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Türkei bereitet sich auf eine Zeit nach der Ära Erdogan vor

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Die Wahlen vom vergangenen Wochenende bieten einen ersten Ausblick auf eine politische Zukunft jenseits des herrschenden Machthabers.

  • Bei den vergangenen Kommunalwahlen der Türkei verlor die AKP in wichtigen Städten, darunter auch Istanbul.
  • Die Kommunalwahlen werden als Vorbote für die Präsidentschaftswahl 2028 gelesen, bei der dem Oppositionskandidaten Imamoglu reelle Chancen zugesprochen werden.
  • Für Präsident Recep Tayyip Erdogan sieht man wenig Chancen, das Blatt noch zu wenden. Jede Einschränkung des Gegenkandidaten könnte zu massiven Gegenreaktionen in der Bevölkerung führen.
  • Dieser Artikel liegt erstmals in deutscher Sprache vor – zuerst veröffentlicht hatte ihn am 4. April 2024 das Magazin Foreign Policy.

Die türkische Politik ist wieder interessant. Jahrelang war die türkische Opposition am Boden zerstört. Unter der Führung von Kemal Kilicdaroglu hatte die wichtigste Oppositionspartei, die Republikanische Volkspartei (CHP), Mühe, mehr als 25 bis 30 Prozent der Wähler anzuziehen. Am vergangenen Wochenende gelang der Opposition dann plötzlich der Durchbruch.

Nicht nur, dass die CHP die Bürgermeisterämter in Großstädten wie Ankara, Izmir und Istanbul halten konnte, wo der amtierende Bürgermeister Ekrem Imamoglu sich als der dynamischste türkische Politiker etabliert hat, seit Präsident Recep Tayyip Erdogan Mitte der 1990er Jahre selbst Bürgermeister war. Erschwerend für den türkischen Staatschef kam hinzu, dass die CHP und andere Parteien die Bürgermeister der regierenden Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP) in 15 weiteren Gemeinden klar besiegten.

Die veränderte Türkei: Ein Blick auf die politische Landkarte nach den Kommunalwahlen

Noch vor fünf Jahren deckte die AKP mit ihrer orangen Farbe die türkische Landkarte bei den Kommunalwahlen fast vollständig ab, und zwar in einem breiten Gürtel von Ost nach West und in einem weitgehend ununterbrochenen Streifen von Nord nach Süd in der Mitte Anatoliens. Jetzt kontrolliert die Partei kaum noch zusammenhängende orangefarbene Flecken in 15 Provinzen, die sich vom Nordosten bis ins Zentrum des Landes erstrecken, wo sie auf eine dicke Wand aus CHP-Rot trifft.

Und trotz Erdogans Bemühungen, kurdische Politiker zu unterminieren, dominiert das Violett der prokurdischen Partei für Gleichheit und Demokratie (DEM) den südöstlichen Quadranten Anatoliens. Das Königsblau der dem Faschismus nahestehenden Partei der Nationalistischen Bewegung erscheint als acht ungleiche Flecken in der Landschaft. Obwohl Bilder angeblich mehr sagen als tausend Worte, braucht die türkische Wahlkarte nur eines: eine Niederlage.

