9. Oktober 2022

Österreich-Wahl: Kandidaten, Umfragen, Termin – Hier finden Sie alle Infos

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Österreich wählt ein neues Staatsoberhaupt. Aber wie läuft die Bundespräsidentenwahl ab und wer sind die Kandidaten? Alle Infos im Überblick.

Wien – Die Österreich-Wahl steht vor der Tür: Am 9. Oktober 2022 wird das Amt des Bundespräsidenten der Alpenrepublik neu vergeben. Sieben Kandidaten haben sich in Stellung gebracht, um das Amt zu übernehmen und den Sitz in der Wiener Hofburg einzunehmen. Mit dabei ist ein alter Bekannter: Amtsinhaber Alexander Van der Bellen möchte Österreich auch in den nächsten sechs Jahren vertreten. So lange ist die Amtszeit des Bundespräsidenten.

Österreich-Wahl 2022
AbstimmungBundespräsidentenwahl
Datum9. Oktober 2022
ModusDirektwahl
WahlberechtigteCa. 6,3 Millionen

Im Unterschied zu Deutschland ist die Wahl des Bundespräsidenten in Österreich eine Direktwahl. Die ca. 6,3 Millionen wahlberechtigten Bürger haben es also in der Hand, wer künftig Staatsoberhaupt ist. Dabei ist der Kandidat gewählt, der im ersten Wahlgang mehr als 50 Prozent der Stimmen erhält. Schafft das niemand, treten die beiden Bewerber mit den meisten Stimmen in der Stichwahl gegeneinander an, die vier Wochen nach der ersten Runde stattfindet.

Österreich-Wahl: Wer bei der Bundespräsidentenwahl wahlberechtigt ist

Bei der Österreich-Wahl sind alle Österreicher wahlberechtigt, die zum Zeitpunkt der Wahl mindestens 16 Jahre alt sind und am Stichtag (9. August 2022) in die Wählerevidenz einer österreichischen Gemeinde eingetragen sind. Zudem darf ihnen nicht das Wahlrecht entzogen worden sein.

Wer bei der österreichischen Bundespräsidentenwahl kandidieren will, muss am Wahltag mindestens 35 Jahre alt sein. Kandidaten müssen zudem mindestens 6000 Unterstützungserklärungen vorweisen können, um zur Abstimmung über das Staatsoberhaupt der Alpenrepublik zugelassen zu werden.

Wann die Ergebnisse der Österreich-Wahl bekanntgegeben werden

Die Wahllokale sind bei der Österreich-Wahl in der Regel zwischen 7 und 17 Uhr geöffnet, jedoch unterscheiden sich die Öffnungszeiten von Gemeinde zu Gemeinde. Die letzten Wahllokale müssen aber in jedem Fall um 17 Uhr schließen. Zu dieser Zeit ist bereits mit den ersten Prognosen und lokalen Ergebnissen zu rechnen.

Im Laufe des Abends wird das vorläufige Endergebnis der Bundespräsidentenwahl in Österreich veröffentlicht. Das offizielle Endergebnis wird normalerweise erst am nächsten Tag bekanntgegeben.

Amt des Bundespräsidenten: Worum es bei der Österreich-Wahl geht

Mit dem Bundespräsidenten wählen die Bürger bei der Österreich-Wahl auch ihr Staatsoberhaupt. Somit ist er wichtigster Repräsentant des Landes und schließt Verträge mit anderen Ländern. Zudem kommt dem Bundespräsidenten die Aufgabe zu, den Bundeskanzler zu ernennen. Dabei hat er prinzipiell freie Hand und kann jeden wählbaren Österreicher ernennen, jedoch ist dieser von der Parlamentsmehrheit abhängig. Neben dem Kanzler ernennt der Bundespräsident auch die Minister.

