Kirchen-Krach nach Benedikts Tod

Klatsch „eine tödliche Waffe“ – Papst Franziskus äußert sich nach Gänswein-Enthüllungen

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Papst Franziskus während der öffentlichen Trauermesse für den emeritierten Papst Benedikt XVI. auf dem Petersplatz .
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Die Äußerungen von Benedikts Privatsekretär Gänswein sorgen für eine Welle der Kritik. Auch Papst Franziskus äußerte sich nun.

Rom - Nach dem Tod des emeritierten Papstes Benedikt XVI. sorgen Aussagen von dessen Privatsekretär Georg Gänswein für große Unruhe in der katholischen Kirche. Selbst Papst Franziskus äußerte sich nun am Rande eines Gebets.

Gänswein hatte offenbart, dass Benedikt mit Entscheidungen seines Amtsnachfolgers Franziskus nicht glücklich gewesen sei. Auf diese Äußerungen folgte eine Welle der Kritik von hochrangigen Kirchen-Amtsträgern. Franziskus selbst gibt sich unterdessen am Sonntag erneut versöhnlich.

Kirchen-Krach nach Benedikts Tod: Papst Franziskus verurteilt Klatsch als „tödliche Waffe“

Am Tag, an dem Gläubige das Grab des verstorbenen Benedikts in den vatikanischen Grotten besuchen konnten, verurteilte Papst Franziskus Gerüchte und Klatsch. „Brüder, lasst uns teilen, lasst uns die Last des anderen tragen, statt zu plaudern und zu trennen, schauen wir uns mit Mitgefühl an, lasst uns einander helfen. Fragen wir uns: Bin ich ein Mensch, der teilt oder einer, der mitteilt? Die Botschaft von Jesus oder Klatsch?“, sagte Franziskus bei seinem Angelus-Gebet nach Angaben der italienischen La Repubblica. Dann wurde der Papst demnach noch deutlicher und sagte: „Klatsch ist eine tödliche Waffe, die die Bruderschaft tötet“

Direkten Bezug auf die Unruhe nach den Gänswein-Aussagen nahm das Kirchenoberhaupt nicht. Dennoch können die Worte als Reaktion darauf gedeutet werden – und als Versuch des Papstes, die eigenen Reihen zu schließen, um weitere öffentliche Äußerungen von Kirchenmitgliedern zu verhindern.

Fraglich ist unterdessen, ob Georg Gänswein Abstand von weiteren kritischen Worten nehmen wird. Schließlich hatten nicht nur Aussagen in einem Interview für Aufruhr gesorgt, sondern auch Passagen in Gänsweins bald erscheinendem Buch. Dieses trägt den vielsagenden Titel „Nichts als die Wahrheit“. Darin schreibt er nach dpa-Angaben etwa, dass Benedikt 2020 „geschockt“ gewesen sei, als Franziskus ihn als Präfekt des päpstlichen Hauses beurlaubte und dies auch bis heute nicht änderte.

Lässt Gänswein weitere Franziskus-Kritik folgen?

Gänswein (66) sagte zudem im Gespräch mit der Tagespost, dass Benedikt Franziskus‘ Entscheidung, die sogenannte alte Messe stark einzuschränken, „mit Schmerz im Herzen“ gelesen habe. Joseph Ratzinger – Benedikts bürgerlicher Name – ließ diesen Ritus während seines Pontifikats (2005 bis 2013) unter bestimmten Voraussetzungen wieder zu. 

„Es wäre besser gewesen, zu schweigen“, sagte der deutsche Kardinal Walter Kasper im Interview der La Repubblica. Nach dem Tod Benedikts am Silvestermorgen im Alter von 95 Jahren wurden in katholischen Medien Interviews mit seinem langjährigen Vertrauten und Weggefährten Gänswein veröffentlicht. „Jetzt ist nicht der Moment für solche Sache“, befand der 89 Jahre alte Kasper.

Auch andere Kirchenvertreter äußerten sich kritisch. „Ich denke, wenn man Kritik an den Heiligen Vater richten will, muss man das nicht über die Massenmedien manchen, sondern direkt an ihn persönlich“, sagte der Chef der US-amerikanischen Bischofskonferenz, Timothy Broglio, La Repubblica. Man müsse den gesamten Kontext kennen, sagte Kardinal Gerhard Ludwig Müller La Stampa. „Leider ist das eine der Kontroversen, die dem Volk Gottes nicht gut tun.“.

Don Alberto Varinelli aus der Diözese Bergamo in Norditalien rief Gänswein in einem offenen Brief auf, den Buchverkauf zu stoppen, sollte es sich dabei um eine Sammlung von Angriffen handeln. (rjs/dpa)

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