Recep Tayyip Erdoğan: Der Weg zur Macht des türkischen Präsidenten

Armut, Haft, absolute Macht: Der Sohn eines Küstenschiffers wird in einer politischen Karriere vom eifrigen Koranschüler zum absoluten Machthaber in der Türkei. Recep Tayyip Erdogans Weg kann getrost unüblich genannt werden. Aufgewachsen in einem religiösen, doch armen Vorort von Istanbul macht er als talentierter Fußballer auf sich aufmerksam. Der religiöse Vater verbietet den Traum vom Fußball und schickt ihn auf eine Religionsschule, auf welcher er ein neues Talent entdeckt. Die freie Rede ist damals eines der wichtigsten Fächer und der junge Recep macht schon damals mit seinem Redetalent auf sich aufmerksam und konnte aufgrund des ISKI-Skandals als Außenseiter Bürgermeister Istanbuls werden.
Armut, Haft, absolute Macht: Der Sohn eines Küstenschiffers wird in einer politischen Karriere vom eifrigen Koranschüler zum absoluten Machthaber in der Türkei. Recep Tayyip Erdogans Weg kann getrost unüblich genannt werden. Aufgewachsen in einem religiösen, doch armen Vorort von Istanbul macht er als talentierter Fußballer auf sich aufmerksam. Der religiöse Vater verbietet den Traum vom Fußball und schickt ihn auf eine Religionsschule, auf welcher er ein neues Talent entdeckt. Die freie Rede ist damals eines der wichtigsten Fächer und der junge Recep macht schon damals mit seinem Redetalent auf sich aufmerksam und konnte aufgrund des ISKI-Skandals als Außenseiter Bürgermeister Istanbuls werden. © Mehmet Gulbiz/dpa
Es folgte ein großer Wahlerfolg seiner Partei bei den Parlamentsgutswahlen 2002. Zwar durfte Erdogan aufgrund eines Gedichtes, für welches er zu einem Politikverbot und einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde, nicht das Amt des Ministerpräsidenten nicht einnehmen. Dafür installierte er seinen Parteikollegen Abdullah Gül in dem Amt, welcher kurzerhand die Gesetze änderte, um das Vergehen, welches Erdogan ein Politikverbot einbrachte, umschrieb.
Es folgte ein großer Wahlerfolg seiner Partei bei den Parlamentsgutswahlen 2002. Zwar durfte Erdogan aufgrund eines Gedichtes, für welches er zu einem Politikverbot und einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde, nicht das Amt des Ministerpräsidenten nicht einnehmen. Dafür installierte er seinen Parteikollegen Abdullah Gül in dem Amt, welcher kurzerhand die Gesetze änderte, um das Vergehen, welches Erdogan ein Politikverbot einbrachte, umschrieb.  © Jeff_J._Mitchell/Imago
Nachdem Gül die Verfassungsänderung durchgebracht hatte, und eine Annullierung der Wahl in der Provinz Siirt stattfand, konnte er nachträglich als Abgeordneter ins Parlament einziehen. Somit war er erneut offiziell Politiker und in der Lage, Ämter innezuhaben. Er wurde am 12. März 2003 Ministerpräsident und Gül übernahm den Posten des Außenministers. Hier auf diesem Foto wird Erdogan als Parlamentsabgeordneter vereidigt.
Nachdem Gül die Verfassungsänderung durchgebracht hatte, und eine Annullierung der Wahl in der Provinz Siirt stattfand, konnte er nachträglich als Abgeordneter ins Parlament einziehen. Somit war er erneut offiziell Politiker und in der Lage, Ämter innezuhaben. Er wurde am 12. März 2003 Ministerpräsident und Gül übernahm den Posten des Außenministers. Hier auf diesem Foto wird Erdogan als Parlamentsabgeordneter vereidigt.  © Anadolu Ajansi/dpa
Erdogan wurde am 12. März 2003 Ministerpräsident, Abdullah Gül übernahm den Posten des Außenministers. Zunächst öffnete sich die Türkei dem Westen und schuf etwa die Todesstrafe ab. Außenpolitisch verfolgte Erdogan zudem anfangs eine Annäherung an die EU, sodass ein möglicher Beitritt im Raum stand. Auch verbesserte sich das Verhältnis der Türkei zu ihren östlichen Nachbarn deutlich.
Erdogan wurde am 12. März 2003 Ministerpräsident, Abdullah Gül übernahm den Posten des Außenministers. Zunächst öffnete sich die Türkei dem Westen und schuf etwa die Todesstrafe ab. Außenpolitisch verfolgte Erdogan zudem anfangs eine Annäherung an die EU, sodass ein möglicher Beitritt im Raum stand. Auch verbesserte sich das Verhältnis der Türkei zu ihren östlichen Nachbarn deutlich. © dpa/epa
Der nächste politische und wirtschaftliche Erfolg ist die Abzahlung sämtlicher Schulden, welche die Türkei in 19 Jahren als Schuldner bei der IWF und Weltbank hatten. Die Türkei hat sich in 50 Jahren fast 47 Milliarden US-Dollar aus dem Fonds geliehen. Nachdem bei Verhandlungen keine Einigung über eine neue Standby-Vereinbarung getroffen werden konnte, entschied sich die Türkei den Rest der Schulden 2009 anlässlich der Jahrestagung der IWF und Weltband (siehe Bild) zu tilgen.
