VonSandra Katheschließen
Bald sollen die ersten von rund 4000 Bundeswehr-Kräften für die Litauen-Brigade an die Nato-Ostflanke verlegt werden. Mit dabei: Viele Soldaten aus Bayern.
Berlin/Vilnius – Aus Gründen der „Abschreckung und Verteidigung“ plant das Bundesverteidigungsministerium unter SPD-Minister Boris Pistorius eine neue „Litauen-Brigade“ mit rund 4000 Soldaten an der Nato-Ostflanke zu stationieren. Pistorius spricht von einem „Leuchtturmprojekt der Zeitenwende“. Doch wie das Nachrichtenmagazin Spiegel berichtet, rechnet die Bundeswehr bereits zu Beginn der Umsetzung mit Schwierigkeiten.
So solle die „robuste Brigade“ aus rund 4000 Männern und Frauen der Bundeswehr bestehen und Deutschland zum ersten Partner machen, der eine Einheit fest in dem Nato-Partnerland stationiert. Laut Spiegel-Bericht soll die Verlegung der Streitkräfte und zivilen Bundeswehr-Beschäftigten jedoch auf freiwilliger Basis erfolgen, sodass die Bundeswehr bereits über „monetäre und nicht monetäre Anreize“ nachdenkt, um die Schaffung der neuen Brigade, die ab 2024 aufgebaut werden soll, zu ermöglichen. Eine offizielle Stellungnahme der Bundeswehr zitiert ähnlich auch Pistorius, der betonte, es läge an der Bundeswehr, den Einsatzkräften „ein attraktives Umfeld in Litauen zu schaffen“.
Litauen-Brigade der Bundeswehr: An deutschen Standorten soll kompensiert werden
Bereits konkret geplant ist die Verlegung zweier Kampftruppenbataillone aus Bayern und Nordrhein-Westfalen, die gemeinsam mit dem bereits in Litauen stationierten multinationalen Nato-Gefechtsverband (eFP battle group) den Anfang machen sollen. Das berichtete die Deutsche Presse-Agentur und gab an, dass die beiden Einheiten auf Vorschlag von Generalinspekteur Carsten Breuer ausgewählt worden seien. Bei der Einheit aus Nordrhein-Westfalen gehe es um das Panzerbataillon 203 (Augustdorf), bei der aus Bayern um das Panzergrenadierbataillon 122 (Oberviechtach).
Um die Verlegung der beiden Bataillone zu kompensieren, verwies das Ministerium auf Pläne, nach denen an den deutschen Standorten aufgestockt werden soll. So werde in Augustdorf das Panzerartilleriebataillon 215 neu aufgestellt. Nach Oberviechtach werde das Artilleriebataillon 131 aus Weiden verlegt. Zudem wird die Neuaufstellung einer leichten Versorgungskompanie geprüft. Darüber hinaus soll in Weiden die Aufstockung des gerade neu aufgestellten Panzerartilleriebataillons 375 fortgesetzt werden.
Bundeswehr an der Nato-Ostflanke: Verlegungen wohl ab zweitem Quartal 2024
Zu den Maßnahmen, die die Bundeswehr plant, um die Entscheidung für den langfristigen Einsatz in Litauen attraktiver zu machen, zählen laut Spiegel-Bericht ein „Maßnahmen-Mix aus Auslandszuschlägen, regelmäßigen Reisen nach Deutschland, Schulen und Kitas vor Ort sowie Aufstiegsmöglichkeiten und einer Absenkung des Pensionsalters“. Denn statt wie bei bisherigen Auslandseinsätzen auf ein Rotations-System zu setzen, bei dem die Einsatzkräfte einige Monate am Stück im Ausland sind und dann zurückkommen, ist vorgesehen, dass die Personen der Litauen-Brigade langfristig im Baltikum bleiben und dort auch mit ihren Familien leben können.
Bundeswehr-Generalinspekteur Carsten Breuer betonte, der Plan, eine „robuste Kampftruppenbrigade“ an die Nato-Ostflanke zu verlegen, zeige die Verlässlichkeit Deutschlands als Nato-Partner sowie den ernsthaften Willen zu Abschreckung und Verteidigung in Richtung möglicher oder vorhandener Gegner, wie die dpa berichtet. Ein Vorkommando der Litauen-Brigade, die den Namen Panzerbrigade 42 haben wird, soll im zweiten Quartal 2024 in Litauen sein, der Aufstellungsstab der neuen Panzerbrigade im letzten Quartal 2024. (saka mit dpa)
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