Schwedens Nato-Beitritt

Die Ostsee wird zum „Nato-Meer“ – und deshalb zum Problem für Russland

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Schweden ist kurz vor dem Beitritt in die Nato – das macht die Ostsee zum „Nato-Meer.“ Russland sieht das anders und droht mit Konsequenzen.

Stockholm – Schweden steht kurz vor der Aufnahme in die Nato. Nachdem Ungarn als letzter Mitgliedsstaat zugestimmt hatte, fehlen noch die Formalien. Die offizielle Begrüßung des nordeuropäischen EU-Landes als 32. Mitglied des westlichen Verteidigungsbündnisses ist in greifbarer Nähe – das verändert auch die Lage in der Ostsee. Russland hält nichts von dem bevorstehenden Beitritt.

„Nato-Meer“: Schwedens bevorstehender Beitritt lässt Nato in der Ostsee dominieren

Als Reaktion auf den Ukraine-Krieg ist im vergangenen Jahr bereits Finnland der Nato beigetreten. Mit der Aufnahme Schwedens umkreisen nun Nato-Mitglieder die Ostsee – unter anderem Dänemark, Norwegen, Lettland, Litauen, Estland und Deutschland. Die Ostsee wird zum „Nato-Meer.“ „Russlands Invasion in der Ukraine hat die Ostsee zu einem NATO-Meer gemacht“, postete Samuel Ramani, Associate Fellow am Royal United Services Institute auf X (ehemals Twitter). „Die europäische Sicherheit hat gerade einen großen positiven Sprung gemacht. Die Auswirkungen sind rund um die Ostsee – von jetzt an ein NATO-Meer – am unmittelbarsten“, schrieb der estnische Generalsekretär für auswärtige Angelegenheiten, Jonatan Vseviov auf der Plattform.

Russland droht mit Folgen eines Nato-Beitritts von Schweden.

Der Nato-Beitritt Schwedens sei ein „strategischer Rückschlag“ für Russland, erklärte Dan Fried, ehemaliger stellvertretender US-Außenminister für Europa und Mitglied des Atlantic Council gegenüber Newsweek. Besonders weil „Putin die Bedrohung der Ukraine durch die NATO-Erweiterung für den Auslöser der russischen Invasion verantwortlich“ macht.

„Suwalkie-Lücke“: Russische Bedrohung trotz „Nato-Meer“

Dennoch solle die Situation künftig nicht unterschätzt werden, so Mark Hertling, der ehemalige kommandierender General der US-Armee in Europa. „Die meisten haben noch nie von Kaliningrad oder der Suwalkie-‚Lücke‘ gehört“, schrieb er auf X. „Diejenigen von uns, die in Europa gedient haben, glauben, dass ein Fall der Ukraine die nächste Expansion Russlands sein wird.“

Die Suwalki-Lücke ist ein rund 65 Kilometer schmaler Streifen Land zwischen Polen und Litauen. Am einen Ende dieses Streifens liegt Belarus, am anderen die russische Exklave Kaliningrad. Sie gilt als die schwächste Stelle der NATO und könnte Russlands nächster Schwerpunkt sein. Die Folge: Das ganze Baltikum könnte abgeschnitten werden.

Russische Botschaft: Schwedens Nato-Beitritt werde negative Auswirkungen haben

Russland reagierte auf die Freude zur bevorstehenden Aufnahme von Schweden in das Bündnis. Entgegen der Aussagen von Nato-Verbündeten werde die Ostsee niemals zu einem „Nato-Meer“ werden, hieß es in einem Kommentar, den die russische Botschaft in Stockholm am späten Dienstagabend veröffentlichte. Der schwedische Beitritt zu einem Militärblock, der Russland feindlich gegenüberstehe, werde sich negativ auf die Stabilität in Nordeuropa und in der Ostseeregion auswirken.

Der Kreml werde Vergeltungsmaßnahmen politischer und militärisch-technischer Natur ergreifen, um Bedrohungen seiner nationalen Sicherheit zu unterbinden, hieß es weiter. Diese Maßnahmen seien abhängig von der Integration Schwedens in die Nato – etwa der möglichen Entsendung von Nato-Truppen und Waffen nach Schweden. (dpa/hk)

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/AP | Salvatore Cavalli

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