Wohl auch am Massaker beteiligt

Mehrere Deutsche: Berüchtigte Schatten-Einheit bewacht Hamas-Geiseln

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203 Geiseln soll die Hamas im Gazastreifen gefangen halten. Darunter sind neben Israelis mehrere Deutsche. Es ist der gnadenlose Job der Al-Kassam-Brigaden.

Gaza - Der Krieg in Israel wird von einem verheerenden Raketeneinschlag in einem Krankenhaus im Gazastreifen überschattet, für den sich beide Seiten gegenseitig die Schuld zuschieben.

Krieg zwischen Israel und Hamas im Gazastreifen: Al-Kassam-Brigaden sollen Geiseln bewachen

Kurz darauf ist US-Präsident Joe Biden als Vermittler im Nahen Osten eingetroffen. Er verortet die Vereinigten Staaten auf dieser hochbrisanten Reise aber klar an der Seite Israels. Auch, weil sich viele Geiseln noch in der Gewalt der radikalislamistisch palästinensischen Hamas befinden.

203 sollen es nach Angaben aus Tel Aviv sein, darunter auch einzelne deutsche Staatsangehörige wie die 22-jährige Shani Louk. Die Aufgabe, diese Geiseln in und um Gazastadt zu bewachen, hat laut eines Berichts eine „Schatten-Einheit“ der Hamas inne: die Al-Kassam-Brigaden.

Berüchtigte Kämpfer: Männer der Kassam-Brigade der radikalislamistisch palästinensischen Hamas.

Das geht aus einer Analyse des US-amerikanischen Thinktanks „Foundation for Defene of Democracies“ (FDD) hervor, der in den USA das Weiße Haus und den Kongress berät. 2016 habe die Hamas mitgeteilt, dass sie eine eigene Einheit zur Bewachung von Geiseln habe, heißt es in dem Bericht. Es geht demnach um die sogenannten Al-Kassam-Brigaden, den militärischen Flügel der Hamas, der maßgeblich für das Massaker in Israel am 7. Oktober verantwortlich gemacht wird.

Nahostkrieg: Al-Kassam-Brigaden der Hamas - Anschläge gegen israelische Soldaten und Bürger

Die Gründung der Qassam-Brigaden, so eine weitere Schreibweise, wird von westlichen Beobachtern auf 1991 geschätzt. Die Einheit ist nach dem palästinensischen Geistlichen und Freischärler Izz ad-Din al-Qassam (1882-1935) benannt, der sich gewaltsam gegen die britische Mandatsmacht sowie die zionistische Bewegung gestellt hatte. Al-Qassam wurde im November 1935 in einem Gefecht mit den Briten getötet, er gilt in den Palästinensischen Autonomiegebieten bis heute als Nationalheld. Und seine Nachfolger lehnen den jüdischen Staat Israel entschieden ab.

Zwischen 1994 und 2000 sollen die Al-Kassam-Brigaden für mehrere Mordanschläge auf israelische Bürgerinnen und Bürger und Soldaten verantwortlich gewesen sein, weswegen die israelische Armee die Hamas-Einheit während der sogenannten Zweiten Intifada als wesentliches Ziel markierte. Zwischen September 2000 und Februar 2005 verübten radikalislamistische Palästinenser in dieser Zweiten Intifada zahlreiche Selbstmord- und Bombenanschläge auf israelische Einrichtungen, was von der israelischen Seite mit Raketenangriffen beantwortet wurde.

Im Juni 2006 waren die Al-Kassam-Brigaden zudem angeblich an der viel beachteten Entführung des israelischen Soldaten Gilad Schalit beteiligt, der fünf Jahre später gegen 1027 palästinensische Häftlinge eingetauscht wurde. Seither gelang es den israelischen Streitkräften und der Regierung in Jerusalem nicht, diese militärische Einheit der Hamas zu zerschlagen. Am 7. Oktober sollen stattdessen viele Freischärler eben jener Kassam-Brigaden die Sperranlagen am Gazastreifen überwunden haben, ehe mehr als 1300 israelische Bürgerinnen und Bürger ermordet und massakriert wurden.

Krieg im Nahen Osten: Al-Kassam-Brigaden der Hamas – Wohl am Massaker in Israel beteiligt

Der Kommandeur der Qassam-Brigaden, Mohammed Deif, stellte in einer Audiobotschaft die grausame und völkerrechtswidrige Attacke als Reaktion auf die seit 2007 andauernde Blockade des Gazastreifens sowie israelische Razzien in den Städten des Westjordanlands 2022 dar. Wie viele Kämpfende seine Brigaden haben, kann nur geschätzt werden. Es lässt sich nicht unabhängig überprüfen und verifizieren.

Unterschiedlichen westlichen Einschätzungen zufolge hat die Hamas insgesamt zwischen 35.000 und 50.000 Männer unter Waffen. Eine nicht unwesentliche Anzahl davon dürfte aus den Reihen der Al-Kassam-Brigaden stammen. Einige von ihnen waren offenbar auch für die Verschleppung der israelischen und internationalen Geiseln verantwortlich. Und sind es jetzt für deren Bewachung. (pm)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Yousef Mohammed

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