Pro-ukrainische Partisanen planen Marsch nach Moskau - Putin will „Abschaum“ bestrafen
VonNils Thomas Hinsberger
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Im Kampf gegen Putins Armee tragen Partisanentruppen den Krieg nach Russland. Putin fordert, dass der russische Geheimdienst sie „unbegrenzt“ bestraft.
Update vom 19. März, 14.34 Uhr: Russlands Präsident Putin hat den Geheimdienst FSB seines Landes aufgefordert, pro-ukrainische, russische Kämpfer zu identifizieren und zu bestrafen. Die Partisanen haben eine Reihe von tödlichen Angriffen auf russische Gebiete in der Grenzregion zur Ukraine ausgeführt.
Es dürfe nicht vergessen werden, wer diese „Verräter“ sind, sagte Putin am Dienstag (19. März) in einer Ansprache vor Vertretern des Inlandsgeheimdienstes FSB. „Wir müssen sie mit ihren Namen identifizieren.“ Er nannte Russen, die gegen ihr eigenes Land kämpfen, „Abschaum“. Putin hob hervor: „Wir werden sie unbegrenzt bestrafen, wo immer sie auch sein mögen.“
Russische Partisanen wollen bis Moskau ziehen – einem Waffenlager sind sie bereits nahe
Belgorod – Freiwillige Partisanenarmeen spielen im Krieg Russlands gegen die Ukraine plötzlich eine größere Rolle: Mehreren Truppen soll es gelungen sein, russisches Gebiet einzunehmen – in Schlagdistanz liegt nun offenbar auch ein einstiges Lager für atomare Waffen. Vermutlich wollen die pro-ukrainischen Kämpfer aber ohnehin ein größeres Ziel ins Visier nehmen.
Die kremlkritischen Freiwilligentruppen befänden sich nur wenige Kilometer vor dem russischen Waffenlager, berichtete das Nachrichtenportal Newsweek. Insgesamt seien an dem Vorstoß drei Bataillone beteiligt. Es handle sich nicht um ukrainische Kämpfer, sondern um russische Partisanen, die dem Ukraine-Krieg von Russlands Präsident Wladimir Putin kritisch gegenüberstehen.
Drei Freiwilligentrupps vor Atomwaffenlager in Russland
Beteiligt sein sollen die „Freiheitslegion Russlands“, das „Sibirische Bataillon“ und das „Russischen Freiwilligen-Korps“. Nach eigenen Angaben sind die Soldaten erfolgreich in die Regionen Belgorod und Kursk eingedrungen. Nun sollen sie die Kontrolle über das Grenzdorf Gorkowski übernommen haben, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet.
Ein Video zeige, dass die Partisanen eine russische Flagge von einer Schule in dem eingenommenen Dorf entfernt haben. Unabhängig überprüfen lassen sich diese Angaben zwar nicht. Allerdings hatten Partisanen zum Wochenende weitere Angriffe auf die russische Region angekündigt.
Wie Newsweek unter Berufung auf einen Militärblogger auf X (ehemals Twitter) schreibt, sind die Vorstoßlinien der Partisanen lediglich zehn Meilen (etwa 16 Kilometer) von einem Atomwaffenlager der russischen Armee entfernt. Das erwähnte Lager soll jedoch über keine Atomwaffen mehr verfügen, wie es im kremltreuen Telegram-Kanal „Rybar“ hieß.
Ukraine unterstützt russische Partisanentruppen im Krieg gegen Putin
Bereits im Mai 2023 hatte russische Freiwilligentrupps ähnliche Überfälle auf Russland und die Region Belgorod durchgeführt. Nach Angaben des ukrainischen Militärgeheimdienstes HUR war es gelungen, Truppen der russischen Armee aus dem Atomlager „Belgorod-22“ zu vertreiben.
Die aktuellen Erfolge der Partisanen könnten auch die Haltung der Ukraine beeinflussen: Die Ukraine betrachte die Kämpfer nicht länger als eine „Gruppierung“, sie seien zu „einer Kraft“ im Kampf gegen Russland geworden, erklärte Kyrylo Budanow, Chef des Militärgeheimdienstes HUR, am Samstag (16. März).
Nawalny verlängert die Liste der Opfer Putins – ein Überblick
Nach Informationen von Newsweek wollen die Partisanen, „nach Moskau marschieren“. Das habe ein Kämpfer des Freiwilligentrupps Freiheitslegion Russlands mitgeteilt. Damit wolle man Russland von Machthaber Putin befreien. Ob die Kämpfer dazu auch das russische Atomwaffenlager einnehmen wollen, scheint aber fraglich. Der Militäranalyst Pavel Podvig sagte dem Portal, das Depot werde schwer bewacht. Und sollte es tatsächlich leer sein, wäre mit einer Einnahme kein wirklicher Erfolg zu verbuchen. (nhi)