London will nachziehen

Oligarchen-Paläste für Geflüchtete? Aktivisten kapern die Villa von Putins Tochter

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Die „LADY M“ des russischen Oligarchen Mordaschow wurde Anfang März im Hafen von Imperia beschlagnahmt.
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Ukraine-Flüchtende: In Frankreich kapern Aktivisten eine Oligarchen-Villa, in London besetzen Aktivisten Oligarchen-Immobilien. Eine Idee nimmt Gestalt an.

London/Biarritz - Politische Aktivisten in Frankreich, Italien und Großbritannien - und nun auch Londons Bürgermeister Sadiq Khan: Immer mehr Menschen setzen sich dafür ein, dass Villen und Yachten von Wladimir Putins Oligarchen einen neuen Zweck bekommen. Sie sollen im Rahmen der EU-Sanktionen gegen Russland nicht nur beschlagnahmt werden, sondern als Wohnsitz für Menschen dienen, die wegen des Ukraine-Kriegs fliehen mussten.

Und die Immobilien und Yachten der Oligarchen haben es in sich. Sie sind bis zu mehreren Hundert Millionen Euro wert. Italien beschlagnahmte bereits Luxusyachten. Im französischen Mittelmeerort BIarritz nehmen Aktivistinnen und Aktivisten die Angelegenheit jetzt selbst in die Hand: Sie haben die Villa von Putins Tochter, Katerina Wladimirowna Tichonowa, laut BR-Informationen in ihre Hände gebracht und die Schlüssel ausgetauscht.

Ukraine-Krieg: Aktivisten in Frankreich besetzen Luxusvilla und stellen sie Ukrainern zur Verfügung

Für die Villa mit acht Schlafzimmern im französischen Nobel-Urlaubsort Biarritz ist laut BR Putins Tochter Tichanowa im Grundbuch eingetragen. Sie soll sie von ihrem Ex-Mann bekommen haben. Die beiden „Gelbwesten-Aktivisten“ Pierre Haffner und Sergei Saveliev zeigten sich dem Bericht zufolge im Internet mit Fotos aus der Villa und luden aus der Ukraine Geflohene ein, in das Anwesen zu ziehen. Dazu hätten sie auch schon mit der Stadtverwaltung Kontakt aufgenommen. Das Anwesen soll ihrem Willen nach von „Villa Altamira“ nun in „Villa Ukraine“ umbenannt werden

Und auch in London werden Tatsachen geschaffen: Mehrere pro-ukrainische Aktivisten besetzten am Montag eine Immobilie in der Nähe des Botschaftsviertels in London, die dem Putin-Vertrauten Oleg Deripaska zugeordnet wird. Der Multimilliardär aus Russland steht inzwischen auf der britischen Sanktionsliste. Die Hausbesetzer erklärten der Nachrichtenagentur PA zufolge, die Immobilie gehöre nun ukrainischen Flüchtlingen. Auf Fotos waren mehrere Personen auf einem Balkon mit Bannern zu sehen, auf denen unter anderem zu lesen war: „Diese Immobilie wurde befreit“.

Ukraine-Krieg/Londons Bürgermeister: „Ein Großteil der Wohnungen steht ohnehin leer“

Londons Bürgermeister Sadiq Khan hat sich dafür ausgesprochen, ukrainische Flüchtlinge in Immobilien russischer Oligarchen in der britischen Hauptstadt unterzubringen. Ein Großteil der Wohnungen in London stehe ohnehin leer, sagte Khan am Montag. Der Labour-Politiker geht davon aus, dass viele Immobilien russischer Superreicher eher zur Geldwäsche gekauft wurden, als um darin zu wohnen. Es handle sich nicht um Wohnungen, sondern um „goldene Backsteine“, so Khan weiter.

„Ich finde, die Regierung sollte sie beschlagnahmen und bevor sie verkauft werden, sollten sie dazu verwendet werden, Ukrainer unterzubringen“, sagte er. Das sei eine Art der „poetischen Gerechtigkeit“. Die britische Regierung hat ihren lange Zeit als lasch kritisierten Umgang mit russischen Oligarchen in den vergangenen Wochen im Zuge des eskalierten Ukraine-Konflikts verschärft. Noch in dieser Woche soll ein neues Gesetz in Kraft treten, das es Superreichen aus dem Ausland erschwert, sich beim Kauf von Immobilien und anderen Investitionen in Großbritannien hinter Briefkastenfirmen und Strohmännern zu verstecken. Alle aktuellen Entwicklungen aus dem Ukraine-Krieg lesen Sie in unserem News-Ticker. (dpa/kat)

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