UN-Generalsekretär Antonio Guterres hofft, dass die Ausfahrt des ersten Frachtschiffs nur der Anfang im Kampf gegen die internationale Ernährungskrise war.
New York - UN-Generalsekretär António Guterres hat die Wiederaufnahme von Getreideexporten über den ukrainischen Schwarzmeer-Hafen Odessa als «Meilenstein» gewürdigt. Das Ablegen des ersten Schiffes nach der russischen Blockade sei «eine enorme kollektive Leistung des gemeinsamen Koordinierungszentrums, das letzte Woche in Istanbul unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen mit Vertretern aus der Ukraine, der Russischen Föderation und der Türkei eingerichtet wurde», sagte Guterres am Montag in New York.
Dies könne aber nur der Anfang sein - viele weitere Handelsschiffe müssten nun folgen und Millionen Tonnen Getreide aus der Ukraine transportieren. Guterres kündigte außerdem ohne weitere Details an, dass die UN mit einem geliehenen Schiff selbst Getreide aus dem Land bringen wolle.
Die Ukraine und Russland hatten am 22. Juli unter Vermittlung der Vereinten Nationen und der Türkei ein Abkommen unterzeichnet, um von drei Häfen aus wieder Getreideausfuhren aus der Ukraine zu ermöglichen. Ein erstes Schiff verließ am Montagmorgen den Hafen von Odessa. Getreideexporte unter anderem über Odessa waren wegen des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine zuletzt monatelang blockiert gewesen.
Guterres betonte am Montag, dass der Krieg enden müsse. «Ich hoffe, dass die heutigen Nachrichten ein Schritt in Richtung dieses Ziels sein können, für die Menschen in der Ukraine und der Russischen Föderation und für die Welt.»
Guterres warnt vor größter nuklearer Gefahr seit dem Kalten Krieg
Angesichts zahlreicher Krisen weltweit hat UN-Generalsekretär António Guterres vor dem steigenden Risiko atomarer Vernichtung gewarnt. Die Welt befinde sich in einer «Zeit nuklearer Gefahr, wie es sie seit dem Höhepunkt des Kalten Krieges nicht mehr gegeben hat», sagte Guterres am Montag zum Start der Überprüfungskonferenz zum Atomwaffensperrvertrag (NVV) in New York. «Die Menschheit läuft Gefahr, die Lehren zu vergessen, die in den schrecklichen Feuern von Hiroshima und Nagasaki geschmiedet wurden». Die Welt sei nur ein Missverständnis oder eine Fehlkalkulation von der nuklearen Vernichtung entfernt.
Ziel des Vertrags über die Nichtverbreitung von Kernwaffen von 1970 ist es, die Streuung von Atomwaffen zu verhindern, nukleare Abrüstung voranzutreiben und die friedlichen Nutzung von Kernenergie zu fördern. 191 Staaten sind dem Abkommen beigetreten - darunter auch die USA, China, Russland, Frankreich und Großbritannien. Alle fünf Jahre ist eine Überprüfung darüber vorgesehen, inwieweit die Ziele des Atomwaffensperrvertrags erfüllt wurden. Die zehnte Überprüfungskonferenz sollte bereits 2020 stattfinden, wurde wegen der Corona-Pandemie aber verschoben. Zum Start am Montag sollten auch Außenministerinnen und Außenminister sprechen. Die Konferenz geht bis zum 26. August.
Guterres sagte am Montag weiter, dass die geopolitischen Spannungen einen neuen Höchststand erreicht hätten - und verwies auf den Krieg Russlands gegen die Ukraine, Konflikte in Nahost, auf der koreanischen Halbinsel sowie Krisen mit «nuklearen Untertönen». «Konkurrenz übertrumpft Kooperation und Kollaboration. Misstrauen hat den Dialog ersetzt. Uneinigkeit hat Abrüstung ersetzt.» Die Beseitigung von Atomwaffen sei die einzige Garantie, dass diese niemals eingesetzt würden. Auf dieses Ziel müsse unermüdlich hingearbeitet werden, damit die Menschheit vom Abgrund wegtrete.
Gleichzeitig betonte Guterres, dass die friedliche Nutzung von Nukleartechnologien - auch für medizinische Zwecke - gefördert werden müsse. «Wenn sie für friedliche Zwecke eingesetzt wird, kann diese Technologie ein großer Vorteil für die Menschheit sein.» (dpa)