Russlands Krieg

Wagner-Chef Prigoschin wohl tot: Welchen Einfluss hat das auf den Ukraine-Krieg?

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Hat der Tod Jewgeni Prigoschins womöglich Folgen für den Ukraine-Krieg? Ein Experte spricht sogar von Verhandlungen.

Kiew – Die angebliche Tötung des Wagner-Chefs Jewgeni Prigoschin wirft Schatten auf die jüngsten Kriegsereignisse in der Ukraine. Was geschieht mit den vermutlich nun führerlosen Söldnern der Privatarmee?

Der US-amerikanische Thinktank Institute for the Study of War (ISW) hat sich dieser Frage in seiner neuesten Analyse angenommen. Zudem geht das ISW davon aus, dass die russischen Fronten in der Ukraine zunehmend geschwächt werden. Alexander Vindmann, ehemaliger Direktor für europäische Angelegenheiten beim Nationalen Sicherheitsrat der USA, äußert auf der amerikanischen Nachrichtenplattform The Daily Beast sogar die Vermutung, dass Prigoschins Tod den Friedensprozess in der Ukraine beschleunigen könnte.

Russland und die Wagner-Söldner: Kreml strebt Kontrolle an

Laut ISW hat Russland bereits mehrere zusätzliche Söldnergruppen ins Leben gerufen, die daran arbeiten, Wagner-Soldaten anzuwerben. Das russische Verteidigungsministerium strebt nach Einschätzung des Instituts die Kontrolle über die Wagner-Operationen an. Satellitenbilder aus Belarus deuten bereits jetzt auf eine erhebliche Schwächung der dort stationierten Truppen hin, allerdings ist dies bisher nicht bestätigt.

Welchen Einfluss wird Prigoschins angeblicher Tod auf Russlands Krieg gegen die Ukraine haben? (Symbolfoto)

Eine vollständige Auflösung der Wagner-Gruppe erscheint ebenso wahrscheinlich wie eine Unterordnung unter das russische Verteidigungsministerium, so die Analyse. Das ISW hält die Ernennung eines neuen, kremltreuen Führers derzeit für unwahrscheinlich.

Ukraine-Krieg: Russlands Linien teilweise schwach

Der mutmaßliche Tod von Prigoschin könnte nach Ansicht des ehemaligen Generals Vindmann Wladimir Putin den benötigten Spielraum für Verhandlungen verschaffen. Putin hatte bereits durch die Entlassung von General Sergei Surowikin und die Verhaftung von Igor Girkin den nationalen Flügel stark geschwächt. Durch das Ausscheiden der drei Kritiker könnte der Druck auf eine Fortsetzung des Krieges abnehmen und so Raum für Verhandlungen schaffen.

