VonFranziska Schwarzschließen
Alexander Van der Bellen ist seit dem 26. Januar 2017 Bundespräsident der Republik Österreich. 2022 wurde er in seinem Amt bestätigt.
Wien – Alexander Van der Bellen ist gebürtiger Wiener, studierter Volkswirt und Ex-Grünen-Mitglied. 1944 geboren, trat er 1994 den Grünen bei. Zuvor war er bis Ende der 1980er Jahre SPÖ-Mitglied. Seit 2016 nun ist van der Bellen parteilos und seit 2017 Bundespräsident von Österreich. Bei der Präsidentenwahl in Österreich 2022 stellte er sich zur Wiederwahl und wurde mit 56,69 Prozent der Stimmen in seinem Amt bestätigt.
„Ich habe meinen Weg gemacht: von einem arroganten Antikapitalisten zum großzügigen Linksliberalen“, sagte er dem Biografen Christian Neuwirth für ein Buch, das 2001 erschien. Ein anderes bekanntes Zitat van der Bellens: „So sind wir nicht“, versicherte er den Österreichern nach der Ibiza-Affäre im Jahr 2019. „Wir leben in einer Umbruchszeit“, stellte Van der Bellen auch im Wahlkampf 2022 für eine weitere Amtszeit auf seiner Webseite fest – und legte sich auch einen TikTok-Account zu. Dort verließ er sich auch nicht ganz auf sich selbst. „Sascha, mein guter Freund! Ich wünsche Dir alles Gute für Deinen Wahlkampf“, sprang ihm in einem Clip Arnold Schwarzenegger, einen Tiroler Hut auf dem Kopf, bei. Der Hollywood- und Action-Star nannte Van der Bellen da bei seinem Spitznamen.
| Name | Alexander Van der Bellen |
|---|---|
| Spitznamen | Sascha, VdB |
| Geboren | 18. Januar 1944 in Wien |
| Studium | Volkswirtschaftslehre (habilitiert) |
| Ehemalige Partei | Die Grünen |
| Amt | Bundespräsident (seit 2017) |
Alexander van der Bellen: Wissenschaftliche Laufbahn
Alexander Van der Bellen wurde 1944 in Wien geboren. Van der Bellen, der bis zu diesem Zeitpunkt wie seine Eltern die estnische Staatsbürgerschaft besaß, erhielt 1958 (nach anderen Quellen: 1959) die österreichische Staatsbürgerschaft. Nach seinem Abschluss an der Volksschule in Innsbruck setzte er seine Ausbildung ab 1954 am humanistischen Akademischen Gymnasium Innsbruck fort und machte dort 1962 sein Abitur. Danach folgte Van der Bellen den Fußstapfen seines Vaters und studierte Volkswirtschaftslehre an der Universität Innsbruck. Er beendete sein Studium 1966 als Diplom-Volkswirt. Im Dezember 1970 promovierte er mit seiner Dissertation „Kollektive Haushalte und gemeinwirtschaftliche Unternehmungen: Probleme ihrer Koordination“ zum Dr. rer. oec.
Zwischen 1968 und 1971 arbeitete er als wissenschaftliche Hilfskraft bei Clemens August Andreae am Institut für Finanzwissenschaft an der Universität Innsbruck und von 1972 bis 1974 war er Research Fellow am Internationalen Institut für Management und Verwaltung am West-Berliner Wissenschaftszentrum (WZB). 1975 habilitierte Van der Bellen im Fach Finanzwissenschaften und wurde 1976 zum außerordentlichen Universitätsprofessor an der Universität Innsbruck ernannt, wo er bis 1980 blieb. Von 1980 bis 1999 war er ordentlicher Universitätsprofessor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Wien. Im Oktober 1999, als er Klubobmann der Grünen im Parlament wurde, ließ er sich als Professor an der Universität Wien freistellen. Im Februar 2009 ging Van der Bellen in den Ruhestand.
