Ukraine-Krieg

Pokrowsk im Fokus: Russlands Vormarsch im Ukraine-Krieg – und Trumps Ultimatum

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Russische Truppen gewinnen an Boden, Pokrowsk droht zu fallen. Trump stellt Putin ein Ultimatum, doch der Kreml bleibt unbeeindruckt.

Pokrowsk – Russische Truppen haben zuletzt Fortschritte in den Gebieten um Lyman, Tschassiw Jar, Pokrowsk, Nowopawliwka und im Osten der Oblast Saporischschja gemacht. Besonders gefährdet ist der Großraum Pokrowsk. Dort konzentriert Russland seit über einem Jahr seine Angriffe und scheint nun eine Entscheidung herbeiführen zu wollen. Währenddessen versucht US-Präsident Donald Trump, den Druck auf den russischen Präsidenten Wladimir Putin zu erhöhen – doch der Kreml zeigt sich unbeeindruckt.

Russische Soldaten feuern einen Mehrfachraketenwerfer vom Typ 9K55 Grad 1 auf ukrainische Stellungen im Abschnitt Krasnoarmeysk bei Pokrowsk (Archivbild vom 10. Juli 2025).

Trump hat nun sein Ultimatum an Kremlchef Putin konkretisiert. Russland habe „ab heute noch zehn Tage“ Zeit, um seine Angriffe einzustellen, sagte der US-Präsident am Dienstag (29. Juli). Andernfalls würden die USA Strafzölle gegen Russlands Verbündete verhängen. Der Kreml reagierte darauf einsilbig und teilte lediglich mit, man habe die Erklärung „zur Kenntnis genommen“. Die „militärische Spezialoperation“, wie Moskau die Invasion in die Ukraine nennt, dauere an, hieß es von Kreml-Sprecher Dmitri Peskow.

Zehn-Tage-Frist: Trump droht Moskau mit globalen Strafzöllen

Russland glaubt, dem wirtschaftlichen Druck standhalten zu können und bleibt entschlossen, seine Kriegsziele zu erreichen, so eine Analyse des Institute for the Study of War (ISW). In der Vergangenheit hatte Moskau tatsächlich immer wieder Wege gefunden, westliche Sanktionen zu umgehen, etwa durch eine Schattenflotte, Zahlungen über chinesische Banken oder Importe technischer Geräte über verbündete Nachbarländer. Auch der russische Außenminister Sergei Lawrow zeigte sich zuversichtlich, dass Russland mit den US-Zöllen zurechtkommen werde.

Ursprünglich hatte Trump eine 50-Tage-Frist für Frieden in der Ukraine gesetzt, diese jedoch verkürzt, da es „überhaupt keine Fortschritte“ gebe, wie er am Dienstag sagte. Militärexperten befürchten, dass das neue Ultimatum den gegenteiligen Effekt haben könnte. Nämlich, dass Russland seine militärischen Bemühungen verstärkt, um vor Ablauf der Frist Fakten zu schaffen. Trump zeigte sich zuletzt zunehmend frustriert über den Kremlchef. Zuletzt beklagte der US-Präsident, er habe bereits viermal gedacht, er hätte einen „Deal“ mit Putin, doch dann habe der russische Präsident wieder „Raketen in irgendein Gebäude geschossen.“