Der nächste politische und wirtschaftliche Erfolg ist die Abzahlung sämtlicher Schulden, welche die Türkei in 19 Jahren als Schuldner bei der IWF und Weltbank hatten. Die Türkei hat sich in 50 Jahren fast 47 Milliarden US-Dollar aus dem Fonds geliehen. Nachdem bei Verhandlungen keine Einigung über eine neue Standby-Vereinbarung getroffen werden konnte, entschied sich die Türkei den Rest der Schulden 2009 anlässlich der Jahrestagung der IWF und Weltband (siehe Bild) zu tilgen.  © epa Jaffe / Imf Handout
Auf diesen auch international anerkannten politischen Erfolg folgte noch im selben Jahr ein Eklat. Als Israels Premierminister Shimon Peres das Vorgehen seines Staates im Gazastreifen rechtfertigte, fragte er Erdogan, wie er auf einen Raketenbeschuss Istanbuls reagieren würde. Erdogan reagierte verärgert und rief: „One Minute(s)! One Minute(s)!“ Daraufhin gab ihm der Moderator wieder das Wort. Er kritisierte Israels Vorgehen gegen die palästinensische Bevölkerung und warf der Israels Regierung vor, bewusst unschuldige Zivilisten und Kinder getötet zu haben. Währenddessen versuchte der Moderator immer wieder, Erdogans Rede zu beenden. Erdogan war der Ansicht, die Redezeit sei unfair verteilt und verließ das Podium.
Auf diesen auch international anerkannten politischen Erfolg folgte noch im selben Jahr ein Eklat. Als Israels Premierminister Shimon Peres das Vorgehen seines Staates im Gazastreifen rechtfertigte, fragte er Erdogan, wie er auf einen Raketenbeschuss Istanbuls reagieren würde. Erdogan reagierte verärgert und rief: „One Minute(s)! One Minute(s)!“ Daraufhin gab ihm der Moderator wieder das Wort. Er kritisierte Israels Vorgehen gegen die palästinensische Bevölkerung und warf der Israels Regierung vor, bewusst unschuldige Zivilisten und Kinder getötet zu haben. Währenddessen versuchte der Moderator immer wieder, Erdogans Rede zu beenden. Erdogan war der Ansicht, die Redezeit sei unfair verteilt und verließ das Podium. © dpa/epa
Der Eklat in Davos und nachfolgende Abreise des türkischen Staatschefs hatten zur Folge, dass Erdogan von Anhängern der Hamas-Bewegung auf Demonstrationen gefeiert wurde. Aber auch in seiner türkischen Heimat stieß er mit seinen Worten auf fruchtbaren Boden und wurden auch von seinen eigenen Anhängern für diese Aktion gefeiert. Am Istanbuler Flughafen waren Flaggen sowie Spruchbänder mit Texten wie „Willkommen zurück, Eroberer von Davos“ oder „Welt, schau auf unseren Ministerpräsidenten“ zu sehen.
Der Eklat in Davos und nachfolgende Abreise des türkischen Staatschefs hatten zur Folge, dass Erdogan von Anhängern der Hamas-Bewegung auf Demonstrationen gefeiert wurde. Aber auch in seiner türkischen Heimat stieß er mit seinen Worten auf fruchtbaren Boden und wurden auch von seinen eigenen Anhängern für diese Aktion gefeiert. Am Istanbuler Flughafen waren Flaggen sowie Spruchbänder mit Texten wie „Willkommen zurück, Eroberer von Davos“ oder „Welt, schau auf unseren Ministerpräsidenten“ zu sehen.  © Nabil Mounzer/dpa/epa
Allzu lange hielt diese innertürkische Zufriedenheit mit ihrem Staatschef jedoch nicht vor. Am 28. Mai 2013 beginnen in der Türkei Dauerproteste gegen Erdogan. Ursprung war eine Demonstration gegen ein geplantes Bauprojekt auf dem Gelände des Gezi-Parks, woher die Protestwelle ihren Namen hat. Ein übermäßiger Gewalteinsatz seitens der Polizei sorgte für die Eskalation der Proteste. Schnell fanden weitere Proteste in großen türkischen Städten gegen die als autoritär angesehene Regierung Erdogans AKP statt.
Allzu lange hielt diese innertürkische Zufriedenheit mit ihrem Staatschef jedoch nicht vor. Am 28. Mai 2013 beginnen in der Türkei Dauerproteste gegen Erdogan. Ursprung war eine Demonstration gegen ein geplantes Bauprojekt auf dem Gelände des Gezi-Parks, woher die Protestwelle ihren Namen hat. Ein übermäßiger Gewalteinsatz seitens der Polizei sorgte für die Eskalation der Proteste. Schnell fanden weitere Proteste in großen türkischen Städten gegen die als autoritär angesehene Regierung Erdogans AKP statt.  © Tolga Bozoglu/dpa
Bei den Protesten spielte auch die Besetzung des Taskim-Platzes eine große Rolle. Rund um den Platz herum fanden Ausschreitungen und gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und den Demonstranten statt. Es wurde zu einem Symbol von Widerstand gegen Polizeigewalt. In Anlehnung auf den Arabischen Frühling wurden die Proteste dort auch als „Türkischer Frühling“ bekannt. Am 12. Juni 2013 wurde der Platz, erneut mit hoher Polizeigewalt, geräumt.
