VonSandra Katheschließen
Nach Prigoschins Rolle im Wagner-Aufstand und seiner Exilierung nach Belarus gibt es verschiedene Theorien, wie es mit dem Söldner-Chef nun weitergeht.
Moskau – Noch vor wenigen Tagen war der Chef der Wagner-Gruppe, Jewgeni Prigoschin, einer der einflussreichsten Männer im Ukraine-Krieg, der über Wochen unbehelligt Putins höchste Generäle und Regierungsmitarbeiter beschimpfen konnte. Dann kam die Wagner-Revolte und veränderte alles. Russische Medien arbeiten derzeit nicht nur auf Hochtouren daran, Putins Autorität nach dem von Prigoschin initiierten PR-Gau wiederherzustellen – sie scheinen den 62-Jährigen Prigoschin aus der öffentlichen Wahrnehmung komplett ausradieren zu wollen.
Dabei hatte der sich ja nicht nur militärisch für das Putin-Regime als nützlich erwiesen, sondern Medienberichten zufolge auch mit mehreren Propaganda-Unternehmen, die regelmäßig nicht nur der russischen Regierung selbst, sondern auch Prigoschins eigenen Plänen nutzten. Umso bezeichnender ist jetzt ein Bericht des britischen Guardian, nach dem – infolge des Wagner-Aufstands – mehrere dieser Unternehmen am Freitag von Staatsseite aus geschlossen worden seien.
Prigoschin in russischen Medien: Als hätte der Wagner-Chef nie existiert
Passend dazu ist auch Jewgeni Prigoschin wie spurlos aus den russischen Medien verschwunden, seit der Wagner-Chef in sein Exil in Belarus gebracht wurde, wo Wladimir Putin ihm nach der Meuterei seiner Truppe Berichten zufolge eine Amnestie in Aussicht gestellt haben soll. Dem Guardian sagte ein russischer Medien-Insider, dass es sich in aktuell anfühle, als habe Prigoschin einfach nie existiert: „Sie sagen: „So, jetzt haben wir [die Meuterei] angesprochen, aber jetzt gehen wir wieder zur Tagesordnung zurück und von Prigoschin wird nie wieder die Rede sein, definitiv nicht im Fernsehen.“
Ganz anders ist die Sache mit der Wagner-Gruppe, die scheinbar auch nach Prigoschins Abtauchen ins Exil weitermachen soll und nach wie vor Kämpfer rekrutiert. Wie der Guardian berichtet, zeichne sich aktuell ab, dass die russische Regierung vor allem Interesse daran zeige, Prigoschins „Söldner-Imperium in Übersee sowie dessen Einfluss in Afrika“ übernehmen zu wollen, und gleichzeitig „Prigoschins persönliche Rolle zu eliminieren“.
Prigoschin nach dem Wagner-Aufstand: Ukraine will von Mordplänen wissen
Wobei da auch noch die Gerüchte sind, die der ukrainische Militärgeheimdienstchef Kyrylo Budanow Ende dieser Woche geäußert hat. Mehrere Medien, darunter das Online-Magazin Ukrajinska Prawda berichteten über ein Interview, in dem einer der wichtigsten Militärs der Ukraine gesagt hatte, dass der russische Geheimdienst FSB beauftragt worden sei, Prigoschin zu liquidieren: „Wir wissen, dass der FSB den Auftrag erhalten hat, Prigoschin zu töten. Ob es ihm gelingen wird, wird die Zeit zeigen“, hieß es in dem Interview.
In jedem Fall wird der Wagner-Chef, der in den vergangenen Wochen immer wieder Schlagzeilen gemacht hatte, etwa mit der Forderung, den russischen Verteidigungsminister Schoigu und Generalstabschef Gerassimow liquidieren zu lassen oder zumindest rauszuwerfen, Sichtbarkeit und Beliebtheit schnell verlieren – zumindest wenn es nach der russischen Staatsführung und ihrer Medien geht. In einer Beliebtheitsumfrage des russischen Meinungsforschungsinstituts Lewada gaben noch vor dem Wagner-Aufmarsch gut 58 Prozent der Befragten an, Prigoschin zu befürworten. Nach dem Vorfall lag Prigoschins Zustimmung in Russland bei gerade einmal 29 Prozent. Doch auch das dürfte aus der Sicht eines Wladimir Putin, der befürchten muss, dass der Wagner-Aufstand seine Autorität schmälern könnte, noch zu viel sein. (saka)
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