Prigoschin stirbt bei Flugzeug-Katastrophe – Bilder vom Unglücksort

Söldnerführer Prigoschin offenbar bei Flugzeugabsturz getötet
Flüge unternahm Jewgeni Prigoschin mit seinem Privatjet. Jetzt ist er bei einem Absturz seiner Embraer Legacy 600 getötet worden. Der russische Präsident Wladimir Putin bestätigte dessen Tod. © picture alliance/dpa/Luba Ostrovskaya/AP
Das Bild stammt vom Telegram-Kanal Grey Zone, der Prigoschin nahe steht, und soll Prigoschins Privatjet zeigen, der vom Himmel fällt.
Am Mittwochabend (23. August) fiel die Maschine auf dem Weg von Moskau nach Sankt Petersburg vom Himmel. Das Bild stammt vom Telegram-Kanal Grey Zone, der Prigoschin nahesteht. © IMAGO/Gray_Zone
„Ostoroschno Nowosti“ veröffentlichte ein Bild aus einem Video, das die Absturzstelle in der Nähe des Dorfes Kuschenkino in der Region Twer zeigt.
„Ostoroschno Nowosti“ veröffentlichte ein Bild aus einem Video, das die Absturzstelle in der Nähe des Dorfes Kuschenkino in der Region Twer zeigt. © picture alliance/dpa/Ostorozhno Novosti/AP
Offenbar ist der Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen. Es wird über einen Doppelgänger spekuliert.
Noch am Abend meldete die russische Luftfahrtbehörde, dass Prigoschin im Unglücksflieger saß. Sein Tod wurde einen Tag später bestätigt.  © Lev Borodin/IMAGO
Das Wrack, in dem zehn Menschen starben, brannte völlig aus. Die Identifizierung der Leichen ist schwierig.
Das Wrack, in dem zehn Menschen starben, brannte völlig aus. © picture alliance/dpa/Investigative Committee of Russia/XinHua | Uncredited
Die Absturzstelle gut 200 Kilometer nordwestlich von Moskau gleicht einem Trümmerfeld.
Die Absturzstelle gut 200 Kilometer nordwestlich von Moskau gleicht einem Trümmerfeld. © picture alliance/dpa/AP | Uncredited
Teile liegen verstreut nahe einem Waldgebiet.
Teile liegen verstreut nahe einem Waldgebiet. © IMAGO/SNA
Ein Trümmerteil liegt auf dem Boden.
Dass es sich einmal um ein Flugzeug handelte, ist kaum zu erkennen. © IMAGO/Vitaliy Shustrov
Russische Ermittler beginnen vor Ort mit der Untersuchung des Unglücks.
Russische Ermittler beginnen vor Ort mit der Untersuchung des Unglücks.  © picture alliance/dpa/AP | Alexander Zemlianichenko
Die Toten werden zur Untersuchung in eine Halle nach Twer gebracht.
Die Toten werden abtransportiert. © picture alliance/dpa/AP | Uncredited
In dieses Gebäude der Gerichtsmedizin wurden die Körper offenbar zur Untersuchung gebracht.
In dieses Gebäude der Gerichtsmedizin der Region Twer wurden die Körper offenbar zur Untersuchung gebracht.  © IMAGO/Petrov Sergey
Ein Mann legt Blumen in Prigoschins Geburtsstadt Sankt Petersburg nieder.
Noch am Abend des Absturzes werden in einigen Städten Russlands Gedenkstätten eingerichtet. Hier legt ein Mann Blumen in Prigoschins Geburtsstadt Sankt Petersburg nieder. © IMAGO/Alexander Galperin
Prigoschin und Kreml-Chef Putin
Prigoschin galt lange als Vertrauter Putins (r.). Bevor er den Kremlchef kennenlernte, war er ein Krimineller und verbüßte eine langjährige Haftstrafe. © Alexei Druzhinin/dpa
Prigoschin und Putin
Nach seiner Entlassung eröffnete er Restaurants in Sankt Petersburg und lernte Putin kennen, der ebenfalls aus der Stadt kommt. © Alexey Druzhinin/AFP
In der Folge erhielt Prigoschins Cateringfirma „Konkord“ viele öffentliche Aufträge, was ihm letztlich zu Reichtum verhalf.
In der Folge erhielt Prigoschins Cateringfirma „Konkord“ viele öffentliche Aufträge, was ihm letztlich zu Reichtum verhalf. © IMAGO / ITAR-TASS
Die berüchtigten Wagner-Söldnertruppen haben, im Kommando von Jewgeni Prigoschin und im Namen Russlands, sich am Ukraine-Krieg beteiligt. Den sehr wahrscheinlichen Tod von Putins Wagner-Chef nehmen in der Ukraine viele Menschen mit Freude wahr.
Ab 2013 begann Prigoschin, das private Sicherheits- und Militärunternehmen Gruppe Wagner zu formen. Die Söldnertruppe war im Auftrag der Regierung weltweit tätig und setzte russische Interessen durch. © Uncredited/Prigozhin Press Service/AP/dpa/Archiv
Kämpfer der Wagner-Gruppe, die berüchtigt für ihre brutalen Methoden sind, unterstützen russische Truppen auch im Ukraine-Krieg.
Kämpfer der Wagner-Gruppe, die berüchtigt für ihre brutalen Methoden sind, unterstützten russische Truppen auch im Ukraine-Krieg. Doch spätestens am 23. Juni 2023 war das Tischtuch zwischen Putin und Prigoschin zerschnitten.  © IMAGO/RIA Novosti
Wagner-Söldner in Rostow am Don.
Nachdem er zuvor im Ukraine-Krieg die russische Militärführung bereits mehrfach scharf kritisiert hatte, befahl Prigoschin an jenem Tag einen Aufstand gegen die russische Regierung. Wagner-Söldner marschierten Richtung Moskau. © IMAGO/Vladimir Konstantinov
Kämpfer der Wagner-Gruppe verlassen Rostow am Don.
Nur einen Tag später brach Prigoschin nach Vermittlung des belarussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko den Aufstand wenige Hundert Kilometer vor Moskau ab. © IMAGO/Sergey Pivovarov
Prigoschin
Der Wagner-Boss ging ins Exil nach Weißrussland. Jetzt starb er im Alter von 62 Jahren. Nicht wenige vermuten, dass sich Putin für Prigoschins Illoyalität rächte. © -/AP/dpa

Vindmann hält Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine im Herbst für möglich, wie er bei The Daily Beast schreibt. Ob diese, falls sie tatsächlich stattfinden, zu einer Entspannung der Situation führen, bleibt jedoch ungewiss.

Die Frontlinien der pro-russischen Truppen im Ukraine-Krieg werden laut der ISW-Analyse zunehmend durchlässiger. Am Donnerstag (24. August) sollen die ukrainischen Streitkräfte ihren Durchbruch in die russischen Verteidigungslinien im Oblast Saporischschja weiter ausgebaut haben, heißt es.

Russland unter Druck: Truppenbewegungen deuten auf Schwächung hin

Die russischen Truppenverlegungen deuten nach Einschätzung des ISW ebenfalls auf eine Schwächung der Frontlinien im Oblast Saporischschja hin. Aus der Oblast Cherson werden weitere Streitkräfte in die Region Saporischschja verlegt, wie Natalja Humenjuk, Sprecherin des ukrainischen Süd-Einsatzkommandos, bereits am Mittwoch (23. August) mitteilte.

Auch auf der besetzten Halbinsel Krim soll es ukrainischen Truppen gelungen sein zu landen. Hier soll es am Donnerstag zu Kämpfen mit russischen Streitkräften gekommen sein, wie der Militärgeheimdienst der Ukraine (GUR) mitteilte. Nach Angaben des ISW äußerten sich mehrere prominente russische Militärblogger besorgt über Schwachstellen in den russischen Verteidigungslinien. Allerdings konnten die russischen Truppen auch an vier Punkten nach Offensivaktionen vorrücken, wie das ISW berichtet. In der Nähe der Stadt Bachmut hätten beide Seiten sogar Geländegewinne verzeichnen können, heißt es. (Lucas Maier)

Für diesen von der Redaktion geschriebenen Artikel wurde maschinelle Unterstützung genutzt. Der Artikel wurde vor Veröffentlichung von Redakteur Lukas Rogalla sorgfältig überprüft.

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