Ukraine mit dem Rücken zur Wand

Norden oder Westen: Russlands zwei Optionen für neue Offensiven

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Das russische Militär rückt im Oblast Donezk immer weiter in den Westen der Ukraine vor. Es hat nun zwei Möglichkeiten für weitere Angriffe.

Donezk – In den Oblasten Donezk und Luhansk im Osten der Ukraine ist das Ziel des russischen Militärs momentan, sich den Rest der Gebiete zu sichern, die es 2022 annektiert hatte. Zuletzt haben die ukrainischen Streitkräfte sich in der Region nach eigenen Angaben aus Semeniwka, Berdychi und Nowomychajliwka zurückgezogen, womit sich die Frontlinie bei Donezk ein Stück weiter nach Westen verschoben hat. Im weiteren Verlauf stehen dem russischen Militär nun zwei Optionen bei der Frage offen, wie es weiter vorgeht.

Diese Theorie haben Experten des US-amerikanischen Thinktanks „Institute for the Study of War“ (ISW) in ihrem Update zum Ukraine-Krieg aufgestellt. Eine erste Wahlmöglichkeit besteht darin, dass die Streitkräfte Russlands weiter nach Westen in Richtung der Stadt Pokrowsk vorzustoßen. Prominente Blogger würden behaupten, dass das russische Militär gegenwärtig genau das tue und Offensiven durchführe, um an der Frontlinie in weitere westliche Orte vorzudringen, so das ISW.

Ein ukrainischer Soldat nahe Bachmut.

Mehrere Optionen für Russlands Offensive: Im Norden kämpft das Militär in Tschassiw Jar

Eine zweite Option ist laut dem Thinktank die Ausrichtung nach Norden. Dort könnten die russischen Streitkräfte ihren Angriff auf Tschassiw Jar verstärken, eine Stadt westlich von Bachmut. Ein Vorstoß würde die russischen Soldaten ein Stück weiter in Richtung von Kramatorsk und Slowjansk bringen. Das sind die letzten beiden Großstädte im Oblast Donezk, die noch unter ukrainischer Kontrolle sind. Kiew gibt an, dass die russische Militärführung die Eroberung der Stadt Tschassiw Jar zum Tag des Sieges am 9. Mai als Erfolg vermelden will. An diesem wichtigsten Feiertag erinnert Russland an den Sieg der Sowjetunion gegen das Deutsche Reich im Zweiten Weltkrieg.

Im vergangenen Halbjahr ist die Ukraine wegen stockender Munitions- und Waffenlieferungen, aber auch zunehmend wegen fehlender Soldaten, stark in die Defensive geraten. Die Front ist in Bewegung gekommen, seitdem das ukrainische Militär die zur Festung ausgebaute Kleinstadt Awdijiwka westlich der seit 2014 von prorussischen Kräften kontrollierten Gebietshauptstadt Donezk verloren hat. Nachdem es in den Monaten vorher um Geländegewinne von wenigen Hundert Metern gegangen war, sind die russischen Truppen seit Februar 15 Kilometer vorgedrungen und haben eine Reihe neuer Ortschaften besetzt. (ses/dpa)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Madeleine Kelly

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