Türkei-Wahl 2023

Erdogans Herausforderer Kemal Kılıçdaroğlu: Das ist der Präsidentschaftskandidat der Opposition

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CHP-Chef Kilicdaroglu ist der Präsidentschaftskandidat der Opposition bei der Türkei-Wahl. Er verspricht, das Land wieder zu „versöhnen“.

Ankara – Kemal Kılıçdaroğlu wurde 1948 im Landkreis Nazımiye von Tunceli (ehemals Dersim) geboren. Danach wuchs er in verschiedenen Teilen des Landes auf und begann neben seiner beruflichen auch seine politische Karriere. Heute ist er der Präsidentschaftskandidat der Opposition bei der anstehenden Türkei-Wahl am 14. Mai.

NameKemal Kılıçdaroğlu
Geboren17. Dezember 1948
GeburtsortBallıca, Türkei
ParteiCumhuriyet Halk Partisi
EhepartnerinSelvi Kılıçdaroğlu (verh. 1974)
KinderKerem Kılıçdaroğlu, Zeynep Kılıçdaroğlu, Aslı Kılıçdaroğlu Nadir

Kemal Kılıçdaroğlu: Ausbildung und Karriere

Seine Grund- und Sekundarschulausbildung absolvierte er in verschiedenen Teilen Anatoliens wie Erciş, Tunceli, Genç und Elazığ. Im Jahr 1971 schloss er sein Wirtschaftsstudium an der Akademie für Wirtschafts- und Handelswissenschaften in Ankara ab. Nach Abschluss seines Studiums ging er für ein Jahr nach Frankreich und begann seine Tätigkeit im Finanzministerium. Kılıçdaroğlu, der später Buchhaltungsexperte wurde, verbrachte ein Jahr in Frankreich. Er arbeitete bis 1983 als Buchhaltungsexperte und wurde im selben Jahr in die Generaldirektion für Einnahmen berufen. Dort arbeitete er zunächst als Abteilungsleiter und dann als stellvertretender Generaldirektor.

Kemal Kılıçdaroğlu wechselte 1991 zur Sozialversicherung „Bag-Kur“. Nach seiner Tätigkeit als Generaldirektor von Bağ-Kur im Jahr 1991 wechselte er 1992 in die Generaldirektion der Sozialversicherungsanstalten. Anschließend war er für kurze Zeit stellvertretender Unterstaatssekretär im Sozialministerium. Im Jahr 1994 wurde er vom Wirtschaftsmagazin Ekonomik Trend zum „Bürokraten des Jahres“ ernannt. Kemal Kılıçdaroğlu schied im Januar 1999 aus der Generaldirektion der Sozialversicherungsanstalt aus. Später hatte er andere Posten, unter anderem war er Mitglied des Verwaltungsrats der „Türkiye İş Bank“.

Der CHP-Vorsitzende Kemal Kilicdaroglu ist der Präsidentschaftskandidat der Opposition.

Chef der türkischen Opposition: Politische Laufbahn von Kılıçdaroğlu

Bei den 22. Parlamentswahlen am 3. November 2002 zog Kemal Kılıçdaroğlu als Istanbuler Abgeordneter der CHP (Republikanische Volkspartei) ins Parlament ein. Kemal Kılıçdaroğlu, der dem CHP-Zentralvorstand angehörte, wurde bei den Parlamentswahlen am 22. Juli 2007 erneut als Abgeordneter gewählt und war bis zur Bekanntgabe seiner Kandidatur für das Präsidentenamt stellvertretender Vorsitzender der CHP-Fraktion. Auf dem 33. Ordentlichen CHP-Kongress am 22. Mai 2010 wurde er zum Vorsitzenden seiner Partei gewählt und löste damit seinen Vorgänger Deniz Baykal ab. Baykal musste nach dem Bekanntwerden seiner Affäre mit einer CHP-Abgeordneten zurücktreten.

