Unterstützung ist „sehr feindselig“

Epstein-Liste löst im Trump-Lager Streit aus – Vertraute packen aus

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In Washington spitzt sich der Streit um die Epstein-Akten zu: Selbst Parteikollegen kritisieren Trump offen – die Abstimmung könnte bedrohlich werden.

Washington, D.C. – In der amerikanischen Hauptstadt bahnt sich ein politischer Sturm an: Donald Trump gerät im Streit um die Epstein-Akten immer stärker unter Druck – von Gegnern, aber auch aus den eigenen Reihen. Zwischen harscher Kritik, hitzigen TV-Debatten und einer drohenden Abstimmung im US-Repräsentantenhaus steht der US-Präsident und Oberhaupt des Multimilliardärsclans vor der Frage, ob er sein zentrales Wahlkampfversprechen wirklich einlösen kann.

Zweimal recht freundlich: Dieses gemeinsame Bild mit Jeffrey Epstein (l.) würde Donald Trump wohl gerne verbannen.(Archivbild)

Besonders brisant: Selbst republikanische Hardliner wie Marjorie Taylor Greene wenden sich offen gegen das Weiße Haus. Parallel kündigt eine Demokratin an, die entscheidende Stimme für eine Abstimmung zur Veröffentlichung der Akten liefern zu wollen. Damit wächst die Wahrscheinlichkeit, dass Trumps Zögern in der Epstein-Affäre von einer Parteistreitigkeit zur Staatskrise keimt.

Marjorie Taylor Greene packt aus – Trump unter Druck

Am vergangenen Sonntag (28. September) erfolgte in der Causa Epstein ein Doppelschlag: Die rechts-konservative Kongressabgeordnete der Republikaner, Marjorie Taylor Greene aus Georgia, packte im Interview mit der New York Times aus. Sie zeigte sich von ihrer eigenen Partei und Präsident Donald Trump nachdrücklich desillusioniert, nachdem sie vom Weißen Haus wegen ihrer Unterstützung für einen Gesetzentwurf zur Freigabe der Epstein-Akten bedroht wurde.

In dem Interview erzählt sie, dass ein Trump-Beamter bekannt gegeben habe, er stufe ihre Unterstützung als „sehr feindseligen Akt“ ein. Daraufhin habe die 51-Jährige einen hochrangigen Mitarbeiter des West Wing im Weißen Hauses angerufen – jenem Gebäudeflügel, in welchem sich auch das Oval Office des Präsidenten befindet – und wehrte sich gegen die Bekanntgabe: „Ich habe ihnen gesagt: ‚Ihr habt mich nicht gewählt. Ich arbeite nicht für euch, ich arbeite für meinen Wahlkreis‘“, erklärt sie gegenüber der New York Times.

„Wir sollten uns nicht einfach unsere Stimmen abnehmen lassen, nur weil sie uns mit dieser beängstigenden Drohung sagen, was wir zu tun haben“. Auch die Drohung, man werde Greene nicht zu den Veranstaltungen des Weißen Hauses einladen, sei Greene „egal“. Wenn sie heute mit derartigen Taktiken aus Trumps Team konfrontiert werde, sagt sie im Interview: „Ich denke mir nur: [Schimpfwort] dich“.

Epstein-Akten: CNN konfrontiert Trump-Sprecher

Neben der harschen Kritik aus den eigenen Reihen gerät US-Präsident Donald Trump auch wegen einer bevorstehenden Abstimmung über die Veröffentlichung der Epstein-Akten unter Druck. Am selben Tag des New York Times-Interviews lieferte sich CNN-Moderator Jake Tapper ein hitziges Wortgefecht mit dem Sprecher des Repräsentantenhauses, Mike Johnson. Thema war die Frage, ob die Teilnehmer des Sturms auf das Kapitol vom 6. Januar mit Konsequenzen durch die Trump-Regierung rechnen müssten.

Johnson wich mehrfach aus und griff zu Verschwörungstheorien. Schließlich versuchte er, die Debatte zu beenden: „Das wird alles ans Licht kommen. Das amerikanische Volk verdient vollständige Transparenz.“ Tapper stimmte augenscheinlich zu „Vollständige Transparenz, hundertprozentig“ – nur um sofort die Brücke zu den Epstein-Akten zu schlagen: „Ich bin immer für vollständige Transparenz, auch was die Epstein-Akten angeht, die wahrscheinlich bald im Repräsentantenhaus behandelt werden und über die wir viel diskutieren werden.“

Freigabe der Epstein Listen: Neue Hoffnung im Kongress – alle Stimmen zusammen

Besonders im Repräsentantenhaus verdichtete sich die Luft für den US-Präsidenten zuletzt zusehends. Eine Gruppe Abgeordneter forderte eine sofortige Freigabe der Epstein-Akten durch das Justizministerium. Mithilfe einer Petition will die Gruppe, welcher auch Republikaner angehören, eine Abstimmung über die Freigabe erzwingen. Bislang fehlte ihnen jedoch eine entscheidende Stimme.

Diese fehlende Stimme könnte nun die frisch gewählte Demokratin Adelita Grijalva bringen. Wie die Nachrichtenagentur afp berichtet, habe Grijalva laut Medienberichten am Montag erklärt, sie werde „im Falle meiner Wahl an meinem allerersten Tag im Kongress“ die notwendige Petition unterzeichnen. Nach der Wahl erklärte sie in Online-Netzwerken: „Wir haben Geschichte geschrieben – zusammen. An die Arbeit!“

Laut weiterer Berichte von CNN versuchen bereits führende Republikaner, diese drohende Abstimmung zu verhindern. Der Sprecher des Repräsentantenhauses, Mike Johnson, argumentierte, dass die Petition so formuliert sei, dass sie die persönlichen Daten der Opfer nicht ausreichend schütze. Der Sprecher bewertete eine Abstimmung des Repräsentantenhauses als unnötig, solange die Untersuchung des Aufsichtsausschusses noch andauere.

Trump wehrt sich gegen Epstein-Verbindungen: Geburtstagszeichnung sei eine Fälschung

Der verurteilte Sexualstraftäter Epstein war 2019 erhängt in seiner Gefängniszelle in New York aufgefunden worden. Ihm war vorgeworfen worden, zahlreiche Mädchen und junge Frauen missbraucht und an Prominente weitergereicht zu haben. Der schwerreiche Investor hatte über Jahre mit bekannten Größen aus Politik und Gesellschaft verkehrt.

US-Präsident Donald Trump steht in der Epstein-Affäre im Fokus, da seine Regierung nicht wie angekündigt Licht in den Skandal gebracht hat. Anfang des Monats hatte ein Kongressausschuss ein anzügliches Glückwunschschreiben veröffentlicht, das Trump 2003 an Epstein geschickt haben soll. Der US-Präsident bezeichnete das Schreiben als „Fälschung“. (Quellen: New York Times, CNN, afp) (kox)

Rubriklistenbild: © IMAGO / MediaPunch

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