Der Chef des Öl-Konzerns Lukoil ist offenbar bei einem Fenstersturz in Moskau gestorben. Vorfälle wie dieser häufen sich seit Beginn des Ukraine-Kriegs.
Update vom 1. September, 13.01 Uhr: Der russische Ölkonzern Lukoil hat den Tod seines Vorstandschefs bestätigt. Maganow sei an den Folgen einer „schweren Krankheit“ gestorben“, teilte das Unternehmen in Moskau mit, ohne nähere Angaben zu Maganows Tod zu machen.
Neben Maganow sind seit Jahresbeginn mehrere Manager russischer Energiekonzerne tot aufgefunden worden. Sie sollen sich laut Medienberichten das Leben genommen haben. In einem Video-Interview, das Ende April auf Youtube veröffentlicht wurde, bezweifelte der langjährige Vizechef der Gazprombank, Igor Wolobujew, allerdings, dass es sich um Suizide handelte.
Lukoil-Topmanager nach Fenstersturz in Moskau gestorben
Erstmeldung vom 1. September: Moskau - Der russische Öl-Manager Rawil Maganow ist am Mittwoch (31. August) aus einem Moskauer Krankenhausfenster gestürzt – und dabei wohl ums Leben gekommen. Das berichtet unter anderen die Nachrichtenagentur Reuters. Im März hatte sich Maganows Konzern Lukoil öffentlich für ein Ende von Russlands Krieg in der Ukraine ausgesprochen.
Eine offizielle Bestätigung zu Maganows Tod gab es zunächst nicht. Die Polizei hat Ermittlungen eingeleitet, als wahrscheinlichste Ursache gilt laut Medienberichten ein Suizid. Bei Maganow sei im Krankenhaus neben Herzproblemen eine Depression diagnostiziert worden, heißt es.
Russischer Öl-Chef verunglückt - seit Ukraine-Krieg kein Einzelfall
Ob die einzelnen Todesfälle zusammenhängen, kann nicht verifiziert werden. Autor und Russland-Kenner Bill Browder vermutete auf Twitter, die westlichen Sanktionen gegen Russland und seine Oligarchen könnten ein Grund sein: Für die Multimillionäre bleibe durch sie zunehmend weniger Geld zu Verfügung.
Experten der EU-Kommission bestätigten der Nachrichtenagentur dpa im Juli, dass in gut vier Monaten russische Vermögenswerte in Höhe von rund 13,8 Milliarden Euro eingefroren wurden - zum Beispiel eben von Oligarchen und anderen Unterstützern von Kremlchef Wladimir Putin.
Wladimir Putin: Der Aufstieg von Russlands Machthaber in Bildern
Todesfälle unter russischen Oligarchen: von Putin abgenickt?
Russischen Medien berichteten zwar, dass es sich um Selbstmorde gehandelt habe. Beobachter sind aber skeptisch. „Es läuft eine Säuberung“, vermutete der schwedische Wirtschaftwissenschaftler und Russland-Experte Anders Aslund in der New York Post und berief sich dabei auf Quellen in Russland. Putin soll ihre „Liquidierung“ genehmigt haben, behauptete er.
Der Grund ist laut Aslund die Furcht davor, dass Informationen durchsickern könnten, wie Russland seine Operationen im Ausland bezahlt. „Putin finanziert viele seiner Operationen durch Gazprom und Gazprombank, und die Führungskräfte, die dort arbeiten, wissen alles über die geheime Finanzierung“, sagte er.
Oligarchen in Russland: Mehr Reichtum nach Ende der Sowjetunion
Nach dem Ende der Sowjetunion fasste auch der Kapitalismus mit seinen zahlreichen Privatisierungen in Russland Fuß - wovon vor allem einige Oligarchen profitierten. Maganows Bruder Nail ist Chef des russischen Ölkonzerns Tatneft. Am 1. September wurde bekannt, dass die USA einen Lukoil-Flieger wegen Sanktions-Verstößen festsetzen.
Anfang August hatte die US-Regierung unter Präsident Joe Biden neue Sanktionen gegen Kreml-nahe Oligarchen verhängt. Hintergrund ist der russische Angriffskrieg auf die Ukraine. Finanzministerin Janet Yellen betonte bei der Ankündigung: „Während unschuldige Menschen unter dem illegalen Angriffskrieg Russlands leiden, haben sich Putins Verbündete bereichert und einen opulenten Lebensstil finanziert.“ (frs)