Trump und Putin: Die Geschichte ihrer Beziehung in Bildern

Wandbild Putin Trump Litauen
Einen besseren US-Präsidenten als Donald Trump kann sich Kremlchef Wladimir Putin gar nicht wünschen: So könnte dieses Wandbild in der litauischen Hauptstadt Vilnius interpretiert werden. Bemerkenswert: Es ist eine Aufnahme aus dem Mai 2016, als Trump nicht gar nicht im Amt war. Offenbar schwante den Menschen in Litauen schon damals Böses. © Petras Malukas/AFP
Trump telefoniert mit Putin
Trump hat seit Jahren einen guten Draht zu Putin. Am 28. Januar 2017 telefonierte er im Oval Office des Weißen Hauses zum ersten Mal mit dem russischen Präsidenten. © Mandel Ngan/AFP
Wachsfiguren von Trump und Putin
Schon damals standen sie sich auch in Wachsfigurenkabinetten nahe, so auch in Sofia (Bulgarien). © Valentina Petrova/dpa
G20-Gipfel - Trump trifft Putin
Das erste persönliche und extrem heikle Treffen mit Putin wickelte Trump beim G20-Gipfel in Hamburg im Juli 2017 unfallfrei ab. Im Kreml wie im Weißen Haus herrschten anschließend Optimismus und Zufriedenheit.  © Evan Vucci/dpa
G20 Summit - Demonstration
Aktivisten von Oxfam standen dem G20-Gipfel kritisch gegenüber. Mit ihrer Aktion wollten sie auf den Abzweig zwischen mehr sozialer Ungleichheit und weniger Armut hinzuweisen. Sie trugen Masken von Theresa May, Donald Trump, Shinzō Abe, Emmanuel Macron, Angela Merkel, Justin Trudeau, Wladimir Putin, und Jacob Zuma. © Michael Kappeler/dpa
G20-Gipfel - Trump trifft Putin
„Der Fernseh-Trump unterscheidet sich sehr vom realen Menschen,“ sagte Putin nach dem G20-Gipfel in Hamburg vor der Presse über seinen US-Kollegen Donald Trump. © Steffen Kugler/dpa
Apec-Gipfel in Vietnam
Ein zweites Mal trafen sich Trump und Putin am Rande des Gipfels der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) im vietnamesischen Da Nang. © dpa
Putin trifft Trump beim Apec-Gipfel in Vietnam
Beide Präsidenten stimmten damals überein, dass das Verhältnis ihrer Länder nicht gut sei. Putin sah weiter eine tiefe Krise. Russland sei aber bereit, „eine neue Seite aufzuschlagen, vorwärtszugehen, in die Zukunft zu schauen“. © Mikhail Klimentyev
Trump Putin Da Nang
„Wenn wir ein Verhältnis zu Russland hätten, das wäre eine gute Sache“, sagte Trump. Sein persönliches Verhältnis zu Putin sei gleichwohl in sehr gutem Zustand, obwohl man sich nicht gut kenne. © Jorge Silva/AFP
Helsinki-Gipfel
Im Juli 2018 kamen Trump und Putin in Helsinki zu ihrem ersten offiziellen Gipfel zusammen.  © Heikki Saukkomaa/dpa
USA Ausstieg aus INF-Abrüstungsvertrag
Sie begrüßten sich mit einem kurzen, doch kräftigen Händedruck. „Es ist an der Zeit, detailliert über unsere bilateralen Beziehungen zu sprechen und über die schmerzhaften Punkte auf der Welt. Davon gibt es sehr viele“, sagte Putin. Trump betonte: „Die Welt möchte, dass wir miteinander auskommen.“ © Alexander Zemlianichenko/dpa
Helsinki
Während des Gipfeltreffens gingen in Helsinki mehrere Hundert Menschen aus Protest auf die Straßen. Dabei machten sie auf eine Reihe von Missständen aufmerksam.  © Joonas SaloIlta-Sanomat/Imago
Melania Trump
Auch First Lady Melania Trump war in Helsinki mit von der Partie. © Alexei Nikolsky/AFP
Trump und Putin
Trump äußerte sich hinterher zufrieden über sein Treffen mit Putin: „Der Dialog ist sehr gut verlaufen“, sagte er bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Putin. „Ein produktiver Dialog ist nicht nur gut für die Vereinigten Staaten und Russland, sondern für die Welt.“ © Brendan Smialowski/AFP
Proteste gegen Treffen von Trump und Putin
Derweil protestierten die Menschen auch im fernen Washington, D.C., gegen das Treffen. Unter anderem hielt eine Frau vor dem Weißen Haus ein Schild in die Höhe, auf dem die beiden Präsidenten karikiert waren.  © Andrew Harnik/dpa
100. Jahrestag Waffenstillstand Erster Weltkrieg
Im November 2018 nahmen Trump und Putin an einer Gedenkfeier anlässlich des Endes des Ersten Weltkriegs in Paris teil. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron lud damals zum Spitzentreffen ein. © Ludovic Marin/AFP
Erster Weltkrieg - Waffenstillstand 1918
Auch vor Ort waren First Lady Melania Trump (links), die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel und Brigitte Macron, die Ehefrau des französischen Präsidenten. © Francois Mori/dpa
Beginn des G20-Gipfels
Kurz danach trafen Trump und Putin beim G20-Gipfel in Buenos Aires erneut aufeinander. © Ralf Hirschberger/dpa
G20-Gipfel in Argentinien
Die Gespräche wurden von der Eskalation zwischen Russland und der Ukraine um einen Seezwischenfall vor der Krim überschattet. Deshalb sagte Trump ein direktes Treffen mit Putin am Rande des Gipfels kurzfristig ab.  © dpa
Japan, Osaka
Im Juni 2019 trafen Trump und Putin beim G20-Treffen im japanischen Osaka zusammen. © Imago
Osaka 2019
Trump wurde dabei von einem Reporter angesprochen, ob er Putin bei ihrem gemeinsamen Treffen auch sagen werde, dass sich der Kremlchef nicht in die US-Wahlen einzumischen habe. Trump beugte sich zu Putin und sagte: „Mische Dich nicht in unsere Wahlen ein“ – ein Lächeln glitt dabei über Trumps Gesicht. Die Aktion war allerdings nicht ganz ernst gemeint. © Brendan Smialowski/AFP
Osaka 2019
Trump nannte das Verhältnis zu Putin „sehr, sehr gut“.  © Brendan Smialowski/AFP
Trump Putin
Am Ende seiner ersten Amtszeit musste sich Trump wegen Machtmissbrauchs und Behinderung der Ermittlungen im Senat verantworten. Hintergrund war die sogenannte Ukraine-Affäre. Viele Menschen in den USA sahen Trump als Verräter – und Putin als Feind. © Olivier Douliery/AFP
Ukrainekrieg - Anti-Kriegsprotest in New York
Im Januar 2025 kam Trump zum zweiten Mal an die Macht. Im Ukraine-Krieg stellte er sich auf die Seite von Putin. Das rief Proteste hervor. Auch am Times Square in New York galt: Trump ist ein Verräter. © Adam Gray/dpa
Trump Putin
Trump sucht dennoch weiter die Nähe zu Putin. Nach offiziellen Angaben haben beide im Februar 2025 ein erstes Mal miteinander telefoniert, seit der US-Präsident wieder im Amt ist. Vor dem zweiten Gespräch am 18. März verkündete Trump: „Ich freue mich sehr auf das Gespräch mit Präsident Putin.“ Auch danach telefonierte er noch mehrmals mit seinem russischen Amtskollegen. © Alexander Nemenow/AFP
Trump und Putin
Am 15. Augsut 2025 kam es zum Gipfel zwischen Trump und Putin in Alaska. Es handelte sich um das erste persönliche Treffen der beiden Staatschefs seit Putins Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022. Das Treffen fand in der Stadt Anchorage statt. Am Ende gab es von beiden Staatschefs nichts Konkretes. © Andrew Caballero-Reynolds/AFP

