Debatte im Weißen Haus

Thema vor Treffen von Trump und Merz: So steht es um die Meinungsfreiheit in Deutschland und den USA

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Immer wieder kritisieren die USA eine angeblich abnehmende Meinungsfreiheit in Deutschland. Eine Rangliste zeigt jedoch Probleme in den USA auf.

Washington, DC – Ist die Meinungsfreiheit in Deutschland in Gefahr? Das behauptet zumindest Donald Trumps Vize-Präsident JD Vance. Auf der Münchner Sicherheitskonferenz im Februar stellte Vance die Behauptung auf, dass die EU aktiv gegen die freie Meinungsäußerung vorgehe. Kurz darauf legte der Vizepräsident dann auf Deutschland an. Wie die Tagesschau zitierte, sagte Vance, dass die deutsche Verteidigung von US-Steuerzahlern subventioniert werde. „Glauben Sie, dass der amerikanische Steuerzahler es hinnehmen wird, wenn jemand in Deutschland ins Gefängnis kommt, nur weil er einen gemeinen Tweet gepostet hat?“

Auch beim Treffen zwischen Trump und Bundeskanzler Friedrich Merz am Donnerstag (5. Juni) könnte das Thema Meinungsfreiheit zur Sprache kommen. So habe ein Beamter des Weißen Hauses gegenüber der New York Times gesagt, dass der US-Präsident Merz auf Deutschlands angeblich nachlassendes Engagement in der Meinungsfreiheit ansprechen wolle. Trump hatte Vance in seiner Einschätzung zu Europa zugestimmt.