Bei den Protesten spielte auch die Besetzung des Taskim-Platzes eine große Rolle. Rund um den Platz herum fanden Ausschreitungen und gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und den Demonstranten statt. Es wurde zu einem Symbol von Widerstand gegen Polizeigewalt. In Anlehnung auf den Arabischen Frühling wurden die Proteste dort auch als „Türkischer Frühling“ bekannt. Am 12. Juni 2013 wurde der Platz, erneut mit hoher Polizeigewalt, geräumt.  © Burak Akbulut/Anadolu Agency/dpa
Doch weitere Proteste sollten folgen. Diesmal sehr persönlich an Erdogan gerichtet. Auslöser war ein angeblicher Mitschnitt eines Telefonates mit seinem Sohn Bilal, indem es darum geht, wie sie Millionensummen vor Korruptionsermitteln verstecken können. „Wir haben hier auch 30 Millionen Euro!“, riefen die Demonstranten, die sich erneut nahe dem Taskim-Platz sammelten. Sie verteilten große Menschen Falschgeld, um auf Korruption aufmerksam zu machen.
Doch weitere Proteste sollten folgen. Diesmal sehr persönlich an Erdogan gerichtet. Auslöser war ein angeblicher Mitschnitt eines Telefonates mit seinem Sohn Bilal, indem es darum geht, wie sie Millionensummen vor Korruptionsermitteln verstecken können. „Wir haben hier auch 30 Millionen Euro!“, riefen die Demonstranten, die sich erneut nahe dem Taskim-Platz sammelten. Sie verteilten große Menschen Falschgeld, um auf Korruption aufmerksam zu machen. © Imago
Seit Herbst 2014 residiert Erdogan im Präsidentschaftspalast im Naturschutzgebiet Atatürk Orman Çiftliği in der Hauptstadt Ankara. Der Gebäudekomplex gilt umstritten – unter anderem, weil er trotz eines gerichtlichen Verbots errichtet wurde. Kritisiert werden darüber hinaus die Größe des Palasts: rund 1000 Zimmer sollen vorhanden sein. Weiter waren die Kosten in Höhe von etwa 1,37 Milliarden Türkische Lira enorm für die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler.
Seit Herbst 2014 residiert Erdogan im Präsidentschaftspalast im Naturschutzgebiet Atatürk Orman Çiftliği in der Hauptstadt Ankara. Der Gebäudekomplex gilt umstritten – unter anderem, weil er trotz eines gerichtlichen Verbots errichtet wurde. Kritisiert werden darüber hinaus die Größe des Palasts: rund 1000 Zimmer sollen vorhanden sein. Weiter waren die Kosten in Höhe von etwa 1,37 Milliarden Türkische Lira enorm für die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler. © Turkish President Press Office/Imago
Für internationale Schlagzeilen sorgte Satiriker Jan Böhmermann, als er den türkischen Präsidenten in einem Schmähgedicht diffamierte. Die Regierung der Türkei sowie auch Erdogan selbst erstatteten Strafanzeige gegen Böhmermann; die Staatsanwaltschaft leitete ein Ermittlungsverfahren ein. Am 4. Oktober 2016 gab die Staatsanwaltschaft Mainz bekannt, dass das Ermittlungsverfahren gegen Böhmermann eingestellt wurde. Der Satiriker und Fernsehmoderator spielte in seiner damaligen Sendung „Neo Magazin Royale“ hin und wieder auf das Gedicht an, äußerte sich aber nicht zu dem Prozess.
Für internationale Schlagzeilen sorgte Satiriker Jan Böhmermann, als er den türkischen Präsidenten in einem Schmähgedicht diffamierte. Die Regierung der Türkei sowie auch Erdogan selbst erstatteten Strafanzeige gegen Böhmermann; die Staatsanwaltschaft leitete ein Ermittlungsverfahren ein. Am 4. Oktober 2016 gab die Staatsanwaltschaft Mainz bekannt, dass das Ermittlungsverfahren gegen Böhmermann eingestellt wurde. Der Satiriker und Fernsehmoderator spielte in seiner damaligen Sendung „Neo Magazin Royale“ hin und wieder auf das Gedicht an, äußerte sich aber nicht zu dem Prozess. © Presidential Press Office/Spata/dpa
Am Abend des 15. Juli 2016 kam es offiziellen Angaben zufolge zu einem Putschversuch von Teilen des türkischen Militärs. Da die Revolte bei einem Großteil der Bevölkerung jedoch auf Ablehnung stieß, und auch bei der politischen Opposition wenig Anklang fand, fiel der Putsch schon am nächsten Tag wieder in sich zusammen. Die Erdogan-Regierung machte prompt die Gülen-Bewegung für den Putschversuch verantwortlich, was diese aber zurückwies. Das Foto zeigt Anhänger von Präsident Erdogan auf einem Panzer auf der Bosporusbrücke am 16. Juli 2016.
Am Abend des 15. Juli 2016 kam es offiziellen Angaben zufolge zu einem Putschversuch von Teilen des türkischen Militärs. Da die Revolte bei einem Großteil der Bevölkerung jedoch auf Ablehnung stieß, und auch bei der politischen Opposition wenig Anklang fand, fiel der Putsch schon am nächsten Tag wieder in sich zusammen. Die Erdogan-Regierung machte prompt die Gülen-Bewegung für den Putschversuch verantwortlich, was diese aber zurückwies. Das Foto zeigt Anhänger von Präsident Erdogan auf einem Panzer auf der Bosporusbrücke am 16. Juli 2016. © dpa/EPA