In Europa sind die Reaktionen auf die angekündigten Wirtschaftsbeschränkungen der USA gemischt. Einige EU-Diplomaten begrüßen die härtere Haltung der USA, äußern jedoch Zweifel an Trumps Verlässlichkeit. „Wir haben zu häufig gesehen, dass Präsident Trump bei Russland hin- und hergesprungen ist“, sagte ein anonymer EU-Beamter der Zeitung Welt. Innerhalb der Nato bleibt man vorsichtig. Unklar ist, ob Trump tatsächlich wirtschaftlichen Druck auf China oder Indien ausüben wird.

Insbesondere, weil dem US-Präsidenten das Schicksal der Ukraine „wahrscheinlich völlig egal“ sei, wie es laut Welt aus Nato-Kreisen hieß. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hingegen begrüßte die Ankündigung aus Washington und betonte: „Wir haben wiederholt betont – und alle Partner wissen das –, dass Sanktionen ein Schlüsselelement sind.“ Allerdings sei Putin derzeit nicht an Frieden interessiert. Als Beleg dafür führte Selenskyj unter anderem die nächtlichen Luftangriffe auf die Ukraine an.

„Wie ein Sägeblatt“: Russlands Offensive frisst sich tief in die Ostukraine

Die Ukraine befindet sich an allen Frontabschnitten in der Defensive, wobei der Schwerpunkt des russischen Angriffs auf der Region um Pokrowsk liegt. „Hier spitzt sich die Lage für die Ukraine tatsächlich zu“, analysiert der frühere Nato-General Erhard Bühler in dem MDR-Podcast „Was tun, Herr General?“. Demnach gebe es Hinweise darauf, dass russische Sabotage- und Aufklärungstrupps vorübergehend ins Stadtzentrum vorgedrungen sind. „Den Russen ist es mittlerweile gelungen, wesentliche Versorgungsstraßen unter ihre Kontrolle zu bringen.“

Eine wichtige Versorgungsstraße Richtung Nordwesten sei derzeit noch offen. „Sollte die auch blockiert werden, wird den Ukrainern nichts anderes übrig bleiben, als die Stadt aufzugeben“, meint der Militärexperte weiter. Pokrowsk ist ein bedeutender Verkehrsknotenpunkt und logistisches Zentrum für die ukrainischen Streitkräfte im Donbass. „In Verbindung mit den anderen russischen Angriffen in Tschassiw Jar, Torezk und nördlich von Lyman eine operativ günstige Ausgangsposition für den Angriff auf den Festungsgürtel in der Region Donezk schaffen können. Also auf Kostjantyniwka, Kramatorsk, Slowjansk“, so Bühler weiter.

Eine Einnahme dieses Gürtels würde Russland näher an die Kontrolle des gesamten Donbass bringen, schätzt die ISW-Expertin Angelica Evans. Sollte Pokrowsk fallen, könnten russische Truppen durch schwach geschützte Linien weiter in Richtung Dnipro vorrücken, meint auch der österreichische Militäranalyst Oberst Markus Reisner. „Die Spitzen der russischen Angriffsverbände schneiden sich wie Zähne eines riesigen Sägeblatts in die Gebiete im Osten der Ukraine“, so Reisner über die aktuelle Lage.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Evgeny Biyatov / SNA

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