Donald Trumps berüchtigte Handschlag-Strategie

Handschlag auf Augenhöhe – und es wird ordentlich gequetscht: US-Präsident Donald Trump begrüßt Bundeskanzler Friedrich Merz vor dem Weißen Haus.
US-Präsident Donald Trump begrüßt Bundeskanzler Friedrich Merz vor dem Weißen Haus.  © SAUL LOEB / AFP
Donald Trumps Handschlag
Berühmt, berüchtigt und bekannt: Donald Trumps Handschlag ist eines der Markenzeichen des US-Präsidenten und vereint Machtspiel und Macho-Pose. Zu spüren bekamen das schon zahlreiche Politikerinnen und Politiker auf der ganzen Welt – hier Russlands Präsident Wladimir Putin im Juli 2017 in Hamburg. © imago
Auf dem G20-Gipfel in Hamburg traf er zum Handschlag-Foto mit Putin zusammen.
Donald Trump war noch frisch im Amt und genoss die mediale Aufmerksamkeit, die ihm durch seinen überraschenden Sieg bei der US-Wahl zukam. Auf dem G20-Gipfel in Hamburg traf er zum Handschlag-Foto mit Putin zusammen. © imago
Trump, hier als junger Mann mit Ex-Präsident Ronald Reagan
Mehrere Biografen Donald Trumps beschreiben, dass ihm sein Handschlag schon immer wichtig gewesen sei. Trump, hier als junger Mann mit Ex-Präsident Ronald Reagan, soll der Meinung sein, dass ein Handschlag darüber entscheidet, wer im anschließenden Gespräch Dominanz ausstrahlt und wer nicht. © IMAGO
Donald Trumps Handschläge, hier in der Praxis mit „Miss America 2025“ Abbie Stockard
Donald Trumps Handschläge, hier in der Praxis mit „Miss America 2025“ Abbie Stockard, beschäftigen die politische Medienlandschaft seit seinem Eintritt in die politische Arena. Die Washington Post beschrieb den Präsidenten als jemand, der „unbeholfene, intensive und manchmal geradezu seltsame Händedrücke“ gebe. © imago
James Comey. Der ehemalige Direktor des FBI
imago418416130.jpg © imago
Japans ehemaliger Premierminister geriet ebenfalls in die Handschlagfalle Donald Trumps
Japans ehemaliger Premierminister geriet ebenfalls in die Handschlagfalle Donald Trumps. Bei ihrem Treffen im Oval Office im Weißen Haus packte der US-Präsident zu - und ließ nicht mehr los. Ganze 19 Sekunden soll der Handschlag zwischen Trump und Abe gedauert haben. Japans Premierminister war von Trumps Händedruck sichtlich überrascht und reagierte mit nervösem Lächeln und ungläubigem Augenrollen. © imago
Donald Trump es offenbar auch bei Neil Gorsuch
Wie schon bei Comey versuchte Donald Trump es offenbar auch bei Neil Gorsuch, den Trump während seiner ersten Amtszeit zum Obersten Richter am Supreme Court ernannte. Beim Handedrücken zog Trump den Arm Gosuchs zu sich und brachte den obersten Richter sichtbar aus dem Gleichgewicht. © imago
Donald Trump und Emmanuel Macron
Den Höhepunkt des Händeschüttelns erlebte die Welt mit Donald Trump und Emmanuel Macron. Mehrfach während ihres Treffen schüttelten der amerikanische und der französische Präsident die Hände - fast immer in absonderlicher Art.  © IMAGO/Ron Sachs
Aufeinandertreffen mit Macron
Bei den Aufeinandertreffen mit Macron, wie hier beim G7-Gipfel in Kanada, wurde besonders deutlich, dass der Handschlag für Donald Trump vor allem ein Machtspiel ist. Frankreichs Präsident aber schien darauf vorbereitet und reagierte ebenfalls mit Angriff statt Verteidigung. Auf den Bildern war zu sehen, wie er Trumps Hand mit aller Kraft drückte, bis sogar seine Knöchel weiß wurden. Trump versuchte erfolglos, Macrons Arm zu verdrehen. © Evan Vucci/afp
Emmanuel Macron und Donald Trump
Emmanuel Macron beschrieb seine Reaktion auf Donald Trumps Handschlag-Taktik im Nachgang. „Mein Händedruck mit ihm war nicht unschuldig“, so Frankreichs Präsident. Man müsse Trump „zeigen, dass wir keine kleinen Zugeständnisse machen werden, auch nicht symbolische.“ Das galt für Macron offensichtlich selbst bei dem Austausch von Begrüßungsfloskeln. © Michael Kappeler/dpa
Emmanuel Macron und Donald Trump
Über die Jahre entwickelten die Alpha-Männer Emmanuel Macron und Donald Trump dann doch noch einen zivilisierten Händedruck. Den präsentierten sie der Weltöffentlichkeit in Rom, als beide Staatschefs zur Beerdigung von Papst Franziskus zu Gast waren. „Er ist ein toller Kerl - klug, stark und hält gerne meine Hand“, beschrieb Trump Macron, der „ein sehr guter Mensch“ und ein „sehr harter Kerl“. © imago
G7-Gipfel in Kanada
Ähnlich wie bei Emmanuel Macron wurde auch der Handschlag zwischen Donald Trump Marc Trudeau zum Politikum. Kanadas Premierminister wollte wie schon Frankreichs Präsident nicht klein beigeben. Es entwickelte sich ein kurzes Handgemenge, dass Trudeau aber mit einem Lächeln quittierte. © Evan Vucci/dpa
UFC-Kommentator Joe Rogan