Im Jahr 2017 setzte Recep Tayyip Erdogan mithilfe eines Referendums eine Verfassungsänderung durch, bei der es vor allem um die Bündelung der Exekutivbefugnisse ging. Dadurch gewann der türkische Präsident noch mehr Einfluss auf die Justiz. Die Opposition sprach von Wahlbetrug. Auch Untersuchungen von Forschenden legen nahe, dass das Referendum manipuliert wurde.
Im Jahr 2017 setzte Recep Tayyip Erdogan mithilfe eines Referendums eine Verfassungsänderung durch, bei der es vor allem um die Bündelung der Exekutivbefugnisse ging. Dadurch gewann der türkische Präsident noch mehr Einfluss auf die Justiz. Die Opposition sprach von Wahlbetrug. Auch Untersuchungen von Forschenden legen nahe, dass das Referendum manipuliert wurde. © Turkish Presidential Press Office/Imago
Unter Erdogan begann 2018 in der Türkei eine Währungskrise, woraufhin die türkische Lira in den folgenden Jahren Rekordwertverluste einbüßte. Zwischen 2019 und 2021 tausche der Präsident dreimal den Chef der türkischen Zentralbank, weil sie die lockere Finanzpolitik nicht mittragen wollten. Für 2022 hob Erdogan den Mindestlohn um 50 Prozent an und forderte von Arbeitgebern weitere Steuern. Dies soll den Verlusten entgegenwirken.
Unter Erdogan begann 2018 in der Türkei eine Währungskrise, woraufhin die türkische Lira in den folgenden Jahren Rekordwertverluste einbüßte. Zwischen 2019 und 2021 tausche der Präsident dreimal den Chef der türkischen Zentralbank, weil sie die lockere Finanzpolitik nicht mittragen wollten. Für 2022 hob Erdogan den Mindestlohn um 50 Prozent an und forderte von Arbeitgebern weitere Steuern. Dies soll den Verlusten entgegenwirken. © Sha Dati/Imago
Erdogan wird mit seiner islamisch-konservativen AKP wieder im Wahlbündnis mit der ultranationalistischen MHP antreten. Ein Teil der Opposition hat sich zu einem Bündnis zusammengeschlossen („Sechser-Tisch“), zu dem unter anderem die größte Oppositionspartei CHP und die nationalkonservative Iyi-Partei gehören. Ein weiteres Bündnis bildet die pro-kurdische Oppositionspartei HDP mit kleineren Parteien.
Im Jahr 2023 trat Erdogan mit seiner islamisch-konservativen AKP wieder im Wahlbündnis mit der ultranationalistischen MHP bei der Türkei-Wahl an. Ein Teil der Opposition schloss sich zu einem Bündnis zusammen („Sechser-Tisch“), zu dem unter anderem die größte Oppositionspartei CHP und die nationalkonservative Iyi-Partei gehörten. Ein weiteres Bündnis bildet die pro-kurdische Oppositionspartei HDP mit kleineren Parteien. © Adem Altan/afp
Seit den schweren Erdbeben muss sich die Regierung scharfer Kritik an ihrem Krisenmanagement stellen. Vielerorts wurde beklagt, dass Rettungsteams zu spät, in zu geringer Zahl und mit zu wenig Ausrüstung in die Krisenregion gekommen seien. Unter Trümmern verschüttete Menschen hätten so nicht gerettet werden können. In den Erdbebengebieten herrschten vielerorts Minusgrade, viele der Eingeschlossenen erfroren.
Nach dem schweren Erdbeben in der Türkei im Jahr 2023 musste sich die Regierung Erdogans scharfer Kritik an ihrem Krisenmanagement stellen. Vielerorts wurde beklagt, dass Rettungsteams zu spät, in zu geringer Zahl und mit zu wenig Ausrüstung in die Krisenregion gekommen seien. Unter Trümmern verschüttete Menschen hätten so nicht gerettet werden können. In den Erdbebengebieten herrschten vielerorts Minusgrade, viele der Eingeschlossenen erfroren. © Bulent Kilic/afp
Die Kritik an der Regierung nach den schweren Erdbeben traf auch Erdogan persönlich. Ende Februar, also rund drei Wochen nach den Beben, entschuldigte sich Erdogan erstmals bei den Menschen dafür und bat um Vergebung für Verzögerungen bei der Erbeben-Hilfe. Erdogan räumte Versäumnisse ein und sagte bei einem Besuch in Adiyaman, aufgrund der großen Zerstörung, der Wetterbedingungen und der Schäden an der Infrastruktur habe man in den ersten Tagen nicht in der „gewünschten Effektivität“ arbeiten können. „Wie jeder Sterbliche können auch wir Fehler, Mängel und Makel haben.“
Die Kritik an der Regierung nach den schweren Erdbeben traf auch Erdogan persönlich. Ende Februar, also rund drei Wochen nach den Beben, entschuldigte sich Erdogan erstmals bei den Menschen dafür und bat um Vergebung für Verzögerungen bei der Erbeben-Hilfe. Erdogan räumte Versäumnisse ein und sagte bei einem Besuch in Adiyaman, aufgrund der großen Zerstörung, der Wetterbedingungen und der Schäden an der Infrastruktur habe man in den ersten Tagen nicht in der „gewünschten Effektivität“ arbeiten können. „Wie jeder Sterbliche können auch wir Fehler, Mängel und Makel haben.“ © Adem Altan/afp