Anschlag auf Kemal Kılıçdaroğlu

Am 25. August 2016 wurde in Ardanuc bei Artvin der Konvoi von Kılıçdaroğlu angegriffen. Dabei kam ein Gendarm ums Leben und zwei weitere Soldaten wurden dabei verletzt. Die in der Türkei verbotene Arbeiterpartei PKK übernahm die Verantwortung für den Anschlag, gab aber auch bekannt, dass Kılıçdaroğlu nicht das Ziel gewesen sei. Im Mai 2018 soll der Verantwortliche für den Angriff nach Informationen des Innenministeriums bei einer Militäroperation getötet worden sein.

Kemal Kilicdaroglu: Die Geschichte von Erdogans Herausforderer

Kemal Kilicdaroglu führt seit 2010 die kemalistisch-sozialdemokratische CHP an.
Kemal Kilicdaroglu führt seit 2010 die kemalistisch-sozialdemokratische CHP an. Der heute 74 Jahre alte Finanzexperte sollte die Partei nach zwei herben Niederlagen gegen Recep Tayyip Erdogans AKP zu alter Stärke führen. Nun fordert er Erdogan als Präsidentschaftskandidat eines Bündnisses aus sechs Parteien heraus. Umfragen bescheinigen ihm gute Chancen, Erdogan tatsächlich an der Spitze des Staates abzulösen. © Adem Altan/afp
Seit 1974 ist Kemal Kilicdaroglu mit der Journalistin Selvi Kilicdaroglu verheiratet.
Geboren wurde Kemal Kilicdaroglu am 17. Dezember 1948 in Ballica, einem kleinen Dorf im Norden der Türkei. Seit 1974 ist er mit der Journalistin Selvi Kilicdaroglu verheiratet. Vor ihrer Ehe arbeitete sie an der Fakultät für Politikwissenschaft der Universität Ankara. Das Paar hatte drei Kinder, von denen eines im Alter von drei Monaten verstarb. Selvi Kilicdaroglu stammt wie ihr Mann Kemal aus Ballica. © Republican People‘s Party (CHP) Press Service/afp
Kemal Kilicdaroglu kämpft gegen die Türkei
Nationale Berühmtheit erhielt Kemal Kilicdaroglu in der Türkei aufgrund seines Kampfes gegen Korruption. Dabei machte er auch vor Mitgliedern der Regierung nicht Halt. 2008 beschuldigte er Dengir Mir Mehmet Firat, den Stellvertreter Erdogan während eineer Debatte im türkischen Parlament. Mit dabei hatte Kilicdaroglu Dokumente, die die Verwicklungen beweisen sollten. © Adem Altan/afp
Gemeinsam mit seiner Anhängerschaft feiert Kilicdaroglu den Erfolg der CHP in Ankara.
Im Jahr 2011 trat die CHP erstmals unter ihrem neuen Vorsitzenden Kemal Kilicdaroglu bei den Parlamentswahlen in der Türkei an - und feierte einen ersten Erfolg. Die Partei gewann mehr als fünf Prozent dazu und sicherte sich ihren Platz als größte Oppositionspartei hinter Erdogans regierender AKP. Gemeinsam mit seiner Anhängerschaft feierte Kilicdaroglu den Erfolg in Ankara. © Adem Altan/afp
Erdogan und Kilicdaroglu bei einer Beerdigung
Recep Tayyip Erdogan versuchte seinen Herausforderer Kemal Kilicdaroglu immer wieder in die Nähe zur Terrororganisation PKK zu rücken. Doch Kilicdaroglu ging immer wieder auf Distanz zu der kurdischen Organisation, die er ebenfalls als „Terroristen“ bezeichnete. 2017 besuchte er an der Seite von Erdogan die Beerdigung eines türkischen Soldaten, der in Kämpfen mit der PKK getötet worden war. © Adem Altan/afp
Putschversuch in der Türkei 2016
Am 16. Juli wurde die Türkei von einem Militärputsch erschüttert. Die aufgebrachten Bürger stellten sich den Soldaten in zahlreichen Städten entgegen. Die Welt blickte auch auf Oppositionsführer Kemal Kilicdaroglu. Der stellte sich trotz aller Differenzen hinter Recep Tayyip Erdogan. Der Präsident entkam den Putschisten und der Umsturzversuch wurde schließlich abgewendet. © Adem Altan/afp
Kemal Kilicdaroglu entkommt Anschlag auf Konvoi
Auch Kemal Kilicdaroglu musste in seiner politischen Karriere bereits um sein Leben fürchten. Im Jahr 2016 wurde sein Fahrzeugkonvoi in der Region Artvin von militanten Kurden attackiert. Ein türkischer Soldat wurde getötet, zwei weitere verletzt. Kilicdaroglu konnte unverletzt entkommen. Der Anschlag wurde später mit der PKK in Verbindung gebracht und sorgte für Schockwellen in der türkischen Politik. © Republican People‘s Party (CHP) Press Service/afp
Kemal Kilicdaroglu beim Marsch für Gerechtigkeit in Istanbul
Nach dem Putschversuch und dem PKK-Anschlag bemühte sich Recep Tayyip Erdogan, die Türkei zu einem autoritären Staat umzubauen. Er führte das Präsidialsystem ein, beschränkte die Pressefreiheit und ging gegen zahlreiche Politiker der Opposition vor. Gemeinsam mit seinen Anhängern demonstrierte Kilicdaroglu 2017 mit einem „Marsch für die Gerechtigkeit“ von Ankara bis Istanbul gegen die Verhaftung eines CHP-Abgeordneten. © Ozan Kose/afp
Kemal Kilicdaroglu wird auf einer Beerdigung attackiert
Im Jahr 2019 kommt es erneut zu einem Angriff auf Kemal Kilicdaroglu. Diesmal wird der Oppositionspolitiker auf einer Beerdigung eines Soldaten in Ankara attackiert. Kilicdaroglu erlitt leichte Verletzungen und musste in einem nahe gelegenen Gebäude in Sicherheit gebracht werden. Der Angreifer entpuppte sich im Nachgang als Mitglied der regierenden AKP. © Harun Ozalp/afp
Wahl in der Türkei
Doch Kemal Kilicdaroglu ließ sich nicht von seinem Kurs abbringen. Im Jahr 2023 stehen seine Chancen, Recep Tayyip Erdogan abzulösen, besser als je zuvor. In Umfragen liegt er vor seinem Amtsinhaber. Die CHP könnte nach mehr als 20 Jahren wieder die Regierung in der Türkei stellen. Doch die Entscheidung darüber könnte auch erst am 28. Mai stehen - sollte keiner der Kandidaten eine absolute Mehrheit erhalten, kommt es dann zur Stichwahl. © Ozan Kose/afp