UFC-Kommentator Joe Rogan beschrieb in seinem Podcast „The Joe Rogan Experience“, wie er sich auf das Händeschütteln mit Donald Trump vorbereitet hätte. Der Kampfsport-Experte sagte, er habe damit gerechnet, dass ihn der US-Präsident durch einen Ruck aus dem Gleichgewicht habe bringen wollen. „Ich habe mich breiter gestellt, um eine feste Basis zu haben“, so Rogan. Der US-Präsident sei deshalb trotz mehrfacher Versuche mit seinem Trick an ihm gescheitert. © imago
Donald Trump verfügt noch über weitere Techniken, um die Begrüßungssituation
Doch Donald Trump verfügt noch über weitere Techniken, um die Begrüßungssituation für seinen Gegenüber maximal unangenehm zu gestalten. Eine davon präsentierte er 2018 in Brüssel beim Handschlag mit Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg. Als die beiden beim Nato-Gipfel aufeinandertrafen, packte Trump zu und lehnte sich mit seinem Oberkörper nach vorne. Stoltenberg reagierte mit diesem Eindringen in seinen persönlichen Raum mit dezentem Rückzug. © imago
Bundeskanzlerin Angela Merkel r CDU trifft US Praesident Donald Trump im Rahmen des G20 Gipfels
Beim Handschlag mit Altkanzlerin Angela Merkel hielt sich Donald Trump vornehm zurück. Die Bundeskanzlerin bekam beim G20-Gipfel einen eher unterkühlten Händedruck vom US-Präsidenten. © Inga Kjer/dpa
UN Generalversammlung in New York
Ganz gesittet gestaltete sich 2017 in Donald Trumps Heimatstadt New York das Händeschütteln. Bei der UN-Generalversammlung traf Trump auf António Guterres, Generalsekretär der Vereinten Nationen. © Shealah Craighead/dpa
Sprecherin der Demokraten im US-Repräsentantenhaus musste der Rede zur Lage der Nation lauschen, die Trump im Kongress hielt
Nancy Pelosi beschloss, bei ihrem Handschlag mit Donald Trump den Spieß umzudrehen. Die damalige Sprecherin der Demokraten im US-Repräsentantenhaus musste der Rede zur Lage der Nation lauschen, die Trump im Kongress hielt. Pelosi streckte ihm im Anschluss die Hand mit soviel Ablehnung entgegen, wie ein Blick und eine Geste nur ausstrahlen können. © imago
Elon Musk bei seiner Verabschiedung aus den Regierungsdiensten im Oval Office
Wer die Gunst Donald Trumps genießt, der bekommt beizeiten einen ganz speziellen Händedruck vom US-Präsidenten. Trump legt dann liebevoll seine linke Hand auf die rechte seines Gegenübers und tätschelt diese. In den Genuss dieser Geste kam Elon Musk bei seiner Verabschiedung aus den Regierungsdiensten im Oval Office. © imago
Modi bei seinem Besuch Donald Trumps im Weißen Haus.
Den doppelten Händedruck für besonders gute Freunde bekam auch Indiens Premierminister Modi bei seinem Besuch Donald Trumps im Weißen Haus. © imago
Besuch Bolsonaros in Mar-a-Lago
Zu den guten Freunden Donald Trumps gehörte auch Brasiliens ehemaliger Präsident, Jair Bolsonaro. Der hatte sich im Wahlkampf mit seinem Rechtspopulismus und Skandalen den Spitznamen „Tropen-Trump“ erarbeitet. Der US-Präsident quittierte das im März 2020 bei einem Besuch Bolsonaros in Mar-a-Lago mit dem doppelten Händedruck. © imago
Als guter Freund Donald Trumps gilt schon lange Rudy Giuliani
Als guter Freund Donald Trumps gilt schon lange Rudy Giuliani. Bei einem Treffen mit Trump im Jahr 2016 schien der ehemalige Bürgermeister New Yorks auch auf den besonderen Handschlag mit dem damaligen Kandidaten der Republikaner für das Präsidentenamt zu hoffen. Trump gönnte seinem Ex-Anwalt diese Ehre aber offenbar nicht. © imago
Vizepräsident JD Vance bekam beim Handschlag von Donald Trump
Sein Vizepräsident JD Vance bekam beim Handschlag von Donald Trump ein Augenzwinkern oben drauf. © imago
US-Präsident Trump im Nahen Osten - Katar
Bei seinem Staatsbesuch in Katar bemühte Donald Trump sich offensichtlich um Zurückhaltung. Das galt auch für seinen Händedruck, den hier der Emir von Katar, Scheich Tamim bin Hamad Al Thani, während eines Staatsdinners im Lusail-Palast entgegen nahm. © Alex Brandon/dpa
Keir Starmer und Donald Trump
Großbritanniens Premierminister Keir Starmer reiste vor kurzem zum Antrittsbesuch nach Washington DC. Im Weißen Haus traf er auf Donald Trump. Der Handschlag blieb folgenlos und unspektakulär. © Carl Court/dpa
Cyril Ramaphosa und Donald Trump
Auf den absonderlichen Handschlag zwischen Cyril Ramaphosa und Donald Trump im Weißen Haus folgte der Eklat im Oval Office. Trump beschuldigte den südafrikanischen Präsidenten, in seinem Land einen Völkermord an weißen Landbesitzern geschehen zu lassen. Um seine Behauptungen zu untermauern, konfrontierte der US-Präsidenten seinen Amtskollegen sogar mit gefälschten Videomaterial. © imago