Erdogan bat zudem „um ein Jahr“ Zeit, um „die Wunden des Erdbebens zum Großteil“ zu heilen. Die Opposition kritisierte dagegen den Vorstoß des türkischen Präsidenten. Man nehme die Entschuldigung nicht an, schrieb etwa die prokurdische Partei HDP auf Twitter. Ali Babacan, der Chef der Oppositionspartei Deva, erklärte rundheraus, Erdogan könne der Verantwortung nicht entkommen.
Erdogan bat zudem „um ein Jahr“ Zeit, um „die Wunden des Erdbebens zum Großteil“ zu heilen. Die Opposition kritisierte dagegen den Vorstoß des türkischen Präsidenten. Man nehme die Entschuldigung nicht an, schrieb etwa die prokurdische Partei HDP auf Twitter. Ali Babacan, der Chef der Oppositionspartei Deva, erklärte rundheraus, Erdogan könne der Verantwortung nicht entkommen. © Press Office of the Presidency of Turkey/afp
Auch Erdogans Hauptrivale im Kampf um das Präsidentenamt macht Erdogan für die Folgen verantwortlich. „Sie waren in allen möglichen Dingen untätig, so wie hier auch“, sagte Kemal Kilicdaroglu von der kemalistisch-sozialdemokratischen CHP. „Sie haben wirklich keine Ahnung, wie man einen Staat regiert. Ich sage es ganz offen: Wenn jemand hauptverantwortlich für diese Folgen ist, dann ist es Erdogan.“
Auch Erdogans Hauptrivale im Kampf um das Präsidentenamt macht Erdogan für die Folgen verantwortlich. „Sie waren in allen möglichen Dingen untätig, so wie hier auch“, sagte Kemal Kilicdaroglu von der kemalistisch-sozialdemokratischen CHP. „Sie haben wirklich keine Ahnung, wie man einen Staat regiert. Ich sage es ganz offen: Wenn jemand hauptverantwortlich für diese Folgen ist, dann ist es Erdogan.“ © Yasin Akgul/afp
Erdogan kontert, indem er seinen stärksten Herausforderer Wahlen wegen Treffen mit der prokurdischen Partei HDP scharf kritisiert. Kilicdaroglu habe den parlamentarischen Arm einer „Terrororganisation“ zum Partner gemacht, sagte Erdogan. Die HDP, die bei der Präsidentenwahl keinen eigenen Kandidaten aufstellt, dürfte die Bewerbung Kilicdaroglus unterstützen. Die HDP-Stimmen könnten entscheidend sein.
Erdogan konterte, indem er seinen stärksten Herausforderer Wahlen wegen Treffen mit der prokurdischen Partei HDP scharf kritisierte. Kilicdaroglu habe den parlamentarischen Arm einer „Terrororganisation“ zum Partner gemacht, sagte Erdogan. Die HDP, die bei der Präsidentenwahl in der Türkei 2023 keinen eigenen Kandidaten aufstellte, unterstützte die Bewerbung Kilicdaroglus, die durch HDP-Stimmen auf einen Sieg über Erdogan hofften. © Francisco Seco/dpa
AKP-Kandidat mit seiner Anhängerschaft und in Begleitung seiner Ehefrau Emine Erdogan.
Wenn auch knapp, so konnte Erdogan sich trotz allem 2023 bei den Präsidentschaftswahlen im zweiten Versuch durchsetzen. Verpassten beim ersten Wahlgang alle Kandidaten die absolute Mehrheit noch, holte Erdogan diese mit 52 Prozent der Stimmen in der sich anschließenden Stichwahl. Den Sieg feierte der AKP-Kandidat mit seiner Anhängerschaft und in Begleitung seiner Ehefrau Emine Erdogan. © MURAT CETIN MUHURDAR/AFP
massive Protestwelle in weiten Teilen der Türkei
Am 19. März 2025 nahm die türkische Polizei Erdogans Gegenspieler und Bürgermeister der Stadt Istanbul, Ekrem İmamoğlu, fest. Dem CHP-Politiker wurden Korruption und Unterstützung der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) vorgeworden. İmamoğlus Festnahme und die weiteren Verhaftungen von über 100 Personen lösten eine massive Protestwelle in weiten Teilen der Türkei aus. Die Proteste richteten sich dabei vor allem gegen die Regierung Erdogans, der vorgeworfen wurde, die Festnahmen seien politisch motiviert. © ED JONES/AFP
Epizentrum der Proteste gegen Erdogan war die Metropole Istanbul
Epizentrum der Proteste gegen Erdogan war die Metropole Istanbul. Dort kam es am 29. März 2025 zur größten Demonstration der Türkei seit den Gezi-Protesten 2013. Hunderttausende Menschen beteiligten sich. Laut CHP-Vertretern soll die Zahl sogar bei mehr als zwei Millionen gelegen haben. Die Polizei ging zum Teil mit aller Härte gegen die Demonstrationen vor. Laut Angaben des türkischen Innenministeriums wurden etwa 2.000 Menschen festgenommen. © KEMAL ASLAN/AFP
Als ein Mittel des Widerstands gegen Erdogan setzt die Protestbewegung auch auf Boykottaufrufe.
Als ein Mittel des Widerstands gegen Erdogan setzt die Protestbewegung auch auf Boykottaufrufe. Produkte von Unternehmen, denen eine Nähe zu Erdogan unterstellt wird, sollten nicht mehr gekauft werden, so die Forderung der Opposition. „Stoppt alle Einkäufe! Supermärkte, Online-Shopping, Restaurants, Benzin, Kaffee, Rechnungen, kauft nichts“, sagte Özgür Özel, Vorsitzender der CHP-Partei.  © ADEM ALTAN/AFP