Die Hofburg in Wien ist der Amtssitz des Bundespräsidenten. Bei der Österreich-Wahl am 9. Oktober versuchen sechs Kandidaten, Amtsinhaber Alexander Van der Bellen abzulösen. (Archivfoto)

Außerdem gehört das Unterzeichnen der Gesetze zu den Aufgaben des österreichischen Bundespräsidenten, da diese ohne dessen Unterschrift nicht gültig sind. Weitere Aufgaben des Staatsoberhaupts der Alpenrepublik im Überblick:

  • Ernennung von Beamten und Richtern
  • Oberbefehl über das Bundesheer
  • Begnadigung von Verurteilten
  • Wahrnehmung des Notverordnungsrechts

Der Bundespräsident Österreichs verfügt demnach über eine Reihe von Kompetenzen und kann etwa in bestimmten Situationen Notverordnungen erlassen. Allerdings ist er bei seinem Handeln häufig von Vorschlägen der Regierung abhängig. So sind für Notverordnungen Vorschläge der Bundesregierung und eines Parlamentsausschusses nötig.

Österreich-Wahl: Alle Kandidaten im Überblick

Bei der Österreich-Wahl am 9. Oktober 2022 treten insgesamt sieben Kandidaten an. Damit hat die Abstimmung bereits Rekord-Charakter: Nie zuvor gab es mehr Bewerber bei österreichischen Bundespräsidentenwahlen. Diese sieben Männer stehen zur Auswahl:

Amtierender Bundespräsident Van der Bellen geht als Favorit in die Österreich-Wahl

Der als unabhängiger Kandidat antretende Amtsinhaber Alexander Van der Bellen geht als Favorit in die österreichische Bundespräsidentenwahl. Neben den Grünen, deren Parteichef er von 1997 bis 2008 war, unterstützen die SPÖ, einzelne ÖVP-Funktionäre sowie die liberale Partei NEOS den amtierenden Bundespräsidenten bei seiner Wiederwahl.

Alexander Van der Bellen
Geburtsdatum18. Januar 1944
GeburtsortWien
StudiumVolkswirtschaftslehre
AmtBundespräsident

Van der Bellen ist seit der letzten Bundespräsidentenwahl 2016 im Amt. Zuvor war er für die Grünen im Nationalrat sowie im Wiener Gemeinderat. Der amtierende Bundespräsident Österreichs war zudem Professor für Volkswirtschaftslehre an den Universitäten in Innsbruck und Wien.

Herausforderer bei der Österreich-Wahl: FPÖ-Kandidat Walter Rosenkranz

Die FPÖ ist die einzige im Nationalrat vertretene Partei, die einen eigenen Kandidaten bei der Österreich-Wahl aufgestellt hat. Die Rechtsaußen wollen mit Walter Rosenkranz erstmals den Bundespräsidenten stellen. Rosenkranz saß von 2008 bis 2019 im Nationalrat und war von 2013 bis 2019 Landesparteiobmann der „Freiheitlichen“ in Niederösterreich.

Walter Rosenkranz
Geburtsdatum29. Juli 1962
GeburtsortKrems an der Donau
StudiumRechtswissenschaft
AmtVolksanwalt

Walter Rosenkranz‘ Kandidatur bei der Bundespräsidentenwahl steht unter dem Motto „Holen wir uns unser Österreich zurück“. Im Kontext des Ukraine-Krieges wirft Rosenkranz der EU „Kriegstreiberei“ vor und fordert die Rückkehr zur Neutralität der Alpenrepublik, weil ein neutrales Österreich „glaubwürdige Friedensinitiativen gegen den völkerrechtswidrigen Krieg Russlands“ hätte setzen können. Die Sanktionen gegen Russland sieht er als selbstzerstörerisch an. Zudem wirft Rosenkranz der Regierung vor, die Grenzen nicht zu schützen und fordert, der Jugend „wieder eine Perspektive zu geben“.

Punk-Sänger oder rechter Kolumnist: Wer bei der Österreich-Wahl mitreden will

Aber auch die anderen fünf Kandidaten möchten bei der Österreich-Wahl am 9. Oktober ein Wort mitreden. Im eher linken Lager könnte Bundespräsident Van der Bellen Stimmen an Dominik Wlazny verlieren. Der auch als Marco Pogo bekannte Punk-Musiker, Arzt und Gründer der Bierpartei will nicht als Spaßkandidat an der Bundespräsidentenwahl teilnehmen. Zu seinen Forderungen gehören die Einführung eines Bewerbungsprozesses für Minister, mehr Personal in der Pflege durch neue Anreize für den Berufseinstieg, die Förderung von erneuerbaren Energien sowie eine menschliche Asylpolitik.