Treffen von Merz und Trump – wie es mit der Meinungsfreiheit in Deutschland steht

Was Vance unter Meinungsfreiheit versteht, hatte er in einem Beitrag auf X deutlich gemacht. „Jemanden zu beleidigen ist kein Verbrechen, und die Kriminalisierung der Rede wird die europäisch-amerikanischen Beziehungen erheblich belasten“, schrieb er in einem Beitrag. Doch ganz so einfach, wie der US-Vize es darstellt, ist es nicht.

Denn in Deutschland wird die Meinungsfreiheit als ein zentrales Grundrecht gehandelt. Artikel 5 der deutschen Verfassung garantiert jedem Menschen in der Bundesrepublik, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu verbreiten. Dieses Recht wird von Millionen von Deutschen wahrgenommen, die an Demonstrationen, Debatten oder Diskussionen (auch in sozialen Medien) teilnehmen. Auch die Informationsseite deutschland.de hebt dieses Grundrecht hervor. Aber: sogenannte „Hassrede“, also diskriminierende Aussagen gegenüber anderen Personen, sind nur teilweise von der Meinungsfreiheit gedeckt.

Die Meinungsfreiheit gilt in Deutschland nicht ohne jede Bedingung. Denn die freie Meinungsäußerung muss immer im Einklang mit dem Grundgesetz geäußert werden. Solche Limitationen, die vor allem die Hassrede betreffen, stellen laut Bundeszentrale für politische Bildung, die Beleidigung und die Volksverhetzung dar. „Beleidigung ist die ehrverletzende Kundgabe der Nichtachtung oder Missachtung einer anderen Person. Volksverhetzung begeht unter anderem, wer gegen (abgrenzbare) Teile der Bevölkerung zum Hass aufstachelt, zu Gewalt- oder Willkürmaßnahmen gegen sie auffordert oder sie in ihrer Menschenwürde angreift“, wird dort erklärt.

Donald Trump empfängt Friedrich Merz im Weißen Haus. Es könnte auch um die Frage der Meinungsfreiheit gehen.

Streit über Meinungsfreiheit bei Merz-Besuch in Washington? So steht es um die Pressefreiheit

Im Kosmos der Meinungsfreiheit ist in Deutschland auch die Pressefreiheit angesiedelt. „Medien informieren die Öffentlichkeit, zeigen Probleme auf und fördern die Meinungsbildung. Dies können Medienschaffende nur leisten, wenn sie in der Lage sind, ihre Berichterstattung frei, vielfältig und unabhängig zu gestalten“, heißt es dazu auf der Webseite der Bundesregierung.

Wie es um die Pressefreiheit in Deutschland gestellt ist, zeigt die „Rangliste der Pressefreiheit“ der Nichtregierungsorganisation Reporter ohne Grenzen. Und tatsächlich scheint es eine leichte Verschlechterung in der Ausübung dieses Grundrechts in Deutschland zu geben. Denn die Bundesrepublik ist in dem Ranking nicht mehr unter den Top-10 vertreten. Reporter ohne Grenzen beschreibt die Situation allerdings weiter als „Zufriedenstellende Lage“. Die Gefahr gehe dabei nicht von staatlicher Seite, als von Anfeindungen aus der Gesellschaft aus. „Auch 2024 waren erneut diejenigen Journalistinnen und Journalisten gefährdet, die sich mit rechtsextremen Milieus und Parteien wie der AfD beschäftigten“, heißt es dazu.

Pressefreiheit in den USA – NGO sieht Gefahr durch Trump-Regierung

In den USA hingegen zeigt sich ein deutlich schlechteres Bild, wenn es um die Pressefreiheit geht. Die NGO deutet in seiner Rangliste auf „erkennbare Probleme“ in den Vereinigten Staaten hin. Und das scheint eng mit der Regierung von Donald Trump zusammenzuhängen. „In den USA ist mit der Trump-Administration eine offen pressefeindliche Regierung an der Macht, die systematisch gegen kritische Berichterstattung und unliebsame Medien vorgeht“, urteilt Reporter ohne Grenzen.

Als Beispiele für das Vorgehen Trumps gegen die Pressefreiheit in den USA werden etwa Kürzungen bei den US-Auslandssendern Voice of America oder Radio Free Europe/Radio Liberty genannt. Auch der von der Regierung ausgesprochene Ausschluss der Associated Press von Presseterminen im Weißen Haus untermauere die Behauptung. „Diese von Trump und seinen Verbündeten befeuerte pressefeindliche Stimmung ist längst auf die Menschen im Land übergeschwappt. Mehr als ein Drittel der Amerikaner vertraut den klassischen ‚Mainstream‘-Medien nicht.“

Merz trifft Trump in Washington – Auch Umgang mit der AfD wird wohl Thema sein

Beim Streit um die Meinungsfreiheit in Deutschland könnte auch die zuletzt vom Verfassungsschutz ausgesetzte Beurteilung der AfD als „gesichert rechtsextremistisch“ ein Thema werden. Vance hatte in den sozialen Medien die Einschätzung zum Anlass genommen, dem „Establishment“ in Deutschland vorzuwerfen, die „Berliner Mauer“ damit erneut aufzubauen. Wohl, weil die in Teilen rechtsextreme Partei vor allem im Osten Deutschlands massive Erfolge einfahren kann.

Laut der Zeit wolle Merz auf die Anschuldigungen der US-Regierung in Bezug auf die deutsche Innenpolitik „sehr klar meine Meinung sagen, wenn es notwendig ist“. (nhi)

Rubriklistenbild: © SAUL LOEB/AFP

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