AKP-Niederlage bei den Kommunalwahlen: Ein Wendepunkt für die Türkei?

Dennoch war das Ergebnis der Wahl vom Sonntag unerwartet. Nicht, weil die AKP stark ist. Vielmehr ist sie nur noch eine Hülle der dynamischen Partei mit einer überzeugenden Vision von der Zukunft der Türkei, die sie einmal war. Diese AKP ist längst verschwunden. Vielmehr konnten sich Erdogan und seine Partei in den letzten zwölf Jahren durchsetzen, weil er ein geübter und gewiefter Autoritarist geworden ist, der die Presse, die Gerichte und das parlamentarische Verfahren ausnutzte, um der Opposition den Wettbewerb zu erschweren. Er ging auch mit Einschüchterung und Gewalt gegen seine Gegner vor.

Es zeugt von der politischen Stärke der Türken und der anhaltenden Stärke der demokratischen Praktiken in der Türkei – ohne dass das Land tatsächlich als Demokratie bezeichnet werden kann –, dass die Menschen am vergangenen Wochenende dennoch in Scharen auf die Straße gingen, um ihre Ablehnung von Erdogan und der AKP kundzutun.

Zumindest für den Moment haben die türkischen Wähler die Vorstellung abgemildert, dass das gegenwärtige Zeitalter eines von Illiberalismus ist, in dem nicht-demokratische Führer scheinbar demokratische Institutionen ausnutzen können, um antidemokratische Agenden voranzutreiben und ihre Macht zu konsolidieren.

Imamoglus Triumph stellt System infrage: Das Ende von Erdogans unangefochtener Macht?

Erdogan stand an der Spitze dieses Phänomens (noch bevor Ungarns Viktor Orbán zum Aushängeschild für Wahlautoritarismus wurde), sieht sich nun aber mit der schwersten Rüge seiner politischen Karriere konfrontiert. Zum ersten Mal seit vielen Jahren können sich Analysten vorstellen, wie eine Türkei nach der AKP aussehen könnte, ohne ihre Glaubwürdigkeit zu strapazieren.

Für Erdogan ist es schlimmer, als man denkt. Es gibt zwar viele Verlierer der Wahl vom Sonntag, aber eigentlich nur einen klaren Gewinner: Imamoglu. Imamoglu erzielte einen überwältigenden Sieg von 51 Prozent gegen Murat Kurum von der AKP, der 39 Prozent erhielt. Bei diesem Ergebnis handelte es sich nicht um ein Rennen zwischen Imamoglu und Kurum, sondern um einen Wettstreit zwischen Imamoglu und Erdogan. In seinem Bemühen, Kurum zu unterstützen, setzte Erdogan jede Strategie ein, einschließlich der Entsendung von 17 Kabinettsministern zu Wahlkampfveranstaltungen in der Stadt und zahlreicher eigener Auftritte.

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Die Erdogan-freundlichen Medien taten ihr Bestes, um nicht über Imamoglu zu berichten, der sich auf der Wahlkampfbühne befand. Nichts von alledem konnte jedoch verhindern, dass er bei einer Wahl, an der mehr als 8 Millionen Bürger teilnahmen, eine von zwei Stimmen erhielt. Die Wiederwahl des Bürgermeisters ist sein dritter Sieg in Folge (zweimal im Jahr 2019) im Wettstreit mit Erdogans handverlesenen Kandidaten und für die AKP der beunruhigendste.

Meist gefürchtetster Oppositioneller in der Türkei ist Imamoglu: Erdogans potenzieller Rivale für 2028?

Imamoglu ist der politische Rivale, den der türkische Präsident am meisten fürchtet, und er ist der wahrscheinlichste Herausforderer Erdogans für die Präsidentschaft, die derzeit für 2028 geplant ist. Sein Ergebnis von 51 Prozent übersteigt bei weitem die nationale Unterstützung für die CHP. Hätte Imamoglu bei den Präsidentschaftswahlen im Mai 2023 anstelle des glücklosen Kilicdaroglu an der Spitze der Oppositionsliste gestanden, wäre die Türkei heute wohl anders.

Es ist plausibel, dass Präsident Imamoglu am vergangenen Sonntag der Opposition zu ihrem starken Abschneiden gratuliert hätte. Imamoglus Sieg über Kurum entsprach in etwa der gleichen prozentualen Differenz (~10 Prozent), mit der Imamoglu als Kandidat für die Präsidentschaftswahlen gegen Erdogan gerechnet wurde.

Ob Imamoglu in der Lage sein wird, gegen Erdogan anzutreten, bleibt jedoch eine offene Frage. Imamoglu könnte von der Ausübung politischer Ämter ausgeschlossen werden, wenn ein Berufungsgericht eine frivole Klage, die ein Staatsanwalt 2019 gegen ihn eingereicht hat, bestätigt. Wenn das Gericht die Entscheidung der Vorinstanz bestätigt, kann Imamoglu weder gegen Erdogan kandidieren noch Bürgermeister von Istanbul bleiben.

Unbeliebte Kandidaten: Erdogans Niederlage schockierend, aber nicht überraschend

Angesichts der Vehemenz, mit der Erdogan geschworen hatte, Istanbul und Ankara zurückzuerobern, seit diese Städte an die Opposition verloren wurden, ist es schockierend, dass Erdogan gescheitert ist. Aber es ist nicht unbedingt überraschend. Die AKP stellte schreckliche Bürgermeisterkandidaten auf, denen es an Charisma fehlte und die als nicht aufgeschlossen gegenüber der Stimmung der Wähler empfunden wurden.