Das Oppositionsbündnis „Sechser Tisch“ (CHP, Iyi Parti, Saadet Partisi, DEVA Partisi, Gelecek Partisi und Demokrat Parti) hat am 6. März 2023 Kılıçdaroğlu als gemeinsamen Kandidaten für die Wahlen in der Türkei am 14. Mai gegen den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan nominiert. Kılıçdaroğlu wird auch vom linken Parteienbündnis „Bündnis für Arbeit und Freiheit“ unterstützt, zu der auch die pro-kurdische HDP angehört.

Welche Positionen vertritt Kemal Kilicdaroglu?

Kemal Kılıçdaroğlu möchte die Abschaffung des Präsidialsystems und die Rückkehr ins parlamentarische System. Kılıçdaroğlu versprach zudem eine Politik der „Versöhnung“. Er werde alle gesellschaftlichen Gruppen umarmen, versprach der CHP-Politiker, unabhängig davon, wem die Menschen ihre Stimme gegeben haben. Auch sollen die sogenannten KHK’ler (per Dekret Entlassene) ihre Rechte zurückerhalten. Das sind bis zu 200.000 Beamte, die Staatspräsident Erdogan nach dem Putschversuch vom 15. Juli 2016 entlassen und viele von ihnen wegen Terrordelikte verhaften ließ.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Depo Photos

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