Ukraine-Partisanen fügen Putins Truppen wohl schwere Verluste zu
VonFelix Durach
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Ukraine-Partisanen verbreiten unter russischen Besatzern Schrecken. Bei einem Giftanschlag sollen nun 26 russische Soldaten getötet worden sein.
Mariupol – Eine Gruppe von pro-ukrainischen Partisanen attackiert offenbar seit Monaten russische Soldaten und Infrastruktur in der besetzten Stadt Mariupol. Am Montag (16. Oktober) sorgte ein weiterer Vorfall für Aufsehen. Die Partisanen sollen dabei das Essen von mindestens 41 russischen Soldaten vergiftet haben. 26 Truppenmitglieder seien durch das Gift gestorben. 15 weitere Soldaten liegen aktuell wohl noch auf der Intensivstation. Das berichten ukrainische Medien.
„Das ist die Aktivität von Partisanen. Möglich wurde es durch eine neue Rotation und weil die Orks Idioten sind“, zitierte das ukrainische Medium Kyiv Post eine Quelle aus dem Umfeld der Partisanen - „Orks“ ist eine abwertende Bezeichnung für russische Soldaten.
Ukraine-Krieg: Giftanschlag auf russische Soldaten in Mariupol
An der über Wochen hinweg geplanten Aktion waren angeblich auch Köche der russischen Armee beteiligt. Die russischen Soldaten seien „mit Gift gefüttert“ worden, „die Köche und ihre Familien sind jetzt in Sicherheit“, sagte die Quelle weiter. Wo der Anschlag stattgefunden hat, ist jedoch nicht bekannt. Die Berichte ließen sich nicht unabhängig überprüfen.
Bilder des Ukraine-Kriegs: Großes Grauen und kleine Momente des Glücks
Petro Andrjuschtschenko, ein Berater des ukrainischen Bürgermeisters von Mariupol, bestätigte den Vorfall am Montag auf seinem Telegram-Account. „Insgesamt hat der Mariupol-Widerstand im Sommer und in den beiden Herbstmonaten mehr als 40 Besatzer auf verschiedene Weisen eliminiert. Auf jeden Fall eine gute Nachricht“, schrieb Andrjuschtschenko an seine 20.000 Follower. Mariupol bleibe „unzerbrechlich und unbesiegt“. Nach eigenen Angaben hat der Berater des Bürgermeisters jedoch „keine Ahnung“, wer für die Angriffe auf die Besatzungstruppen verantwortlich ist.
Ukrainische Partisanen bekämpfen russische Besatzer in Mariupol
Die Hafenstadt Mariupol liegt im Südosten der Ukraine, knapp 50 Kilometer vor der Grenze zu Russland. Vor dem Krieg lebten über 440.000 Einwohner in der Stadt, die vor allem für ihre Eisen- und Stahlproduktion bekannt war und als wichtiger Wirtschaftsstandort galt. Wenige Tage nach dem Beginn des Ukraine-Kriegs besetzen russische Truppen die Stadt im Rahmen der Belagerung von Mariupol.
Die ukrainischen Verteidiger harrten über Wochen hinweg in dem nahe der Stadt gelegenen Asow-Stahlwerk aus, ehe sich die verbleibenden Soldaten um Kommandeur Denys Prokopenko auf Befehl der ukrainischen Militärführung hin ergaben. Mariupol liegt im Oblast Donezk, der 2022 zusammen mit drei weiteren Oblasten von Russlands Präsident Wladimir Putin per Dekret annektiert worden war.
Der Stadtrat von Mariupol meldete bereits im Juli den Tod von acht russischen Soldaten. Sechs der Opfer seien erstochen, zwei weitere durch einen Kopfschuss getötet worden, hieß es damals. Auch das Portal Ukrainska Pravda berichtete von den Vorfällen. Die russische Militärbesatzung habe die Todesfälle bewusst klein gehalten, um keine Panik unter den Soldaten zu verbreiten, lautete ein Vorwurf von ukrainischer Seite. Ob die Vorfälle im Juli und der jüngste Gift-Anschlag von der gleichen Partisanen-Gruppierung ausgeführt wurde, war zunächst unklar.
Wiederholte Partisanen-Angriffe im Ukraine-Krieg - Moskau reagiert
Ukrainische Partisanen war es in den vergangenen Monaten auch immer wieder gelungen, der russischen Infrastruktur in den besetzten Gebieten Schaden zuzufügen. Im August legten Partisanen ein Feuer auf einer russischen Militärbasis, bei dem offenbar drei Lastwägen und fünf weitere Fahrzeuge zerstört wurden. Das meldete Andrjuschtschenko über Telegram.
Erst vor wenigen Tagen gelang Partisanen darüber hinaus offenbar ein erfolgreicher Schlag gegen die russischen Nachschubstrecken. Dabei sollen die Kämpfer einen Zug in die Luft gesprengt und die russischen Versorgungslinien nach Saporischschja unterbrochen haben. Auch wegen der Vorfälle plant Moskau nun den Bau einer alternativen Zugstrecke nach Mariupol, um das Abschneiden der Nachschubwege zu erschweren.
Inwieweit die Vorfälle der Partisanen zentral koordiniert werden, lässt sich nur schwer abschätzen. Das Nationale Widerstandszentrum der Ukraine schrieb zu einem Beitrag über die Angriffe auf die Versorgungslinien am Montag (16. Oktober): „Jeden Tag riskieren Ukrainer in den vorübergehend besetzten Gebieten ihr Leben, um zur Vernichtung des Feindes beizutragen.“(fd)