Um das C-Team der AKP zu kompensieren, übernahm Erdogan die Rolle des Wahlkampfleiters und versuchte, bei vielen Bürgermeisterwahlen der Kandidat hinter dem Kandidaten zu sein. Erdogans rhetorische Fähigkeiten mögen beeindruckend sein, aber sie konnten die erdrückenden wirtschaftlichen Bedingungen, die die Bürger zu spüren bekamen, nicht wettmachen, vor allem die Verbraucherinflation von über 120 Prozent.

Nach fast 22 Jahren scheinen Erdogan und die AKP nach den schwierigen wirtschaftlichen Zeiten nicht mehr willkommen zu sein. Erdogans positive Vision von der Zukunft der Türkei ist auf der Bühne längst verschwunden. Stattdessen droht er den Menschen, wenn sie nicht für die AKP stimmen, werde er die kommunalen Dienstleistungen einstellen.

Die schlechten Kandidaten, die katastrophale Wirtschaftslage und Erdogans Kriegstreiberei sind am Sonntag in sich zusammengebrochen. Nicht nur, dass Imamoglu in Istanbul triumphierte, auch der CHP-Amtsinhaber in Ankara, Mansur Yavas, schlug seinen AKP-Kontrahenten um fast 30 Punkte, und die Opposition eroberte landesweit vermeintliche AKP-Hochburgen.

Erdogans schwieriger Kampf: Kann er sich von der Niederlage erholen?

Kann Erdogan etwas tun, um dieses düstere Bild zu ändern? Das scheint unwahrscheinlich. Ein Mann, der sich stets von politischen Rückschlägen wie dem Putschversuch (2016) und den Gezi-Park-Protesten (2013) erholt hat, scheint politisch unheilbar geschwächt zu sein. In den frühen Morgenstunden des Aprilscherzes hielt Erdogan in Ankara eine Zugeständnisrede, die von vielen Fernsehsendern ausgeschaltet wurde, da Imamoglu zur gleichen Zeit in Istanbul mit seiner Siegesrede begann.

Während Erdogan entkräftet und erschöpft wirkte, war Imamoglu voller Energie und sprach vor einer jubelnden Menge von Wählern. Doch Erdogan war nicht bereit, die Niederlage einfach so hinzunehmen. Nur wenige Stunden nach der Wahl versuchte er, den Gewinner der Bürgermeisterwahl in der Stadt Van – die kurdisch geprägte DEM-Partei – zugunsten des AKP-Kandidaten zu blockieren, der eine schwere Niederlage erlitt. Es kam zu Ausschreitungen, bis der Oberste Wahlrat angesichts des Drucks von Erdogan untypisches Rückgrat bewies und den rechtmäßigen Sieger anerkannte.

Die Kommunalwahl könnte ein Vorbote für die kommende Präsidentschaftswahl 2028 sein.

Für die Zukunft gibt es nicht viele gute Optionen für Erdogan. Wenn er das Gericht anruft, um Imamoglu zu verbieten, könnte dies zu einer massiven öffentlichen Gegenreaktion führen, die weit über die Grenzen Istanbuls hinausgeht. Auch die Beseitigung von Imamoglu ändert nichts an der von der CHP dominierten Wahlkarte der Türkei, die sich abzeichnet. Zwar handelte es sich um Kommunalwahlen und nicht unbedingt um ein nationales Rennen, aber Erdogan würde jetzt keine vorgezogene Präsidentschaftswahl riskieren.

Der Versuch, die AKP auf ihre Werkseinstellungen zurückzusetzen und zum Jahr 2002 zurückzukehren, wird nicht funktionieren. Die gesamte Marke AKP ist durch Korruption, Arroganz und Erdogans Autoritarismus beschädigt. Man sollte Erdogan niemals aufgeben, aber es scheint, dass die Türkei an der Schwelle zu einer neuen Ära steht. Erdogan wird sich an sein Amt klammern, aber es scheint klar, dass die Zukunft nun bei Imamoglu liegt.

Zu den Autoren

Steven A. Cook ist Kolumnist bei Foreign Policy und Eni Enrico Mattei Senior Fellow für Nahost- und Afrika-Studien beim Council on Foreign Relations. Sein neuestes Buch, The End of Ambition: America‘s Past, Present, and Future in the Middle East, wird im Juni 2024 veröffentlicht. Twitter (X): @stevenacook

Sinan Ciddi ist außerordentlicher Professor für nationale Sicherheitsstudien an der Marine Corps University und Non-Resident Senior Fellow bei der Foundation for Defense of Democracies. Twitter (X): @SinanCiddi

Wir testen zurzeit maschinelle Übersetzungen. Dieser Artikel wurde aus dem Englischen automatisiert ins Deutsche übersetzt.

Dieser Artikel war zuerst am 4. April 2024 in englischer Sprache im Magazin „ForeignPolicy.com“ erschienen – im Zuge einer Kooperation steht er nun in Übersetzung auch den Lesern der IPPEN.MEDIA-Portale zur Verfügung.

Rubriklistenbild: © IMAGO/ZUMA Wire/Tolga Ildun

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