Mit „Double Taps“ geht Putins Armee gegen die Ukraine vor. Sanitärer:innen werden dabei häufig getötet. Putin nimmt im Ukraine-Krieg Kriegsverbrechen aber in Kauf.
Moskau/Kiew – Seit jeher bringen Kriege die dunklen Seiten der Menschheit zum Vorschein – da macht auch der Ukraine-Krieg keine Ausnahme. Wenige Monate nach Wladimir Putins Überfall auf das Nachbarland nahm die Zahl der Kriegsverbrechen auf beiden Seiten massiv zu. Folter, vorsätzliche Tötungen oder sexuelle Gewalt gehören seither zum Vorgehen der Armeen. Die russischen Kampfeinheiten greifen jedoch noch auf eine weitere Taktik im Ukraine-Krieg zurück: der gezielte Angriff auf Sanitärer:innen und Helfer:innen. Die sogenannten Double Taps haben eine gravierende Wirkung.
Diese Art der Kriegsverbrechen ist nicht neu, hat aber in der gegenwärtigen Phase des Ukraine-Kriegs, die durch eine Gegenoffensive der Verteidiger:innen geprägt ist, einen einfachen Grund. Russlands Präsident Wladimir Putin setzt auf die Demoralisierung der ukrainischen Bevölkerung und will die Menschen in die Hoffnungslosigkeit stürzen.
Dramatische Taktik im Ukraine-Krieg: Putin lässt Russlands Armee „Double Taps“ nutzen
Militärische Helfer:innen und Sanitärer:innen genießen im Kriegsfall eigentlich einen besonderen Status. Als sogenannte Nichtkombattant:innen, also Personen ohne Kampfauftrag spricht ihnen das Kriegsvölkerrecht den Schutz nach den Genfer Konventionen zu. Zwar wurde in der Vergangenheit nicht nur im Ukraine-Krieg mit dieser Vorgabe gebrochen, doch Wladimir Putins Angriffskrieg zeigt gegenwärtig, welche Ausmaße der gezielte Angriff auf Sanitäter und Sanitäterinnen haben kann. Diese sogenannten Double Taps sind inzwischen zum traurigen Alltag geworden.
Bereits im vergangenen Jahr, als Bilder von Hunderten getöteten Zivilist:innen aus dem Kiewer Vorort Butscha, die Welt erschütterten, griffen russische Kampfverbände häufiger dieselbe Stelle ein zweites Mal an, um Rettungskräfte gezielt zu töten. Über ein Jahr später hält Putins Armee weiterhin an dieser Praxis fest. Auch Kinderheime oder Pflegeeinrichtungen werden immer wieder von Raketen getroffen. Mitunter handelt es sich zwar um Kollateralschäden, aber die internationale Gemeinschaft wirft Russlands Präsidenten im Krieg in der Ukraine immer wieder Kriegsverbrechen vor.
Um Bevölkerung in die Hoffnungslosigkeit zu bomben: Im Ukraine-Krieg beschießt Russland beschießt Feinde zweimal
Dass das Kriegsvölkerrecht bei Putin nicht den höchsten Stellenwert genießt, bewies der gegenwärtige Präsident Russlands in der gesamten Dauer seiner Präsidentschaft. Auch im Syrienkrieg bombardierten russische Truppen feindliche Stellungen häufig zweimal, um gezielt Sanitärer:innen umzubringen. Wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland in einem Beitrag zum Thema schreibt, verfolgt Russland mit den „Double Taps“ ein einfaches Ziel: die zivile Bevölkerung in die Hoffnungslosigkeit zu bomben.
Bei den jüngsten Angriffen auf Saporischschja, bei denen unter anderem ein Hotel zerstört und viele Zivilist:innen verletzt oder getötet wurden, soll Putins Armee ebenfalls Stellung der ukrainischen Verteidiger:innen mehrfach beschossen haben, um die Moral der Bevölkerung im Ukraine-Krieg zu brechen. Das Begehen von Kriegsverbrechen wird dabei billigend in Kauf genommen. Das berichtet etwa der britische Guardian.
Taktik gegen Offensive im Ukraine-Krieg: Putin setzt „Double Tap“ gegen Helfer:innen ein
UN-Berichte, über die unter anderem die Tagesschau im vergangenen März berichtete, zeigten, dass Ermittler:innen des UN-Menschenrechtsrats bisher noch nicht das gesamte Ausmaß der Kriegsverbrechen im Ukraine-Kriegs beziffern können. Dass Putin gegenwärtig auf die gezielte Demoralisierung der zivilen Bevölkerung setzt, liegt mutmaßlich in der Denkweise des Kremlchefs begründet.
Ukraine-Krieg: Die Ursprünge des Konflikts mit Russland
Die zermürbende Wirkung der „Double Taps“ ist auch den Verantwortlichen in der Ukraine bewusst. Selenskyj bezeichnet die Taktik im Ukraine-Krieg immer wieder als „Terrorismus“ gegen das ukrainische Volk und auch die Medien des Landes weisen auf die russischen Kriegsverbrechen hin. Die Kyiv Post etwa warnt vor speziellen Kampfverbänden, die das gezielte Bombardieren von Ersthelfer:innen im Syrienkrieg „verfeinert haben“.
Ukraine-Krieg: Russlands Taktik richtet sich gegen Moral der Bevölkerung
Wie wichtig die Moral der eigenen Bevölkerung für den Ausgang im Kriegsfall ist, beweisen historische Beispiele zuhauf. Nicht selten kam es vor, dass Kämpfe wegen demoralisierten Zivilist:innen weit hinter den Frontlinien entschieden wurden. Putin ist sich der gravierenden Auswirkungen seiner Taktik im Ukraine-Krieg bewusst. Für Selenskyj wird dadurch die Verteidigung seines Landes auf keinen Fall einfacher. (fbu)