawalny mitten in St. Petersburg. Nach nur wenigen Minuten ließ man es wieder überstreichen.
Ein großes Portrait von Alexej Nawalny mitten in St. Petersburg. Nach nur wenigen Minuten ließ man es wieder überstreichen. © Alexander Demianchuk / Imago
Alexej Nawalny (r) und seine Anwälte im Moskauer Stadtgericht 2021 – ihm droht eine lange Haftstrafe.
Alexej Nawalny (r) und seine Anwälte im Moskauer Stadtgericht 2021 – ihm droht eine lange Haftstrafe. © Moscow City Court Press Service / dpa
Alexej Nawalny Anfang des Jahres 2022 hinter Gittern bei einer Anhörung bezüglich Beschwerden zu seiner Unterbringung während der 3,5-jährigen Haftstrafe.
Alexej Nawalny Anfang des Jahres 2022 hinter Gittern bei einer Anhörung bezüglich Beschwerden zu seiner Unterbringung während der 3,5-jährigen Haftstrafe. © Anna Ustinova / Imago
Kurzer Glücksmoment in schweren Zeiten: Nawalny und Ehefrau Julija Arm in Arm rund um eine weitere Anhörung des Kreml-Kritikers vor Gericht im Februar 2022.
Kurzer Glücksmoment in schweren Zeiten: Nawalny und Ehefrau Julija Arm in Arm rund um eine weitere Anhörung des Kreml-Kritikers vor Gericht im März 2022. Wegen angeblicher Veruntreuung von Spendengeldern wurden 13 weitere Jahre Haft gefordert. © Sergei Fadeichev / Imago / ITAR-TASS
Bilder wie dieses aus dem Mai 2022 von einer weiteren Anhörung schüren Sorgen um den Gesundheitszustand von Nawalny.
Bilder wie dieses aus dem Mai 2022 von einer weiteren Anhörung schüren Sorgen um den Gesundheitszustand von Nawalny. Der Kritiker trat während seiner Haftzeit immer wieder beispielsweise in Hungerstreik. Seine Haft-Unterbringung soll teils dürftig gewesen sein. © IMAGO/Sergei Karpukhin / ITAR-TASS
Nawalny wieder vor Gericht im August 2023.
Nawalny wieder vor Gericht im August 2023. Der Oppositionsführer war erneut zu 19 Jahren Haft unter anderem wegen Extremismus verurteilt worden. © IMAGO/Sofya SandurskayaITAR-TASS
Ende 2023 galt Nawalny kurz als verschwunden
Ende 2023 galt Nawalny kurz als verschwunden. Dann hieß es, er sei in ein Strafgefangenenlager nach Sibirien gebracht worden. Das Foto zeigt ihn im Januar 2024 bei einer weiteren Video-Schalte. © Alexander Zemlianichenko / dpa
Am 16. Februar 2024 kommt überraschend dann die Info aus Russland, Nawalny sei im Strafgefangenenlager gestorben
Am 16. Februar 2024 kommt überraschend dann die Info aus Russland, Nawalny sei im Strafgefangenenlager gestorben. Weltweit wird um den Kreml-Kritiker getrauert. © IMAGO/Vuk Valcic / ZUMA Wire

Kritik an Trump: Ex-Präsident sagte tagelang nichts zum Tod Nawalnys

Trump erntete bereits vor dem Auftritt Kritik, besonders weil er sich nicht zu dem Tod des russischen Oppositionellen äußerte. Es hieß, dem ehemalige Präsident seien Menschenrechte egal, er stelle sich so auf die Seite Putins. Seine einzige Rivalin der Republikaner im Wahlkampf, Nikki Haley machte ihren Standpunkt deutlich, als die Nachricht über Nawalnys Tod brach: „Putin hat das getan“, schrieb Haley am Freitag (16. Februar) auf X, ehemals Twitter. „Derselbe Putin, den Donald Trump lobt und verteidigt. Derselbe Trump, der sagte: ‚Um Putin gegenüber fair zu sein, sagen Sie, er hat Menschen getötet. Das habe ich nicht gesehen.‘“

Putin-Freund: Nawalny warnte vor zweiter Amtszeit von Trump

Erst Mitte Februar sorgte Trump mit Aussagen bei einer Kundgebung in South Carolina für Aufruhr. Er würde nicht-zahlende Nato-Staaten im Fall eines Angriffs durch Russland nicht unterstützen. Er würde Russland „sogar dazu ermutigen, zu tun, was auch immer zur Hölle sie wollen.“ Trump hatte sich in der Vergangenheit schon häufig positiv über den Kreml-Chef geäußert.

Doch auch Nawalny stand dem ehemaligen US-Präsidenten kritisch gegenüber. Der Putin-Gegner soll Trumps Agenda zu der US-Wahl 2024 aus der Ferne mit Sorge betrachtet haben, so die New York Times. Er soll in Briefen vor Trump gewarnt und eine zweite Amtszeit „wirklich beängstigend“ genannt haben. (dpa/hk)

Rubriklistenbild: © TIMOTHY A. CLARY / AFP

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