VonFelix Durachschließen
In Russland häufen sich in den vergangenen Monaten zum Teil mysteriöse Todesfälle unter Geschäftsmännern. Sie alle haben eine Verbindung zum Konzern Gazprom.
Moskau – Am vergangenen Montag wurde der russische Oligarch und Multimillionär Juri Woronow tot in seiner Villa in den Vororten von St. Petersburg aufgefunden. Wie die britische Daily Mail berichtet, trieb der 61-Jährige mit dem Gesicht nach unten in seinem Pool als er entdeckt wurde – mit einer Schusswunde im Kopf. Woronow war Geschäftsführer einer Logistik-Firma, die über lukrative Verträge mit dem russischen Gaskonzern Gazprom verfügte. Die zuständigen Ermittler gehen davon aus, dass der Tod des Millionärs das Ergebnis eines „Streits zwischen Geschäftspartner“ war.
Gazprom-Oligarchen „sterben wie die Fliegen“ - mysteriöse Todesserie
Fälle wie der von Woronow sind in den zurückliegenden Monaten bei weitem keine Seltenheit mehr in Russland. Mindestens sechs weitere Geschäftsmänner starben in diesem Jahr unter zum Teil mysteriösen Umständen – sie alle hatten Verbindungen zu Gazprom. Zuvor berichtet ntv über die Vorfälle. Der russische Unternehmer, Autor und Russland-Kenner Bill Browder schrieb nach dem Tod von Woronow auf Twitter: „Das ist verrückt. Unternehmer mit Verbindungen zu Gazprom sterben wie die Fliegen.“ Folgende Oligarchen und Unternehmern sind seit Beginn des Jahres unter besonderen Umständen verstorben-
Leonid Schuldman (60): Der ehemalige Gazprom-Manager starb bereits im Januar – noch vor dem Beginn des Ukraine-Kriegs. Schuldman wohnte im gleichen Villenviertel von St. Petersburg wie Woronow und wurde tot in seinem Badezimmer aufgefunden. Neben der Leiche wurde den Behörden zu Folge ein Abschiedsbrief gefunden.
Alexander Tyulakow (61): Drei Wochen nach Schuldmann starb der stellvertretende Generaldirektor der Finanzabteilung von Gazprom. Tyulakow wurde in erhängt in seinem Haus gefunden. Lokalreporter berichteten jedoch, dass der Körper des Opfers Zeichen von Gewalteinwirkungen aufweise. Damit suggerierten sie, dass die Erhängung eventuell nur inszeniert seien könnte.
Gazprom-Oligarchen: Innerhalb weniger Tage - Zwei russische Millionäre sollen ihre Familien getötet haben
Waldislaw Awajew (51): Im April berichteten russische Medien, der ehemalige Vize-Chef der Gazprom-Bank habe zunächst seine Frau und seine 13-jährige Tochter und anschließend sich selbst getötet. Freunde der Familie hatten Berichte bestritten, wonach es sich bei dem Verbrechen um eine Eifersuchtstat gehandelt haben soll.
Sergej Protosenja (55): Nur wenige Tage nach Awajew soll auch der Multimillionär Protosenja in Spanien seine Frau und Tochter mit einer Axt getötet haben. Der 55-Jährige soll sich nach der Tat erhängt haben. Protosenja war Ex-Vorsitzender des russischen Energieunternehmens Nowatek, an dem Gazprom 10 Prozent der Firmenanteile hält. Beobachter zweifeln wie bei Awajew den Ablauf des Verbrechens an.
Gazprom-Oligarchen: Mysteriöser Todesfall - Russischer Millionär stirbt nach Schamanen-Behandlung
Andrej Krukowski (37): Der Manager des von Gazprom betriebenen Skiresorts Krasnaja Poljana starb im Mai. Der 37-Jährige soll beim Wandern von einer Klippe gestürzt sein.
Alexander Subbotin (43): Unter den wohl kuriosesten Umstände starb das frühere Vorstandsmitglied des Energiekonzerns Lukoil. Russischen Medienberichten zufolge wollte der 43-Jährige seine Alkoholsucht bekämpfen und gab sich in die Behandlung von Schamanen im Norden Moskaus. Diese sollen dem Millionär Krötengift in zuvor zugefügte Schnitte in der Haut geträufelt haben. Subbotin legte sich anschließend im Keller der Schamanen zu Ruhe und verstarb.
Mysteriöse Todesfälle unter Gazprom-Oligarchen - „Kein Zufall“
Ob die Todesfälle zusammenhängen, kann jedoch nicht final geklärt werden. Browder liefert die westlichen Sanktionen gegen russischen Oligarchen als Erklärungsansatz für die Reihe an Todesfällen. Für die russischen Multimillionäre bleibe durch die Sanktionen zunehmen weniger Geld zu Verfügung. „Immer wenn es begrenzte Ressourcen und mächtige Menschen gibt, werden Menschen ermordet“, erklärte Browder in der Dokumentation „Secrets of the Oligarch Wives“ aus der das Portal Newsweek zitiert. Der 58-Jährige erklärte, dass solche Morde oft so durchgeführt werden, dass sie wie Selbstmorde aussehen würden.
Auch der russische Banker German Gorbuntsow geht in der Doku ebenfalls davon aus, dass es sich bei der Häufung der Vorfälle um „keinen Zufall“ handle. Der 56-Jährige überlebte selbst im Jahr 2012 nur knapp einen Mordanschlag, hinter dem ein Moskauer Verbrechersyndikat vermutet wurde.
Die polnische Denkfabrik „Warsaw Institue“ liefert noch einen weiteren Erklärungsansatz. Die Todesfälle könnten von Menschen mit Verbindungen zum Kreml zusammenhängen, die ihre Spuren zu Betrugsdelikten in den russischen Staatskonzernen verwischen wollen, wie die ntv unter Berufung auf die Denkfabrik berichtete. Zuvor gab es Gerüchte, dass der russische Machthaber Wladimir Putin die „Liquidierung“ einiger Oligarchen angeordnet habe. (fd)
