Wladimir Putin will Präsident von Russland bleiben. Ein Propagandist verdeutlicht, warum Stimmen für andere Kandidaten einem Verrat gleichkommen.
Moskau – Um seine Wiederwahl braucht sich Wladimir Putin wirklich keine Gedanken zu machen. Die Frage lautet höchstens, wie groß die Zustimmung zu seiner fünften Amtszeit als Präsident von Russland sein wird. Die wenigen übrig gebliebenen Kontrahenten finden schließlich so gut wie nicht statt. Wer sich für einen von ihnen und damit gegen den Kreml-Herrscher ausspricht, ist in den Augen von Wladimir Solowjow ohnehin ein Vaterlandsverräter.
Russland und Putins Wiederwahl: TV-Propagandist erwartet „Eid an den Oberbefehlshaber“
Der TV-Moderator, der in seiner Sendung als wichtige Figur der russischen Staatspropaganda auftritt, hält grundsätzlich nicht viel von der Mitbestimmung des Volks. „Ich habe eine besondere Sichtweise auf die Demokratie. Ich denke, das ist eine der schlechtesten Regierungsformen. Mit Blick auf die griechischen Philosophen bin ich mir da sicher“, betont er laut der englischen Übersetzung, die die in Kiew geborenen US-Journalistin Julia Davis liefert.
Russland stehe aus seiner Sicht keine Wahl bevor, sondern „eher ein Referendum, ein Eid an den Oberbefehlshaber“. Mit diesem Begriff bezeichnet der auch für seine Ausraster bekannte Solowjow demnach Putin durchgehend. Im weiteren Verlauf fährt er mehrmals aus der Haut, beschimpft einen Zuschauer wegen dessen Kommentars, der offenbar nicht ganz seiner Meinung ist, und erklärt, warum im Grunde jeder aufrichtige Russe sein Kreuz beim Namen Putin machen muss.
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TV-Propaganda für Putin: „Wer im Krieg gegen den Oberbefehlshaber ist, ist der Feind“
„Hören wir auf, uns wie Idioten zu benehmen“, warnt er: „Wenn sich dein Land im Krieg befindet und sich Menschen gegen den Oberbefehlshaber stellen, sind sie die Feinde!“ Andere Meinungen kann Solowjow der Übersetzung zufolge nicht akzeptieren: „Lasst uns nicht behaupten, sie würden ihren Standpunkt ausdrücken.“ Denn wer so denke, müsse sich fragen lassen: „Bist du ein Ukro-Nazi? Bist du auf der Seite der westlichen Unterweltler, die alles tun, damit dein Land aufhört zu existieren?“
Es sei der Plan der Nato, Russland zu zerstören. Und den würde das transatlantische Verteidigungsbündnis nicht einmal kaschieren. „Versteht, dass ihr realisieren müsst, dass ein Krieg im Gange ist“, ruft er seinen Landleuten zu: „Genug, mit der verdammten Demokratie herumzuspielen. Man muss die Idioten ergreifen und ins Gefängnis werfen. Hört auf, nachgiebig zu sein.“
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TV-Propagandist wirbt für Putin-Wiederwahl: Hartes Durchgreifen gegen Verräter gefordert
Solowjow plädiert sogar für eine Militärzensur und fordert ein härteres Durchgreifen gegen die Feinde Russlands. Namentlich nennt er den inhaftierten Igor Girkin alias Strelkow, der nach eigenen Angaben gegen Putin antreten wollte. Der einstige Separatistenführer der selbsternannten Volksrepublik Donezk hatte während des Ukraine-Kriegs mit dem Herrscher im Kreml gebrochen, weil er das militärische Vorgehen als zu rücksichtsvoll erachtete und die Misserfolge im Nachbarland darauf zurückführte.
Nun fordert Solowjow, der schon den Dritten Weltkrieg heraufbeschwörte, der Übersetzung zufolge „harte und systematische Arbeit“, um Widerspruch im eigenen Land auszumerzen. „Es ist nicht immer populär, Methoden anzuwenden, die unser Land gut kennt und nutzen kann, die im Vaterländischen Krieg ergriffen wurden und die jetzt adaptiert werden sollten, wenn man die Realität betrachtet“, verweist er auf den Kampf gegen Nazi-Deutschland. Damals waren Verräter aus den eigenen Reihen verhaftet und auch hingerichtet worden.
Dies sei nur zum Wohl des eigenen Landes. Denn für Russland gebe es nur die eine Option, zu gewinnen. Ansonsten würde es nicht mehr existieren.
Drohnenangriff auf russische Ölraffinerie: TV-Propagandist übt harte Kritik an Lukoil
Während Solowjow also eifrig die Werbetrommel für Putin rührt, hat er für den Mineralölkonzern nur eine Schimpftirade übrig. Dessen Raffinerie von Kstowo bei Nischni Nowgorod nahm infolge eines Drohnenangriffs Schaden. „Wie hilft Lukoil dem Land, abgesehen von Steuerzahlungen während der militärischen Spezialoperation?“, fragt sich der Journalist: „Hätten sie nicht mehr Geld für den Schutz ihrer Infrastruktur vor Drohnenangriffen ausgeben können?“
Moskau verfüge über das beste Flugabwehrsystem und das funktioniere reibungslos: „Aber warum ist die gesündeste Privatfirma, Lukoil, nicht willens, sich selbst zu verteidigen?“ Das könne sich Solowjow nicht erklären: „Ist das Drohnenabwehrsystem teuer?“
Es läuft also bei weitem nicht alles so, wie Solowjow sich das wünscht. Immerhin der Präsidentschaftswahl darf er beruhigt entgegenblicken. (mg)