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Prigoschins Unternehmen geraten nach dem Wagner-Aufstand unter Druck. Der Söldner-Chef könnte bald sein aufgebautes Firmennetz verlieren.
Moskau – Im Laufe der Jahre baute Jewgeni Prigoschin eine der komplexesten Unternehmensstrukturen der Welt auf, die weit über seine Söldnertätigkeit hinausging und Unternehmen in den Bereichen Medien, Logistik, Bergbau, Film und Catering umfasste – wofür er den Spitznamen „Putins Koch“ erhielt. Doch nachdem Wladimir Putin den Wagner-Chef des Verrats beschuldigt hatte, begann Moskau, Prigoschins weitverzweigtes Firmennetz zu zerschlagen.
Nach Wagner-Aufstand sind mehrere Unternehmen von Prigoschin im Visier des Kreml
Jüngst sperrte die Informationsaufsichtsbehörde des Landes, Roskomnadsor, die meisten Medien, die mit Prigoschin in Verbindung stehen, und kurz darauf kündigte der Direktor von Patriot Media an, dass der Medienbetrieb sofort eingestellt werde. Patriot Media hatte über die Wagner-Söldner und Prigoschin stets positiv berichtet.
Ebenso die „Agentur für Internetforschung“ (IRA) soll es nicht mehr geben. Prigoschins Trollfabrik, berüchtigt für Desinformation und Manipulation im Sinne des Kreml, soll unter anderem den US-Präsidentschaftswahlkampf im Jahr 2016 zugunsten von Donald Trump beeinflusst haben.
Prigoschins Imperium bröckelt nach Wagner-Aufstand
Prigoschins Image scheint sich nach der Wagner-Revolte im eigenen Land deutlich verschlechtert zu haben. Mit Concord hatte Prigoschin ein riesiges Catering-Unternehmen auf, das Schulen, vor allem aber die russische Armee, mit Essen belieferte. Auch Berichte über Catering-Skandale gibt es. Einige Tage nach der gescheiterten Meuterei begannen mit Prigoschin verbundene Unternehmen nach mehreren Berichten unabhängiger russischer Medien, Aufträge für Schulmahlzeiten zu verlieren.
Mit seiner Catering-Firma soll Prigoschin alleine zwischen Mai 2022 und Mai 2023 Militäraufträge im Wert von fast 2 Milliarden Dollar erhalten haben. Putin selbst sagte auf einer Militärrede: „Der Besitzer der Firma Concord hat weitere 80 Milliarden Rubel verdient, indem er Nahrungsmittel an die Armee lieferte und weitere Dienstleistungen anbot.“ Prigoschins Namen nahm der Präsident nicht in den Mund. Vorerst sollen die Firmen laut dem Guardian für die Versorgung einiger der zahlreichen russischen Militärstädte mit Lebensmitteln und anderen Vorräten sowie für die Verpflegung der Moskauer Militärstützpunkte in Armenien und Kirgisistan verantwortlich bleiben.
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Putin räumt finanzielle Beziehung zu Wagner ein: „Lebensunterhalt vom Staat übernommen“
Nach dem Wagner-Aufstand erst räumte Putin enge finanzielle Beziehungen zur Söldnerarmee ein: „Der ‚Lebensunterhalt‘ der gesamten Wagner-Gruppe wurde komplett vom Staat übernommen. Vom Verteidigungsministerium, aus dem Staatshaushalt, haben wir die Gruppe komplett finanziert.“ Obwohl private Militärunternehmen in Russland gar nicht erlaubt sind, flossen von Mai 2022 bis Mai 2023 nach Putins Angaben umgerechnet über 930 Millionen Euro an die Gruppe Wagner, im Wesentlichen für Gehälter. Überweisungen in dieser Größenordnung dürften nun Geschichte sein.
Letzte Woche deutete Putin zudem an, dass die Finanzen von Prigoschin untersucht würden. „Ich hoffe, dass niemand dabei etwas geklaut hat. Oder sagen wir mal so: nicht viel gestohlen hat. Aber natürlich werden wir das auf jeden Fall klären“, sagte Putin auf einer Militärrede.
Für Moskau ist klar, dass möglichst alle Erinnerungen an Prigoschin verschwinden sollen. Am Wochenende wurden die meisten Erinnerungen an Prigoschins Existenz in seiner Heimatstadt St. Petersburg beseitigt. Ein großes Wagner-Schild wurde am Samstag vom Hauptsitz des Unternehmens entfernt, während Reinigungskräfte in dem Glasturm dabei fotografiert wurden, wie sie das Logo der Gruppe von einem großen Fenster abkratzten. (bohy)
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