Die politische Karriere von Alexander Van der Bellen
Seine politische Laufbahn begann Van der Bellen in der SPÖ, bevor er sich der Umweltbewegung zuwandte. Van der Bellen bezeichnete diesen Übergang später als „von einem arroganten Antikapitalisten zum großzügigen Linksliberalen“ und in seiner Autobiografie von 2015 änderte sich dieses Selbstverständnis zu einem „Liberalismus angelsächsischer Prägung“. Im Dezember 1997 übernahm Van der Bellen den Parteivorsitz. Er blieb bis Oktober 2008 fast elf Jahre lang im Amt und ist damit der bisher am längsten amtierende Bundessprecher in der Geschichte der österreichischen Grünen.
Nach den Verlusten bei der Nationalratswahl 2008 trat Van der Bellen als Bundessprecher zurück. Danach war Van der Bellen in der Wiener Kommunalpolitik aktiv, zog sich Anfang 2015 aber zurück und war er bei den Wahlen zum Wiener Landtag und Gemeinderat im Herbst 2015 nicht mehr auf einem wählbaren Platz auf den Wahllisten der Grünen vertreten.
Am 8. Januar 2016 verkündete Van der Bellen seine offizielle Kandidatur für die Bundespräsidentenwahl in Österreich. Er stellte sich als unabhängiger Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten auf, ohne eine Parteinominierung. Um seinen Wunsch nach einer überparteilichen Amtsführung zu unterstreichen, legte Van der Bellen seine Parteimitgliedschaft bei den Grünen am 23. Mai 2016 auf Eis. Trotz seiner Unabhängigkeit unterstützten die Grünen ihn während des Wahlkampfes. Van der Bellen setzte sich in der Stichwahl knapp gegen den FPÖ-Kandidaten Norbert Hofer durch. Wegen Unregelmäßigkeiten bei der Auszählung der Briefwahlstimmen musste die Wahl aber wiederholt werden. Van der Bellen gewann auch die zweite Stichwahl und trat am 26. Januar 2017 sein Amt an.
Präsidentenwahl in Österreich: Van der Bellen über sein Amtsverständnis
In seinem Wahlkampf inszenierte sich Van der Bellen als Ruhepol. „Vernunft und Stabilität in stürmischen Zeiten“ hieß einer seiner Slogans. Das Präsidentenamt in Österreich habe die Macht, „zusätzliches Chaos zu erzeugen“, sagte er laut Wiener Zeitung. - und warnte davor, mit Themen wie Österreichs EU-Austritt zu spielen: „Mit Österreich und der europäischen Idee spielt man nicht. Wenn man das nicht spürt, dann bewirbt man sich für das falsche Amt.“
Wie viele Kinder hat Österreichs Präsident van der Bellen?
Van der Bellen ist Sohn einer gebürtigen Estin und eines gebürtigen Russen mit niederländischen Vorfahren. Auf seiner offiziellen Webseite berichtet Van der Bellen von mehrmaliger Flucht vor den Sowjets, bevor seine Eltern sich mit ihm dann zunächst in Wien und anschließend in Tirol niederließen. Auch „Fanartikel“, etwa unter dem Motto „Fan der Bellen“, sind auf Van der Bellens Webpräsenz übrigens erhältlich, wie Buzzfeed berichtet – nicht ganz „antikapitalistisch“.
Van der Bellen heiratete später Doris Schmidauer und hat zwei inzwischen erwachsene Söhne aus erster Ehe. Das Ehepaar lebt in Wien und im Kaunertal. Er bezeichnet sich selbst als „leidenschaftlichen“ Leser, der seinen Tag mit „Espresso und Sudoku“ beginnt, und Hunde und Wandern mag.
Alexander van der Bellen: Wie steht er zum Ukraine-Krieg?
Wie steht Österreichs Staatsoberhaupt Van der Bellen zu den aktuellen Krisen? Mit Blick auf den Ukraine-Krieg schwor er die Österreicher auf einen entbehrungsreichen Winter ein, Stichwort Energiekrise, Stichwort Inflation. Mit Blick auf Kremlchef Wladimir Putin sagte er aber auch:. „Es ist unerträglich, auch nur mit dem Gedanken zu spielen, sich zum unterwürfigen Verbündeten eines Diktators zu machen.“
„Dass Alexander Van der Bellen ausgleichend wirkt, ist eine politisch und medial verbreitete Legende“, befand daraufhin der Freitag. Der Mann sei „durchaus ein forscher Linienrichter“. (frs)