Auf der eher rechten Seite des politischen Spektrums könnten gleich mehrere Bewerber Walter Rosenkranz das Leben bei der Bundespräsidentenwahl in Österreich schwer machen. Der selbst zunächst als FPÖ-Kandidat gehandelte Kolumnist der Kronen-Zeitung Tassilo Wallentin gilt nach Umfragen dabei als der aussichtsreichste Bewerber. Wallentin fordert unter anderem, Bargeld in der Verfassung zu verankern, verspricht „sichere Grenzen“ und ein Asylrecht nach dem Vorbild der USA und Australien und will die Neutralität Österreichs bewahren.

Die Außenseiter-Kandidaten bei der Bundespräsidentenwahl in Österreich

Auch der langjährige FPÖ-Politiker Gerald Grosz hofft auf viele Stimmen bei der Österreich-Wahl. Der bekannte Unterstützer Jörg Haiders trat nach dessen Bruch mit den „Freiheitlichen“ 2005 dem Bündnis Zukunft Österreichs (BZÖ) bei, von 2013 bis 2015 war er Bündnisobmann. Inzwischen tritt Grosz in politischen Youtube-Videos und in Talkshows von Wolfgang Fellners TV-Sender OE24.TV auf. In die Bundespräsidentenwahl geht er mit dem an Donald Trump angelegten Slogan „Make Austria Grosz Again“.

Auch Michael Brunner, Chef der Impfgegner-Partei „Menschen - Freiheit - Grundrechte“ (MFG), steht bei der Bundespräsidentenwahl in Österreich auf dem Wahlzettel. Der 60-jährige Jurist ist wegen der Corona-Politik aktiv geworden und bezeichnet sich als „Anwalt des Volks“.

Heinrich Staudinger ist der siebte Kandidat im Bunde. Der durch die Schuhfabrik GEA bekanntgewordene Unternehmer erregte 2016 durch einen Konflikt mit der Finanzmarktaufsicht für Aufsehen. Staudinger kandidiert bei der Österreich-Wahl, um sich für die Einhaltung der Grundrechte, eine gemeinwohlorientierte Wirtschaft und den Erhalt der Natur einzusetzen. Konkrete Pläne nennt er dabei allerdings nicht.

Österreich-Wahl: Wer führt in Umfragen zur Bundespräsidentenwahl?

Aber wer wird nun österreichischer Bundespräsident? Umfragen vor der Österreich-Wahl sehen Amtsinhaber Alexander Van der Bellen als Favorit. Auf Platz zwei liegt dabei FPÖ-Mann Walter Rosenkranz. Sollte niemand die nötige absolute Mehrheit erreichen, kommt es also zur Stichwahl zwischen den beiden Kandidaten.

Eine Übersicht zur aktuellsten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Lazarsfeld vor der Österreich-Wahl am 9. Oktober 2022:

BewerberStimmenanteil
Alexander Van der Bellen56%
Walter Rosenkranz16%
Dominik Wlazny9%
Tassilo Wallentin8%
Gerald Grosz6%
Michael Brunner3%
Heinrich Staudinger2%
Stand: 29. September 2022

Wie die Bundespräsidentenwahl 2016 ausging

Im ersten Wahlgang der letzten Bundespräsidentenwahl in Österreich, am 24. April 2016, erhielt FPÖ-Kandidat Norbert Hofer die meisten Stimmen. Mit 35,05 Prozent verfehlte er jedoch die absolute Mehrheit und musste damit gegen den zweitplatzierten Alexander Van der Bellen (21,34 Prozent) in die Stichwahl.

Die zweite Runde der Österreich-Wahl 2016 verlief chaotisch. Zunächst musste die Wahl am 22. Mai 2016, die Van der Bellen mit 50,3 Prozent knapp gewonnen hatte, wegen Unregelmäßigkeiten bei der Auszählung wiederholt werden. Die dann für den 2. Oktober geplante Stichwahl musste wegen Fehlern bei den Briefwahlunterlagen auf den 4. Dezember 2016 verschoben werden. Dann setzte sich schließlich Alexander Van der Bellen durch – mit 53,79 Prozent. (Max Schäfer)

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